Jochen Sauer: Der Kampf um Talente wird jetzt noch größer

Im zweiten Teil des AZ-Interviews spricht Bayerns Nachwuchschef Jochen Sauer über die Folgen der Corona-Krise und Hermann Gerlands Einfluss: "Er hat einen großen Wert, eine wahnsinnige Erfahrung."
| Maximilian Koch
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Am Bayern-Campus werden Jungstars geformt – wie etwa (v.l.) Oliver Batista Meier, Joshua Zirkzee und Alphonso Davies
dpa, firo/Augenklick/AZ 2 Am Bayern-Campus werden Jungstars geformt – wie etwa (v.l.) Oliver Batista Meier, Joshua Zirkzee und Alphonso Davies
Jochen Sauer im Gespräch mit AZ-Redakteur Maximilian Koch.
Daniel von Loeper 2 Jochen Sauer im Gespräch mit AZ-Redakteur Maximilian Koch.

München - AZ-Interview mit Jochen Sauer: Der 48-Jährige, hier im Gespräch mit AZ-Redakteur Maximilian Koch, ist seit 2017 Nachwuchsleiter beim FC Bayern. Zuvor arbeitete er schon für RB Salzburg, Hertha BSC und den VfL Wolfsburg.

Jochen Sauer im Gespräch mit AZ-Redakteur Maximilian Koch.
Jochen Sauer im Gespräch mit AZ-Redakteur Maximilian Koch. © Daniel von Loeper

AZ: Herr Sauer, wird die Nachwuchsarbeit aufgrund der finanziellen Auswirkungen der Corona-Pandemie aus Ihrer Sicht jetzt noch wichtiger als ohnehin schon in den vergangenen Jahren?
JOCHEN SAUER: Es wird wirtschaftlich wohl für jeden Klub schwieriger, wenn die Zuschauereinnahmen fehlen. Wenn du es schaffst, konkurrenzfähige Spieler aus dem eigenen Nachwuchs in den Kader einzubauen, ist das sicher hilfreich. Aber im Nachwuchs arbeiten wir ja generell unabhängig von den wirtschaftlichen Gegebenheiten daran, junge Spieler in die Bundesliga zu bringen. Das ist unser Anspruch und Ehrgeiz. Wahrscheinlich wird der Konkurrenzkampf um Talente jetzt noch größer werden. Aber ich sehe dem gelassen entgegen.

Warum?
Wir haben in jeder Altersklasse schon sehr gute Spieler. In den vergangenen drei Jahren haben wir jeweils nur sehr wenige Spieler für die U16, U17 und U19 von außerhalb verpflichtet, in diesem Jahr wird es ähnlich sein.

Sauer über Bayern: "Die Aufgabe hat mich immens gereizt"

Bayern-Legende Hermann Gerland wird immer wieder gelobt, auch von Hansi Flick. Wie groß ist sein Anteil am Aufschwung der Jugend?
Hermann Gerland hat einen großen Wert, eine wahnsinnige Erfahrung über 30, 35 Jahre. Er hat junge Spieler gesehen, die es beim FC Bayern gepackt haben: Von Hamann und Babbel bis hin zu Lahm und Alaba. Da entwickelst du einfach ein besonderes Gespür. Hermann ist zudem sehr klar in seiner Meinung. Er sagt: "Der kann es wirklich schaffen – und der schafft es eher nicht."

Ist die Rolle als Campus-Chef beim FC Bayern eigentlich Ihr Traumjob? Sportvorstand Hasan Salihamidzic hat sie sehr gelobt und als Glücksfall für den Klub bezeichnet.
Ich habe mich bewusst für den Schritt aus dem Profibereich zum Nachwuchs des FC Bayern entschieden, weil mich die Aufgabe immens gereizt hat: Ich wollte mithelfen, den Bayern-Nachwuchs wieder voranzutreiben, einem Klub, der jedes Jahr das Ziel hat, die Champions League zu gewinnen. Wir wollen den Profis durch gute Nachwuchsausbildung junge Spieler zur Verfügung zu stellen, die mithalten können. Und diese Aufgabe reizt mich immer noch sehr. Es macht mir großen Spaß, beim FC Bayern zu arbeiten.

Aktuell suchen Sie einen Trainer für die Bayern-Amateure. Vielleicht wäre Sebastian Hoeneß ja geblieben und nicht zu Hoffenheim gewechselt, wenn Bayern in die 2. Liga hätte aufsteigen dürfen. Präsident Herbert Hainer hat diese Idee kürzlich geäußert, dass es Zweiten Mannschaften erlaubt sein sollte, höher als in der 3. Liga zu spielen. Ein realistisches Szenario?
Ich bin zunächst einmal froh, dass Herbert Hainer diese Diskussion angestoßen hat. Die Frage wurde über viele Jahre gar nicht mehr gestellt, dabei gibt es einige Ligen in Europa, in denen es anders gehandhabt wird, etwa in Spanien oder Österreich. Und es funktioniert dort ja auch. Deshalb ist die Debatte legitim. Dass die Idee nicht überall auf Gegenliebe stößt, war zu erwarten. Es gibt wahnsinnig viele Vereine, die den Anspruch haben, in der 1. oder 2. Liga zu spielen. Deshalb wird es schwierig, diese Idee zu diskutieren. Es gibt aber für beide Ansichten gute und legitime Argumente.

Den ersten Teil des AZ-Interviews mit Jochen Sauer lesen Sie hier

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