"Gefällt mir überhaupt nicht": Kahn mit der Kritik-Premiere für FC-Bayern-Trainer Kompany

Die Aufarbeitung des Ausscheidens gegen Paris Saint-Germain hat beim FC Bayern längst begonnen. Nun schaltet sich Oliver Kahn ein und kritisiert Trainer Vincent Kompany.
Patrick Strasser |
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Zählt Bayern-Trainer Vincent Kompany an: Oliver Kahn.
Zählt Bayern-Trainer Vincent Kompany an: Oliver Kahn. © IMAGO

Der Mittwoch hat Spuren hinterlassen, Wunden. Ob eine Narbe bleibt, die lange an das Ausscheiden in der Champions League, an die verpasste Final-Teilnahme erinnert, wird sich zeigen. Die Aufarbeitung des 1:1 gegen Paris St.Germain hat längst begonnen. Es gilt, die richtigen Lehren aus der spielerischen Unterlegenheit zu ziehen.

Paris diktierte im Rückspiel das Tempo

Die Bundesliga haben die Münchner überlegen dominiert. Am 23. Mai in Berlin können sie mit dem Gewinn des DFB-Pokals gegen den VfB Stuttgart aus dem Meistertitel noch das Double machen – ein Trostpflaster. In der Champions League konnte man Titelverteidiger PSG im Hinspiel beim 4:5 in eine intensive, offene Feldschlacht locken.

Im Rückspiel diktierten die Franzosen nach der frühen Führung das Tempo, weil sie ihren Stil änderten. Trainer Luis Enrique switchte angesichts der 6:4-Führung (beide Partien addiert) spontan um, ließ seine Ketten tiefer agieren und setzte auf Konter. Die anfangs zu mutig nach vorne verteidigenden Bayern prallten an der Spielstärke und Cleverness von PSG ab, fanden kein Gegenmittel.

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Kompany: "Das Ziel ist immer, das perfekte Spiel hinzulegen"

Die Mannschaft von Vincent Kompany kam an ihre Grenzen. Dennoch ist man an der Säbener Straße sehr zufrieden mit der Saison, es herrscht keine Weltuntergangsstimmung wie sonst oft nach geplatzten Europapokal-Träumen. Details wolle man anpassen, nicht das ganze System über Bord werfen.

"Das Ziel ist immer, das perfekte Spiel hinzulegen", erklärte der Bayern-Trainer am Freitag vor der Reise nach Wolfsburg zur Partie beim VfL am Samstag (18.30 Uhr, DAZN), "aber ich möchte nicht verlieren, was uns stark gemacht hat. Ich mag nicht erst links, dann rechts gehen – und dann einen U-Turn machen. So arbeite ich nicht. Wir machen immer Verbesserungen und ich werde alles tun dafür, dass wir wieder ein bisschen besser sind kommende Saison."

Nach dem Ausscheiden gegen Paris Saint-Germain enttäuscht: Trainer Vincent Kompany.
Nach dem Ausscheiden gegen Paris Saint-Germain enttäuscht: Trainer Vincent Kompany. © IMAGO

Kahn mit klarer Kritik an Kompany

Mehr Tore erzielen als in dieser Saison? Geht kaum. Mit 175 Toren in allen Wettbewerben sind die Münchner das torgefährlichste Team Europas. Weniger kassieren? Wäre angebracht. 61 Gegentore in 52 Pflichtspielen sind zu viel für die Ansprüche der Bayern.

Sieht auch Oliver Kahn so. "Mir gefällt das überhaupt nicht. Vor dem Rückspiel gegen Paris hat Bayern in vier Spielen 13 Gegentore kassiert. Natürlich hieß es dann: Sie haben die Spiele trotzdem noch gedreht – 4:3 in Mainz gewonnen, drei Tore gegen Heidenheim erzielt", begann der frühere Bayern-Kapitän seine Ausführungen in "Triple – der Hagedorn-Fußball Talk" bei Sky Sport News.

Kompany steht für mutigen Offensiv-Fußball

Er führte weiter aus: "Aber da hat man schon gesehen, wie viel Risiko das System von Vincent Kompany mit sich bringt. Und dann kommst du ans Ende der Saison, bist Meister geworden, und es zeigen sich erste Verschleißerscheinungen. Die Spannung lässt ein bisschen nach. Wenn in diesem System die Kontrolle und die Balance verloren gehen, sieht man sehr schnell, wie anfällig es wird." Oha – erste Kritik am System von Kompany.

