Hoeneß gibt Aufsichtsrats-Posten bei Allianz-Tochter auf

Steuer-Affäre: Bayern-Präsident Uli Hoeneß zieht sich Ende November aus dem Aufsichtsrat der Allianz-Tochter ABV zurück.
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München - Bayern-Präsident Uli Hoeneß nimmt der Allianz die Entscheidung ab: Zum 30. November wird er seinen Aufsichtsratsposten bei der „Allianz Beratungs- und Vertriebs AG“ (ABV) niederlegen. Hoeneß hat seinen Rückzug aus dem Gremium Allianz-Chef Markus Rieß vor wenigen Tagen mitgeteilt – offenbar kurz nachdem das Münchner Oberlandesgericht am Donnerstag letzter Woche die Anklage gegen ihn wegen Steuerhinterziehung zugelassen hatte (AZ berichtete).

Mit seinem Rückzug aus dem ABV-Aufsichtsrat zieht Hoeneß andere Konsequenzen als beim FC Bayern. Dort bleibt er weiter im Amt. Der Bayern-Aufsichtsrat hatte Hoeneß das Vertrauen ausgesprochen und mit seiner Stellungnahme sogar für den Fall einer Verurteilung vorgesorgt. Das Gesetz kenne „für Mitglieder des Aufsichtsrats kein Amtsverbot wegen einer strafrechtlichen Verurteilung“, hieß es. Die Verfehlungen von Hoeneß seien außerdem privat.

Bei der Allianz gibt es einen scharfen Firmenkodex, sogenannte Compliance-Regeln. Schon im August hatte der Konzern erklärt, der Fall Hoeneß würde „von den zuständigen Gremien geprüft“. Im Aufsichtsrat der Allianz-Tochter ABV sitzt auch der Chef des Gesamtkonzerns, Markus Rieß. Ihm habe Hoeneß seinen Rückzug persönlich mitgeteilt, „vor wenigen Tagen“, so Sprecher Mario Ghiai zur AZ. „Mit Wirkung zum 30. November legt er sein Amt nieder.“ Seit 2006 war Hoeneß in dem Gremium.

„Die Allianz möchte sich bei Herrn Hoeneß für seine langjährige Funktion und seine Verdienste ausdrücklich bedanken“, sagte Ghiai. Wer für den Bayern-Präsident in den Aufsichtsrat der Allianz-Tochter nachrücke, sei aber noch nicht klar. „Das wird zu einem späteren Zeitpunkt entschieden.“

Compliance-Experten hatten Hoeneß bereits zuvor angeraten, seine Aufsichtsrats-Ämter ruhen zu lassen. „Jeder Aufsichtsrat ist dazu verpflichtet, Schaden von der Gesellschaft fernzuhalten und für die normengerechte Führung des zu beaufsichtigenden Unternehmens einzutreten. Die Glaubwürdigkeit ist durch das Strafverfahren beschädigt“, urteilt Henning Herzog, Professor für Betriebswirtschaft, Governance und Compliance an der Quadriga Hochschule Berlin. Auch die Anti-Korruptions-Organisation Transparency International Deutschland sieht das so. Hoeneß solle seine Funktion beim FC Bayern erst einmal ruhen lassen, meint die Vorsitzende Edda Müller.

Bislang verhallen diese Forderungen ungehört. Beim FC Bayern steht am kommenden Mittwoch die Jahreshauptversammlung an – die erste seit dem Bekanntwerden der Vorwürfe gegen Hoeneß. Kritische Stimmen sind im Vorfeld nicht zu hören. Im Gegenteil. Der Verein schwört dem Bayern-Präsident die Treue. Auch bei der „Deutschlandstiftung Integration“ ist Uli Hoeneß aktiv, dort sitzt er im Vorstand. Die Organisation mit Schirmherrin Bundeskanzlerin Angela Merkel kümmert sich um die Chancengerechtigkeit von Menschen mit Migrationshintergrund. Dort hat er noch keinen Rückzug verkündet. „Herr Hoeneß ist weiter im Amt“, so Sprecher Christoph von Below zur AZ.

 

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