Hoeneß: „Ich wollte die soziale Leiter hoch“

Am Donnerstag wird Uli Hoeneß 60 Jahre alt. An diesem Montag beginnt eine AZ-Serie über den Präsidenten des FC Bayern: die Anfänge in Ulm.
| Patrick Strasser
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Uli Hoeneß: Mit 18 kickte der blonde Flügelflitzer für die TSG Ulm 1846, hier 1970 im Test gegen den VfB Stuttgart.
imago Uli Hoeneß: Mit 18 kickte der blonde Flügelflitzer für die TSG Ulm 1846, hier 1970 im Test gegen den VfB Stuttgart.

Am Donnerstag wird Uli Hoeneß 60 Jahre alt. AZ-Serie über den Präsidenten des FC Bayern München: die Anfänge in Ulm.

München - Jeden Morgen um drei Uhr quälte sich Hoeneß aus dem Bett, um im Laden alles vorzubereiten für die ersten Kunden am Morgen. Erwin Hoeneß, der Vater von Uli. Seine Mutter Paula stand tagsüber in der Metzgerei am Eselsberg 1 in Ulm und machte am Wochenende die Buchhaltung. Wenn es sein musste, hat Uli 1962 bereits als Zehnjähriger an der Kasse ausgeholfen. Denn in seinem Elternhaus wurde nie mehr Geld ausgegeben als eingenommen, schon gar nicht für Personal, also half die Familie aus.

Nie mehr Geld ausgeben, als man eingenommen hat – eine Losung, die Hoeneß später zur Maxime seiner Tätigkeit als Bayern-Manager und heutiger Präsident und Aufsichtsratsvorsitzender machen sollte. Für Uli und seinen ein Jahr jüngeren Bruder Dieter waren ihre Eltern Vorbilder. Im Rückblick sagte Uli Hoeneß: „Weihnachten war nur dann ein gutes Fest, wenn vorher gut verkauft wurde. Das bedeutete schlaflose Nächte vor Heiligabend. Ihnen bin ich ewig dankbar. Die sind für uns gestorben, weil sie sich aufgeopfert haben, dass etwas wird aus ihren Kindern.“

Mit fünf Jahren meldeten ihn die Eltern dann beim VfB Ulm an, der Vater war schließlich Gründungsmitglied. Nach dem Unterricht in der Hans-Multscher-Grundschule trafen sich die Kumpel am Bolzplatz zum Kicken. Weil er so herausragend gut war, wurde Hoeneß in allen Mannschaften Kapitän. „Da es keinen besseren Spieler in unserem Bezirk gab, war Uli der Macher“, erinnert sich Kurt Stark, der in der Nachbarschaft wohnte. „Schon früh hat er versucht, mit seiner Meinung auf die Trainer Einfluss zu nehmen. Und tatsächlich: Die haben auf ihn gehört.“


Mit 13 Jahren wechselte Hoeneß dann den Verein und ging zur TSG Ulm, dem Stadtrivalen. Kumpel Kurt kickte stets eine Jahrgangsstufe unter ihm, gemeinsam mit Dieter Hoeneß
. Das Training und das Konditionsbolzen wurden mit der Zeit immer ernsthafter, zielstrebiger. Papa Erwin, der ja ohnehin wegen seiner Arbeit früh aufstand, musste seinen Sohn
Uli jeden Morgen je nach Jahreszeit um fünf oder sechs Uhr wecken. Der tägliche Waldlauf mit ein paar Kumpels stand an. „Die meisten von uns haben dabei nur Blödsinn gemacht, sind über Gartenzäune gesprungen, haben Erdbeeren geklaut“, erzählt Stark, „nur der Uli nicht, der ist weitergerannt, hat sich nicht beirren lassen.“

Früh spürte Hoeneß, dass er auf dem richtigen Weg war in Richtung einer großen Karriere: württembergische Schulauswahl, süddeutsche Schülerauswahl, mit 15 deutsche Jugendnationalmannschaft. Und der Ehrgeiz nahm nie ab. Sein Jugendleiter Roland Schmidle, ein Dachdecker, hielt große Stücke auf ihn: „Mit seinem Ehrgeiz hätte er in jeder anderen Sportart auch etwas erreichen können. Er hat immer Einsatz gezeigt, gerade weil er ja auch ein wenig pummelig war.“


Längst hatte er begonnen, an dieser Schwäche zu arbeiten. „Ich war zu langsam und nicht ausdauernd genug“, sagt Hoeneß im Rückblick. „Mit 18 wurde ich in Ulm Winterwaldlaufmeister über 2000 Meter und bin die 100 Meter in elf Sekunden gelaufen. Ich wollte die soziale Leiter hochsteigen. Ich habe im Fußball für mich eine Chance gesehen.“ Auch als Verantwortung gefragt war, konnte er kaum einmal Nein sagen. Irgendein Amt musste er immer innehaben, eine innere Stimme drängte ihn wohl dazu. Er war Ministrant, Laienschauspieler, Schulsprecher – und spielte auch auf dem Schubart-Gymnasium, einer reinen Jungenschule, eine führende Rolle. Kraft-Otto Steinle, über mehrere Jahre.

Hoeneß’ Klassenlehrer, sieht den jungen Uli noch vor sich, wenn er erzählt: „Er war eine Autorität im Klassenzimmer, weil er beides vereinen konnte: sich auf den Fußball konzentrieren und dennoch gut sein in der Schule.“

Als Schulsprecher lernte er seine spätere Frau Susi kennen, die auf einer Mädchen-Realschule war. Im Sommer 1969 organisierten sie ein gemeinsames Schulfest – und im November ’73 in Rottach-Egern ihre Hochzeit.

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