Hoeneß zum Südkurvenstreit: "An Gesetze halten"

Eskaliert jetzt der Südkurvenstreit in der Allianz Arena? Bayerns Bosse stellen die neuen Zugangsbeschränkungen bei Europacupspielen als alternativlos dar.
| Florian Bogner
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Verärgert wegen der Sicherheitsbestimmungen blieben viele Bayern-Fans der Südkurve beim Spiel gegen Lille fern.
Florian Bogner Verärgert wegen der Sicherheitsbestimmungen blieben viele Bayern-Fans der Südkurve beim Spiel gegen Lille fern.

Eskaliert jetzt der Südkurvenstreit in der Allianz Arena? Bayerns Bosse stellen die neuen Zugangsbeschränkungen bei Europacupspielen als alternativlos dar.

München - Der Streit um Zugangsbeschränkungen zur den Blocken 112 und 113 im Herzen der Südkurve in der Allianz Arena bei Europacup-Spielen geht in die nächste Runde.

Nachdem ein Teil der Fans auf Initiative der Fanvereinigung "Club Nr. 12" beim Champions-League-Spiel gegen den OSC Lille erneut der Südkurve fern geblieben waren, haben am Donnerstagvormittag Uli Hoeneß und Karl Hopfner zur Sachlage Stellung genommen.

Lesen Sie hier: Wieder gähnende Leere in der Südkurve

"Wenn die Uefa gewisse Vorschriften macht, wie viele Leute dort sitzen oder stehen dürfen, dann wird sich der FC Bayern daran halten. Die, die das jetzt anders sehen, werden uns nicht helfen, wenn in unserer Kurve irgendwann mal was passiert und sich herausstellt, dass sich dort viel zu viele Menschen aufgehalten haben und der FC Bayern seiner Aufsichtspflicht nicht nachgekommen ist", meinte Bayern-Präsident Hoeneß auf einer Pressekonferenz anlässlich der Neubesetzung der Vize-Präsidentenposten des Vereins.

Das Argument der Vereinsführung: "Auch der FC Bayern muss sich an die Gesetze unseres Landes halten."

Der Hintergrund: Weil in der Vergangenheit bei Europacupspielen nach Vereinsangaben bis zu 500 Fans mehr als erlaubt in der Südkurve standen, reglementiert der FC Bayern nun den Zugang zu den Blöcken 112 und 113, ab sofort müssen sich die Karteninhaber vor jedem Champions-League-Heimspiel am Eingang ein spezielles Einlassticket für diese Blöcke abholen.

Der FC Bayern möchte damit verhindern, dass Fans, die eigentlich Tickets für andere Blöcke gekauft haben, in die oben genannten Blöcke "geschmuggelt" werden, wo die Treuesten der Treuen und Stimmungsmacher stehen. Der FC Bayern begründet dies mit Sicherheitsfragen, eine Überfüllung der Blöcke soll so verhindert werden. Die Blöcke sind mit 1385 Plätzen bestuhlt und auch nur für eben diese Anzahl an Fans bei internationalen Spielen zugelassen. In der Bundesliga sind dafür insgesamt 1800 Plätze zugelassen - bei Liga-Spielen sind die Blöcke 112 und 113 schließlich Stehplätze.

"Nachdem immer wieder geschmuggelt, unterlaufen und seitlich übergestiegen wurde, mussten wir handeln", sagte der zum Jahresende scheidende stellvertretende Vorstandsvorsitzende Hopfner zu den neuen Bestimmungen. "Es ist eine Haftungsfrage. Wenn was passiert, wäre der Aufschrei groß: Wie könnt ihr nur? Ihr wisst doch, dass nur so und so viele Menschen rein dürfen!'"

"Wenn man auf der Landstraße 100 fahren darf, kann man ja auch nicht 130 fahren und dann sagen: Es ging, die Straße war ja frei.“ Hoeneß: "Wenn dann ein Unfall passiert, ist man dran."

