"Gefällt mir überhaupt nicht": Kahn mit der Kritik-Premiere für FC-Bayern-Trainer Kompany
Der Mittwoch hat Spuren hinterlassen, Wunden. Ob eine Narbe bleibt, die lange an das Ausscheiden in der Champions League, an die verpasste Final-Teilnahme erinnert, wird sich zeigen. Die Aufarbeitung des 1:1 gegen Paris St.Germain hat längst begonnen. Es gilt, die richtigen Lehren aus der spielerischen Unterlegenheit zu ziehen.
Paris diktierte im Rückspiel das Tempo
Die Bundesliga haben die Münchner überlegen dominiert. Am 23. Mai in Berlin können sie mit dem Gewinn des DFB-Pokals gegen den VfB Stuttgart aus dem Meistertitel noch das Double machen – ein Trostpflaster. In der Champions League konnte man Titelverteidiger PSG im Hinspiel beim 4:5 in eine intensive, offene Feldschlacht locken.
Im Rückspiel diktierten die Franzosen nach der frühen Führung das Tempo, weil sie ihren Stil änderten. Trainer Luis Enrique switchte angesichts der 6:4-Führung (beide Partien addiert) spontan um, ließ seine Ketten tiefer agieren und setzte auf Konter. Die anfangs zu mutig nach vorne verteidigenden Bayern prallten an der Spielstärke und Cleverness von PSG ab, fanden kein Gegenmittel.
Kompany: "Das Ziel ist immer, das perfekte Spiel hinzulegen"
Die Mannschaft von Vincent Kompany kam an ihre Grenzen. Dennoch ist man an der Säbener Straße sehr zufrieden mit der Saison, es herrscht keine Weltuntergangsstimmung wie sonst oft nach geplatzten Europapokal-Träumen. Details wolle man anpassen, nicht das ganze System über Bord werfen.
"Das Ziel ist immer, das perfekte Spiel hinzulegen", erklärte der Bayern-Trainer am Freitag vor der Reise nach Wolfsburg zur Partie beim VfL am Samstag (18.30 Uhr, DAZN), "aber ich möchte nicht verlieren, was uns stark gemacht hat. Ich mag nicht erst links, dann rechts gehen – und dann einen U-Turn machen. So arbeite ich nicht. Wir machen immer Verbesserungen und ich werde alles tun dafür, dass wir wieder ein bisschen besser sind kommende Saison."

Kahn mit klarer Kritik an Kompany
Mehr Tore erzielen als in dieser Saison? Geht kaum. Mit 175 Toren in allen Wettbewerben sind die Münchner das torgefährlichste Team Europas. Weniger kassieren? Wäre angebracht. 61 Gegentore in 52 Pflichtspielen sind zu viel für die Ansprüche der Bayern.
Sieht auch Oliver Kahn so. "Mir gefällt das überhaupt nicht. Vor dem Rückspiel gegen Paris hat Bayern in vier Spielen 13 Gegentore kassiert. Natürlich hieß es dann: Sie haben die Spiele trotzdem noch gedreht – 4:3 in Mainz gewonnen, drei Tore gegen Heidenheim erzielt", begann der frühere Bayern-Kapitän seine Ausführungen in "Triple – der Hagedorn-Fußball Talk" bei Sky Sport News.
Kompany steht für mutigen Offensiv-Fußball
Er führte weiter aus: "Aber da hat man schon gesehen, wie viel Risiko das System von Vincent Kompany mit sich bringt. Und dann kommst du ans Ende der Saison, bist Meister geworden, und es zeigen sich erste Verschleißerscheinungen. Die Spannung lässt ein bisschen nach. Wenn in diesem System die Kontrolle und die Balance verloren gehen, sieht man sehr schnell, wie anfällig es wird." Oha – erste Kritik am System von Kompany.
Der 56-jährige Kahn argumentiert stets auf der Sicht seines früheren Jobs. Kahn ist Torhüter durch und durch. Die Null muss stehen liegt ihm näher als ein wildes Spektakel. Was insofern interessant ist, da Vincent Kompany früher mit Leib und Seele Innenverteidiger (elf Jahre bei Manchester City, 89 Länderspiele für die belgische Nationalelf) war. Als Trainer steht er für mutigen Offensiv-Fußball.

Matthäus: "Der FC Bayern steht für Spektakel"
Beim FC Burnley schaffte er 2023 mit mannorientiertem Pressing den Aufstieg in die Premier League. In der folgenden Saison – dafür wurde Kompany teils stark kritisiert, andere rechneten ihm das hoch an – stieg er mit Burnley wieder ab. Er blieb sich treu. Sturheit hat auch Vorteile. Nur so wurde Max Eberl auf den jungen Coach aufmerksam, dessen Verpflichtung Trainerguru Pep Guardiola den Bayern auf Nachfrage dringend empfahl.
"Mit der offensiven Spielweise kann man natürlich nicht alles wegverteidigen", meinte DFB-Rekordnationalspieler Lothar Matthäus bei RTL. Gegen PSG habe man "nicht die beste Leistung gezeigt, aber trotzdem haben sie uns über das ganze Jahr begeistert. Der FC Bayern steht für Spektakel, das haben sie in diesem Jahr gezeigt. Ich würde auch nicht von dieser Linie abrücken.“ Lothar ist Vinnie-Fan.
