"Gesehen, welche Emotionen man zu Hause lässt": Kompany mahnt vor dem Kracher gegen Bayer Leverkusen
Es gibt da ein Stadion. Eines, in dem der FC Bayern am 23. Mai nur zu gerne spielen würde. Das altehrwürdige Olympiastadion im Berliner Stadtteil Charlottenburg-Wilmersdorf. Dort findet an jenem Tag das DFB-Pokalfinale statt. Die Meisterfeierlichkeiten wurden für den Sehnsuchtsort Hauptstadt sogar extra klein gehalten. Nur ein, zwei Kaltgetränke gab es nach dem 4:2 gegen den VfB Stuttgart – dann war Zapfenstreich.
FC Bayern gewann zuletzt 2020 den Pokal
Immerhin haben die Münchner eine Meisterfeier fast jedes Jahr, eine Pokalparty nicht (mehr). "Wann war das letzte Pokalfinale für Bayern noch mal?", stellte Sportvorstand Max Eberl jüngst die rhetorische Frage an die Reporter in der Mixed-Zone. Mit anderen Worten: Es ist zu lange her für den Klub.
Der Niederbayer hatte beim letzten Pokalsieg noch kein Amt im Verein inne. 2020, damals unter Chefcoach Hansi Flick, durften die Bayern den Pott nach einem 4:2 gegen Bayer Leverkusen zuletzt in den Berliner Nachthimmel strecken – ohne Zuschauer wohlgemerkt. Wegen der Corona-Pandemie war keine wirkliche Feier mit den Anhängern möglich.

Kompany: "Natürlich sind das ganz besondere Spiele"
Seitdem liegt ein Pokalfluch auf dem Verein. Dreimal (!) schied man in der zweiten Runde aus, einmal im Viertelfinale und zuletzt im Achtelfinale. Damals ging es, wie am Mittwochabend (20.45 Uhr), gegen die Werkself. Nur diesmal möchte der FC Bayern am Ende als Gewinner vom Platz gehen. "Die Bilanz sagt alles über den Stellenwert, den wir dem Pokal geben", so Eberl. Der 21. Pokalsieg soll her!
Eine Zielsetzung, die man schon vor der Saison klar formuliert hat. Und die Trainer Vincent Kompany und seine Mannschaft in die Tat umsetzen sollen. "Natürlich sind das ganz besondere Spiele", meinte der Belgier, der selbst nur allzu gerne das Endspiel im Berliner Olympiastadion erreichen würde. Immerhin hat er es bisher noch nie erreicht, weder als Coach noch als Spieler.
Die Statistik spricht für den FC Bayern
"Mit dem HSV habe ich das nicht geschafft", sagte Kompany: "Es muss immer ein erstes Mal geben. Ich hoffe, das ist in diesem Jahr." Da ist jemand heiß auf den Kracher im Halbfinale! Was neben der bestechenden Form für den FC Bayern spricht? Die Statistik.
Zwei Pokal-K.o.s. in Folge gegen denselben Gegner gab es in der langen Historie des Rekordpokalsiegers noch nie. Dazu kommt: Schafften es die Bayern bis ins Halbfinale des Wettbewerbs, gelang zuletzt dreimal am Stück auch der Sprung ins Finale. Das macht Hoffnung, dass es auch ein viertes Mal gelingt. Allerdings gilt es die Werkself, die in der Bundesliga aktuell auf Platz sechs steht, nicht zu unterschätzen.

Díaz und Jackson flogen im letzten Duell vom Platz
"Es ist eine Mannschaft, die in dieser Saison definitiv unter ihren Möglichkeiten gespielt hat", warnt Eberl: "Ein K.o.-Spiel ist ein K.o.-Spiel." Es ist immer alles möglich. Vor allem, weil die Mannschaft von Trainer Kasper Hjulmand reichlich Halbfinal-Erfahrung hat. Zuletzt qualifizierte sich Leverkusen dreimal hintereinander für die Runde der letzten vier Teams.
Auch taten sich die Bayern jüngst in der BayArena schwer. 1:1 trennte man sich in einem hitzigen Schlagabtausch vor wenigen Wochen. Nicolas Jackson und Luis Díaz flogen damals beide vom Platz. "Wir haben in dem Spiel gesehen, welche Emotionen man gegen sie braucht und welche man lieber zu Hause lassen sollte", so Kompany, der von einem ähnlichen Schlagabtausch auch am Mittwoch ausgeht.
Kompany: "Wir freuen uns auf diese Aufgabe"
"Was wir da immer erlebt haben, war ein totaler Kampf", sagte der 40-Jährige: "Wir erwarten nichts anderes." Druck verspürt Kompany aber dennoch nicht. Stattdessen überwiegt beim Bayern-Trainer die Titellust. "Man darf das Spiel nicht kleinreden, aber trotzdem bleiben die Abläufe gleich", so Kompany. "Wir freuen uns auf diese Aufgabe." Immerhin will man den Sehnsuchtsort nach sechs langen Jahren endlich wieder erreichen.