Hopfner weiter: "Man musste die Kontrollen verschärfen. Verschärfen heißt: Jeder, der eine Karte für diesen Block hat, kommt auch in diesen Block. Aber es kommt niemand mehr zusätzlich rein, wenn die Kapazität ausgereizt ist. Irgendwo drehen wir uns da im Kreisverkehr – Kapazität ist Kapazität und die kann man nicht erweitern."

 


 

Hoeneß dazu: "Ich bin als Präsident total auf der Seite des Vorstands – er muss darauf achten, dass die Regularien der Behörden und unsere Gesetze eingehalten werden, denn die Verantwortung liegt ausschließlich bei ihm."

Am Mittwoch hatten Fans bei einer Versammlung vor dem Spiel aus Protest beschlossen (hier mehr zu den Beweggründen), auf den Zutritt in die "mittleren" Blöcken der Kurve zu verzichten, so wie es schon teilweise beim ersten Gruppenspiel gegen den FC Valencia (2:1) im September praktiziert wurde. Und so kam es. Rund 400 Plätze in der Südkurve blieben bei Abpfiff der Partie leer. Dazu protestierten die Fans mit zwei Plakaten. Unten an der Kurve stand: "Ist es das, was ihr wollt?" Und oben drüber, am Mittelrang befestigt: "Klatschpappen kann man kaufen - Stimmung nicht!"

Man habe damit zeigen wollen, "wie sich die Zerstörung dieser Strukturen in der Südkurve langfristig auf die Stimmung auswirken würde", schrieb die Fan-Vereinigung auf der eigenen Homepage. Zwar sieht man auf Seiten des "Club Nr. 12" die Sicherheitsbedenken des FC Bayern und der Polizei ein, findet aber auch, "dass es die Vereinsführung aus nicht erklärbaren Gründen versäumt hat, eine Lösung zu finden, die sowohl die Sicherheitsaspekte, wie auch die Interessen der stimmungswilligen Fans, berücksichtigt".

Der klare Vorwurf: "Bei den Fans ist dadurch der Eindruck entstanden, dass die Vereinsführung keinen besonderen Wert auf die in den letzten Jahren in der Südkurve gewachsenen Strukturen legt."

Das konnte Hopfner so nicht stehen lassen: "Wir haben den Arbeitskreis Fan-Dialog, in dem der Sprecher des 'Club Nr. 12' von sich aus die Bereitschaft, dort mitzuarbeiten, niedergelegt hat. Jetzt zu sagen, es fehlt hier der Dialog, ist eine Umkehrung der Situation."

Auch Hoeneß widersprach der Darstellung der Fans vehement, sagte: "Das ist eine falsche Wahrnehmung. Wir würden auch noch 1000 Leute mehr in diesen Block lassen, wenn die Behörden das zulassen würden." Und schlug vor: "Vielleicht kann sich der 'Club Nr. 12' ja mit einschalten, damit wir mehr genehmigt kriegen. Der FC Bayern wäre ja verrückt, wenn er die Karten nicht verkaufen würde."

Sollte dem Verein jemand vorwerfen, er wolle nicht mehr Karten verkaufen, sei das "gerade schizophren". Hoeneß: "Natürlich sind wir als gewinnorientierter Klub daran interessiert, so viele Leute wie möglich ins Stadion zu bekommen. Wir, der Vorstand, hat in den letzten Monaten extrem drum gekämpft die Kapazität auf 71.000 Plätze zu erhöhen – das war nicht einfach, weil da auch Sicherheitsbedenken der Behörden vorlagen."

Nächste Runde im Streit: Nächsten Donnerstag bei der Jahreshauptversammlung des Vereins im Audi Dome. Wobei Hoeneß dort keine allzu kritischen Wortmeldungen befürchtet: "Der FC Bayern steht in einem permanenten Dialog mit den Fans – im Gegensatz zu anderen Bundesligavereinen. Allen unseren Fans steht für konstruktive Gespräche die Tür zum Vorstand und zu den Fanclubbetreuern immer offen und sie wird auch immer offen bleiben. Deswegen sehe ich gar keine große Gefahr, dass da groß was passieren kann. Solange man miteinander redet, ist alles möglich."

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