Der 56-jährige Kahn argumentiert stets auf der Sicht seines früheren Jobs. Kahn ist Torhüter durch und durch. Die Null muss stehen liegt ihm näher als ein wildes Spektakel. Was insofern interessant ist, da Vincent Kompany früher mit Leib und Seele Innenverteidiger (elf Jahre bei Manchester City, 89 Länderspiele für die belgische Nationalelf) war. Als Trainer steht er für mutigen Offensiv-Fußball.

Einst Innenverteidiger: Bayern-Trainer Vincent Kompany.
Einst Innenverteidiger: Bayern-Trainer Vincent Kompany. © IMAGO

Matthäus: "Der FC Bayern steht für Spektakel"

Beim FC Burnley schaffte er 2023 mit mannorientiertem Pressing den Aufstieg in die Premier League. In der folgenden Saison – dafür wurde Kompany teils stark kritisiert, andere rechneten ihm das hoch an – stieg er mit Burnley wieder ab. Er blieb sich treu. Sturheit hat auch Vorteile. Nur so wurde Max Eberl auf den jungen Coach aufmerksam, dessen Verpflichtung Trainerguru Pep Guardiola den Bayern auf Nachfrage dringend empfahl.

"Mit der offensiven Spielweise kann man natürlich nicht alles wegverteidigen", meinte DFB-Rekordnationalspieler Lothar Matthäus bei RTL. Gegen PSG habe man "nicht die beste Leistung gezeigt, aber trotzdem haben sie uns über das ganze Jahr begeistert. Der FC Bayern steht für Spektakel, das haben sie in diesem Jahr gezeigt. Ich würde auch nicht von dieser Linie abrücken.“ Lothar ist Vinnie-Fan.

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  • Wolff vor einer Stunde / Bewertung:

    Schon bei Guardiola kam immer dieses Argument, dass am Ende der Saison die Spannung verloren geht. Was soll das? Die anderen Mannschaften haben auch Saisonende und wollen offenbar trotzdem mit aller Macht ins CL-Finale. Was ist denn dann anders bei denen? Ist doch alles lächerlich.

    Und bei den Gegentoren muss man halt auch mal schauen, mit welchen zusammengwürfelten Aufstellungen man die kassiert hat. Einfach nur Zahlen hinschmeißen und meckern ist zu billig. Vielleicht hätte man diese Spiele einfach abschenken sollen, statt sie von den Top-Spielern wieder drehen zu lassen...

    Allerdings ist das nicht erste Bayern-Mannschaft, die mit stark defensiven Gegnern nicht zurecht kommt. Da muss man sich mal was überlegen! Wo waren die überraschenden Kreativmomente entsprechender Einzelspieler, die man dann braucht?

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  • Südstern7 vor 43 Minuten / Bewertung:
    Antwort auf Kommentar von Wolff

    "Wo waren die überraschenden Kreativmomente entsprechender Einzelspieler, die man dann braucht?"

    Auch Paris hat sich auf dieses Spiel vorbereitet. Der amtierende CL-Sieger und Titelverteidiger hat im Hinspiel genau hingeschaut. Ebenso wie unser Trainer auch. Es kommt dann immer darauf an wer die bessere Tagesform hat. Wenn man gegen dieses Team in einem KO-Spiel nach 3 Minuten hinten liegt, dann muss man sich erst mal wieder herein finden. Wir waren kurz vor der Halbzeit "dran". Dann sieht es vermutlich in Halbzeit 2 besser: Breitere Brust, Glaube an sich selbst.

    Wenn wir dieses Spiel noch einmal spielen würden, sähe es vielleicht ganz anders aus. Falsch finde ich es von diesen 90 Minuten Rückschlüsse zu ziehen. Unser Kader ist klasse, unser Trainer wird die richtigen Schlüsse ziehen.

    Die freudige Feststellung des Verfassers dieses Artikels "Oha - erste Kritik ..." ist ein Händereiben wegen zukünftiger Schlagzeilen. Darauf sollten wir uns nicht einlassen.

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