"Gesundes Gift“ beim FC Bayern: Kompany macht den Klassiker zur Titelprobe
Vincent Kompany ist kein Mann der Übertreibung, kein Typ für Formulierungen, die etwas überhöhen. Doch wenn es um seine Mannschaft geht, um die Wahl der richtigen Worte, um seine "Jungs", wie der Bayern-Trainer die Profis nennt, zu motivieren, dann ist er nicht zu stoppen.
Kompany: "Es war gesundes Gift im Training"
Er habe in den vergangenen Tagen "gespürt, dass es eine Klassiker-Woche war", meinte der Belgier am Freitagvormittag an der Säbener Straße und erklärte: "Es war gesundes Gift im Training, was ich liebe. Das sind die Spiele, für die man Fußball spielt. Diese Spiele zu gewinnen, ist das Geilste, was es gibt."
Dortmund gegen Bayern - was schon mal größer war als es aktuell ist, wird dann eben passend gemacht. Das Duell des Tabellenzweiten gegen den Spitzenreiter an diesem Samstag in Dortmund (18.30 Uhr, Sky) sei eben einfach der "Klassiker", so Kompany, "diese Spiele sind dermaßen wichtig, dass es wie ein kleiner Titel ist." Was er nicht sagte, aber wohl meinte: Für Dortmund.

FC Bayern hätte bei einem Sieg elf Punkte Vorsprung
Denn nur für den BVB wäre ein Erfolg gegen den Rekordmeister nahezu so viel wert wie eine Trophäe. Denn die echten, der DFB-Pokal und die Champions League, sind nach dem jeweiligen Ausscheiden nicht mehr zu gewinnen. Und in der Meisterschaft könnten die Schwarz-Gelben bei aktuell acht Punkten Rückstand nur dann noch einmal Spannung für sich und den Rest der Liga erzeugen, wenn sie mit einem Erfolg den Punkte-Abstand auf fünf verringern.
Siegt Bayern, kann der Transportkoffer für die Schale bereits mit dem Adress-Label München, Säbener Straße, versehen werden. Elf Punkte wären zehn Spieltage vor Schluss wohl kaum aufzuholen.
Klassiker bedeutet für beide Teams eine Kreuzung
Somit bedeutet der Klassiker diesmal für beide Teams eine Kreuzung. Kann der BVB seine Saison noch ein wenig retten? Oder biegen die Bayern unaufhaltsam ab? Bei einer Pleite (in der Hinrunde siegte Bayern in München 2:1) wären es immer noch komfortable fünf Punkte Vorsprung.
Allerdings müsste man sich zwischen all den kommenden Champions-League-Duellen auch in der Liga noch ziemlich strecken, um Patzer zu vermeiden, könnte nicht großflächig rotieren und damit Stammkräfte für die K.o.-Wettbewerbe (im DFB-Pokal spielt Bayern im Halbfinale bei Bayer Leverkusen) schonen.

Kimmich: "Wir gehen in jedes Spiel als Favorit"
Bemerkenswert ist, dass sich die Bayern, bei denen neben Linksverteidiger Alphonso Davies nun auch Abwehrspieler Hiroki Ito (ebenfalls ein Linksfuß!) mit einem Muskelfaserriss ausfällt, in den letzten Tagen sehr vorsichtig äußerten, eher defensiv. Kampfansagen, Giftpfeile in Richtung der Verfolger - gibt es bei Bayern nicht mehr. Man hat schließlich etwas zu verlieren.
"Wir gehen in jedes Spiel als Favorit. Das werden wir am Samstag auch. Schauen wir mal, was da los ist", meinte Vizekapitän Joshua Kimmich ziemlich zurückhaltend. Beim BVB gibt man sich eher demütig. "Wenn man sich die letzten Jahre anschaut, waren wir immer nah dran, haben es aber nie wirklich geschafft", meinte Torhüter Gregor Kobel und bescheinigte den Bayern "ein unglaubliches Team".

Kovac will den Klassiker "isoliert sehen"
Baut da jemand etwa für den Fall einer Niederlage vor? Borussia-Trainer Niko Kovac, von Juli 2018 bis November 2019 beim FC Bayern im Amt, will "das Spiel isoliert sehen". Es gehe um drei Punkte, nicht darum, "was danach passieren könnte". Nicht um "Titel hier, Titel da".
Ohnehin sei sein Ziel von Anfang an die erneute Qualifikation für die Champions League gewesen, betonte der angeschlagene (und bald angezählte?) Chefcoach. Baut da etwa noch jemand vor?
BVB will am FC Bayern dranbleiben
BVB-Sportdirektor Sebastian Kehl betonte, man müsse "alles versuchen, um Bayern München zu schlagen" und damit "in der Bundesliga dranzubleiben. Das ist die Aufgabe, die wir alle haben. Die Pflicht!" Währenddessen lobte Kompany die Dortmunder als "Topmannschaft".
Seine Sicht auf den Klassiker: "Wir dürfen das so groß machen, wie es ist - und ich hoffe, dass es auch ein richtiges Topspiel wird. Nicht zwei Mannschaften, die Angst haben und nur auf die Punkte schauen."
