Franz "Bulle" Roth: Gegen Glasgow Rangers das wichtigste Tor für den FC Bayern

Am 31. Mai 1967 gewann der FC Bayern seinen ersten Europapokal. Franz "Bulle" Roth legte damals den Grundstein für den Aufstieg der Münchner zum Weltverein.
| Thomas Häberlein
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Das Tor fürs Geschichtsbuch: Franz "Bulle" Roth erzielt im Europapokalfinale am 31. Mai 1967 den Siegtreffer gegen die Glasgow Rangers.
imago/Sven Simon Das Tor fürs Geschichtsbuch: Franz "Bulle" Roth erzielt im Europapokalfinale am 31. Mai 1967 den Siegtreffer gegen die Glasgow Rangers.

Bad Wörishofen - Ohne die Tore von Gerd Müller, hat Franz Beckenbauer immer wieder behauptet, wäre der deutsche Fußballmeister Bayern München nicht das, was er heute ist. Andere glauben, dass in München an der Säbener Straße noch heute Holzhütten stünden, hätte damals, im Europapokalfinale 1974 gegen Atlético Madrid nicht "Katsche" Schwarzenbeck in der 120. Minute unvermittelt noch den Ausgleich zum 1:1 erzielt und das Wiederholungsspiel erzwungen - das dann 4:0 endete.

Alles schön und gut. Und völlig berechtigt. Trotzdem: Schon mal an Franz Roth gedacht? Den Mann, den die Leute heute noch fragen: "Darf ich Bulle sagen?", weil sie seinen Vornamen nicht wissen? Den Mann der vor 50 Jahren den Startschuss gab für eine Erfolgsgeschichte, die ihresgleichen sucht im deutschen Fußball? Den Mann, der über diesen Startschuss heute in aller Bescheidenheit sagt: "Das war der Durchbruch international, der Beginn der großen Bayern-Ära."

Franz Roth: Aus der 3. Liga zum FC Bayern

Am 31. Mai 1967 stand der FC Bayern zum ersten Mal in einem europäischen Finale, Europapokal der Pokalsieger. Spielort war Nürnberg, der übermächtige Gegner die Glasgow Rangers. Schütze des Siegtreffers zum 1:0 in der 108. Minute - nein, nicht Gerd Müller, sondern: Franz Roth, genannt "Bulle", 21 Jahre alt, Kraft für zwei, einer, den sie heute als "Sechser" bezeichnen würden und der erst im Sommer zuvor aus der 3. Liga zum FC Bayern gekommen war.

"Junge, du bist jetzt König", hat der damalige Trainer Tschik Cajkovski diesem Bullen aus dem Allgäu am Abend nach dem ersten Europapokal-Triumph gesagt. "Ich wusste gar nicht", berichtet Roth heute, "was er damit meinte."

Dieses Tor wurde zum Grundstein für die Bayern-Erfolge

Mittlerweile ordnet er diesen historischen Treffer, diesen historischen Abend anders ein, logisch: "International war das das wichtigste Tor des FC Bayern, das war der Grundstein für die Erfolge bis jetzt." Kann man so sehen. Darf man so sehen. Bei diesem einen Tor, bei diesem einen Erfolg ist es ja nicht geblieben. Nicht für die Bayern, nicht für "Bulle" Roth. Der hat, auch das wird gerne mal vergessen, auch entscheidend mitgeholfen, den Europapokal der Landesmeister dreimal nacheinander zu gewinnen. Beim Triumph 1975 in Paris gegen Leeds United (2:0) gelang ihm das 1:0, 1976 in Glasgow erzielte er gegen St. Etienne (1:0) den einzigen Treffer.

In vier europäischen Finalspielen dreimal das entscheidende Tor, das hat kein Ronaldo, kein Messi geschafft, "das ist einmalig, das macht mich auch ein bisschen stolz", sagt Roth. "Mr. Europacup" heißt er deswegen auch, und als der FC Bayern am vorvergangenen Samstag mal wieder seine "Legenden" vor großes Publikum holte, da war der jung gebliebene, 71 Jahre alte "Bulle", der weiter seine Kunden im Sportgeschäft in Bad Wörishofen empfängt, selbstverständlich mit dabei. Roth hat es von 1967 bis 1970 nur auf vier Spiele in der Nationalmannschaft gebracht, dafür spielte er 322-mal für den FC Bayern, der irgendwie auch seiner ist: Denn der "Bulle", das darf er getrost behaupten, ist einer der Mitbegründer des "Mia san mia". Früher, im Training, da hat er seine Mitspieler, vor allem die Jungen, kompromisslos bearbeitet. "Wenn sie nicht pariert haben, wurde der Körpereinsatz erhöht", sagt Roth schmunzelnd. Breitner, Hoeneß und wie sie alle hießen, "die mussten durch unsere Schule", berichtet Roth, "du musst dir die Jungs ziehen, die sollten ja alle mitbekommen, dass der FC Bayern etwas Besonderes ist."

Haben sie. "Ich habe mir im Training Schienbeinschützer angezogen, weil ich wusste: Wenn der Franz Roth sauer auf mich ist, fegt er mich auf die Aschenbahn. Das Training war Überlebenskampf - und ich habe mich dabei wunderbar entwickelt", sagt Uli Hoeneß heute. Vor allem aber hat sich der FC Bayern wunderbar entwickelt. Seit Franz "Bulle" Roth das vielleicht wichtigste Tor der Vereinsgeschichte schoss.

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