Gicht und Galle

Wegen eines dicken Knies hat Uli Hoeneß „zum ersten mal seit 100 Jahren“ ein Bayern-Spiel verpasst. Den Wutanfall des Trainers sah er im TV: „Das hat mich an meine besten Tage erinnert“
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Geplagt und geehrt: Uli Hoeneß hate zuletzt einen Gichtanfall, gestern bekam er die Plastik „Der Sieger“ für den „Sponsors“-Ehrenpreis.
firo/Augenklick Geplagt und geehrt: Uli Hoeneß hate zuletzt einen Gichtanfall, gestern bekam er die Plastik „Der Sieger“ für den „Sponsors“-Ehrenpreis.

Wegen eines dicken Knies hat Uli Hoeneß „zum ersten mal seit 100 Jahren“ ein Bayern-Spiel verpasst. Den Wutanfall des Trainers sah er im TV: „Das hat mich an meine besten Tage erinnert“

MÜNCHEN Der Anlass war ein schöner, doch der Weg zur Bühne beschwerlich für Uli Hoeneß. Er zog das rechte Knie nach, humpelte leicht, als er hinaufging aufs Podium. Doch die Auszeichnung und der Applaus der Gäste im Saal 13 im ICM der Messe München ließen den Bayern-Präsidenten strahlen.

Am Montagabend bekam der 58-Jährige auf der ISPO SpoBiS 2010, Europas größtem Sportbusiness-Kongress, den Ehrenpreis der Zeitschrift „Sponsors“ – „für sein Lebenswerk“. Hoeneß bedankte sich für die Laudatio von Herbert Hainer, dem Vorstandsvorsitzender der Adidas AG, mit den Worten „so lieb und nett bin ich doch gar nicht“. Dann erklärte er, warum er unschöne Zeiten mit bösen Schmerzen hinter sich hat. „Ich habe nach einem leichten Gichtanfall ein dickes Knie, konnte die letzten zwei Tage kaum laufen.“ Es ist das rechte Knie, dass ihm schon seit 1975 Sorgen macht. Nach einem Kreuzbandriss hatte er vier Jahre später seine Karriere beenden müssen. „Das ist meine Schwachstelle“, sagte Hoeneß, „am Sonntag war es so dick angeschwollen, dass es punktiert werden musste. Wahrscheinlich fällt jetzt erst der ganze Stress von mir nach dem Amtswechsel ab. Ich muss mich noch ein paar Tage schonen.“ Und Verzicht üben. Kein Alkohol, kein Fleisch, keine geliebten Würstl – eine harte Zeit mit Nebeneffekt: Vier Kilo hat er schon abgenommen. Das 1:1 der Bayern in Nürnberg sah Hoeneß nur im Wohnzimmer-Fernseher, „zum ersten Mal seit 100 Jahren war ich nicht bei einem Spiel“.

So sah er den Wutanfall von Trainer Louis van Gaal, der Gift und Galle spuckte gegen einen Sky-Reporter, live im TV. „Das hat mir nicht so schlecht gefallen“, sagte Hoeneß, „das hat mich an mich selbst in meinen besten Tagen erinnert. Das war okay. Direkt nach dem Spiel bist du noch voller Adrenalin. Da ist der erste Reflex, die Spieler zu schützen, normal. Der Trainer hatte Recht mit seiner Argumentation.“

Und was ist mit den zwei verlorenen Punkten? Der verpassten Chance auf die erstmalige Tabellenführung der Saison? Hoeneß: „Wir dürfen nicht unruhig werden, müssen geduldig bleiben. Die Situation da oben hat sich nicht verändert, auch wenn wir nicht mehr so spektakulär spielen wie zuletzt. Aber man kann ja nicht immer noch einen draufsetzen.“ Als es darum ging, dass ausgerechnet sein dicker Kumpel Jupp Heynckes, den Hoeneß selbst im Mai 2009 reaktiviert hatte, nun mit Bayer Leverkusen der härteste Titelkonkurrent ist, war der „Pfundskerl“ (Hainer über Hoeneß) wieder in Form, für einen Moment waren die Schmerzen nach dem Gichtanfall vergessen: „Wir werden ganz deutlich Deutscher Meister!“ Ganz deutlich? Na ja, er relativierte dann doch: „Wenn wir am 34. Spieltag Meister sind, reicht das.“

Vorher steht noch das Achtelfinal-Rückspiel der Champions League beim AC Florenz (9. März) an. Das 2:1 des Hinspiels ist ein kniffliges Ergebnis – für Hoeneß kein Grund zur Sorge: „Wir haben gewonnen. Uns reicht ein Remis. Warum sollen wir denn in Florenz verlieren? Ich fahre nicht mit Angst dorthin, die haben zwar taktisch klug gespielt in München, aber das hat mich auch nicht vom Hocker gerissen.“ Sprach’s und humpelte zum Auto. Patrick Strasser

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