Hoeneß hofft: Dann halt Dortmund!

Am Freitag, 12 Uhr wird dem FC Bayern der Gegner fürs Halbfinale zugelost. Hoeneß und der Kaiser wünschen sich die Borussia und erklären, warum das leichter wäre als Real Madrid und Barcelona
| Patrick Strasser
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Freitag, 12 Uhr wird dem FC Bayern der Gegner fürs Halbfinale zugelost. Hoeneß und der Kaiser wünschen sich die Borussia und erklären, warum das leichter wäre als Real Madrid und Barcelona

TURIN/MÜNCHEN Das deutsch-spanische Halbfinale der diesjährigen Champions-League-Saison begann am Hotel-Fahrstuhl. Letzter verbliebener italienischer Teilnehmer war ein Rotwein. Arjen Robben hielt ein Glas guten Rosso in der Hand, als er sich vom Mitternachtsbankett auf sein Zimmer des Mannschaftshotels verabschieden wollte. Das 2:0, der souveräne Sieg bei Juventus Turin, war längst verdaut.

Kurzer Halt bei den Reportern, ein Halbfinal-Ausblick, bitte. Real, Barcelona oder Dortmund? Wer soll es sein? Festlegen wollte er sich nicht, nur ankündigen: „Jetzt gibt’s ein Feuerwerk. Die zwei Halbfinals werden super.” Doch gegen wen? Er hätte lieber ein Duell mit einem der Spanier. Eine einsame Meinung.
Der Lift stoppte. Tür auf. Von drinnen grüßte Franck Ribéry. Man rückte zusammen auf dem Weg nach oben zu den Zimmern. Tür zu. Abfahrt.

Der Großteil der Mannschaft wünscht sich Dortmund, den Bundesliga-Showdown. Dante etwa, auch Pizarro sprachen sich dafür aus. Wenn schon, denn schon. So auch die Meinung am Vorstandstisch. Garganelli in Muschelsoße, Tortellini mit Spargel oder Seebrassen-Filet an Zucchinigratin dienten als Grundlage für die Meinung: Der BVB soll her!

Als Erster verließ Präsident Uli Hoeneß um kurz vor zwei Uhr den Tisch der Bosse und hielt inne – am Fahrstuhl. Er drückte: volles Risiko. „Ich will Dortmund haben. Erst in Dortmund, dann in München”, so sein Wunsch für die Auslosung am Freitag (ab 12 Uhr). Weil? „Ich glaube, sie sind schlagbar. Schlagbarer als die Spanier.” So sah’s auch Franz Beckenbauer bei „Sky” – er will Dortmund. Warum? „Weil ich weiterkommen will!” Hoeneß: „Dortmund wäre der Gegner, bei dem wir am meisten Chancen haben. Meinen Sie, dass Dortmund besser ist als Real oder Barcelona? Ich glaube nicht.”

Die umstehenden VIPs und Sponsoren pflichteten ihm bei. Lieber im Halbfinale die Dortmunder, 2011 und 2012 Meister, persönlich aus dem Weg räumen. Ein noch schlimmerer Gau als Chelsea 2012 beim Finale dahoam wäre nur eine Pleite im Londoner Finale 2013 gegen den BVB, samt schwarz-gelber Party.
Erstmals stehen zwei deutsche Teams im Halbfinale – und damit die kompletten Nationalteams der beiden Länder. Vor den Spaniern hat Hoeneß mehr Respekt, selbst vor Real Madrid, die ja traditionell beim Namen FC Bayern weiche Knie bekommen. Doch Hoeneß warnt: „Die werden auch irgendwann mal besser spielen als sonst gegen uns.”

Letzte Saison kam Bayern via Elfmeterschießen im Estadio Bernabéu ins Finale. Und Barça? Das Nonplusultra? Hoeneß: „Ich glaube, dass sie von den drei Mannschaften, die neben uns noch übrig sind, immer noch die beste ist. Sie haben ein bisschen an ihrem Nimbus verloren. Früher haben sie die Spiele immer ziemlich klar gewonnen, gegen Paris wieder Probleme gehabt. Das ist man nicht gewohnt von ihnen.” Er spielte auf das 1:1 gegen Paris an.

Aus der neuen Fußballwunder-City kamen süffisante Antworten auf das Begehr von Hoeneß, sich baldmöglichst ganz oft zu sehen (neben einem möglichen Halbfinale der Königsklasse gibt’s das Liga-Duell am 4. Mai). „Die vergangenen Jahre haben ja gezeigt, dass wir gegen die Münchner durchaus das ein oder andere Spiel gewinnen können. Da sollte sich Uli Hoeneß also nicht zu sicher fühlen”, sagte BVB-Chef Hans-Joachim Watzke zur „Welt”. Ha! Wird sich Hoeneß denken und seinen Wahlspruch anführen: „The trend is your friend.” Im Pokal-Viertelfinale siegte Bayern Ende Februar 1:0, letzten August im Supercup 2:1. Watzke: „Ich bin da offenbar romantischer veranlagt. Für mich liegt der Reiz des Europapokals auch darin, internationale Partien zu spielen.”

Und Dortmunds Trainer Jürgen Klopp? Ganz schön Spitzbübisch: „Ich find's ganz cool, dass wir jetzt Wunsch-Los sind.” Die Sticheleien und der verbale Schlagabtausch dürften bei einem deutschen Kampf der Kulturen kaum größer sein. Drei Rendez-Vous innerhalb von elf oder zwölf Tagen. Wird am Freitag der BVB gezogen, ist Hoeneß wunschlos-glücklich. 

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