Franz an Demichelis: „Spiel Klavier oder Flöte“

Franz Beckenbauer lästert über Eigentorschützen Demichelis. Aber auch Klinsmanns Kapitäns-Entscheidung macht Beckenbauer nicht gerade zufrieden.
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Da konnte Martin Demichelis dem Ball nur noch hinterherschauen. Er hatte ihn selbst irgendwie ins eigene Tor geköpft.
firo/Augenklick Da konnte Martin Demichelis dem Ball nur noch hinterherschauen. Er hatte ihn selbst irgendwie ins eigene Tor geköpft.

Franz Beckenbauer lästert über Eigentorschützen Demichelis. Aber auch Klinsmanns Kapitäns-Entscheidung macht Beckenbauer nicht gerade zufrieden.

MÜNCHEN Vielleicht wäre Martin Demichelis sonst wirklich nicht dort gestanden, an diesem Fleck, in dieser Minute. Er stand schließlich weiter vorne als sonst, vor der Abwehr, an der Sechzehnerlinie, nicht hinten drin im Strafraum. Er stand dort, weil der Trainer es so wollte, weil der ihn ins Mittelfeld beordert hatte.

Womöglich war es auch nur Pech, dass der Argentinier den von Juninho knallhart aus 45 Metern getretenen Freistoß mit dem Kopf abfälschte zum 0:1. Reines Pech? Nicht für Präsident Franz Beckenbauer: „Da zieht der Demichelis auch noch den Kopf ein. Wenn einer in der Schülermannschaft so etwas macht, sagt man ihm: Spiel Klavier oder Flöte, aber nicht Fußball.“

Demichelis aber hat es, vor allem wegen seiner Qualitäten als Verteidiger, sogar zum argentinischen Nationalspieler gebracht. Gestern aber war Demichelis ein Resultat der neuesten Klinsmann-Pointe. Der Trainer hatte sich folgendes überlegt: Breno spielte neben den zurückrotierten Lucio in die Innenverteidigung, Demichelis rückt ins defensive Mittelfeld. Der Argentinier trägt zwar die Sechs auf dem Rücken, mag die Position aber ganz und gar nicht. Letzte Saison hatte er sich sogar einmal geweigert, auf dieser Position anzutreten, woraufhin ihn Ottmar Hitzfeld aus dem Kader warf. Dieses Mal stimmte er der Maßnahme zu, wie Klinsmann später erklärte. „Er spielt zwar lieber in der Verteidigung, hat aber gesagt, wenn es der Mannschaft hilft, spiele ich auch im Mittelfeld.“

Und damit war Mark van Bommel ganz raus. Stammplatz weg, Kapitänsbinde weg. Er sah von der Bank aus, wie Demichelis seine Position besetzte. „Die Maßnahme war richtig, um Stabilität reinzubringen“, argumentierte der Coach. Siehe da: Van Bommel, der Kapitän, ist zu schlecht für die Startelf. „Er hat hohes Ansehen im Team“, sagte Klinsmann über van Bommel – beim Trainer offenbar nicht mehr. Zumal der betonte: „Das ist eine Variante, die wir weiter verfolgen werden.“

Die Debatte um van Bommel wird öffentlich ausgetragen. „Ihn zum Kapitän zu machen, war nicht so geschickt. Man hätte sich mehr Zeit lassen können“, sagte Beckenbauer bei „Premiere“, „jemanden zum Kapitän zu machen, von dem ich nicht überzeugt bin – das hätte er sich schenken können.“ Und Klinsmann die Versetzung von Demichelis? Das wohl nicht: „Er hat ein super Spiel dort gemacht“, meinte Vorstandsboss Kalle Rummenigge. Nach dem Fehler. Glücklich aber war er wohl dennoch nicht. Oder wie ist die beinahe handgreifliche Auseinandersetzung zu erklären, die er in der 70. Minute mit Lucio hatte und die erst der zur Schlichttng herbeigeeilte Schweinsteiger stoppen konnte? „Zwei Südamerikaner, die sich fetzen – das finde ich nicht so schlimm“, meinte Manager Uli Hoeneß. „Da ist das Temperament mit ihnen durchgegangen. Aber mir ist eine Mannschaft, die lebt, lieber als eine tote Mannschaft.“

Patrick Strasser

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