Formtief nach Fabel-Saison: Was ist mit den DFB-Stars des FC Bayern los?

Wenn die deutsche Nationalmannschaft bei großen Turnieren etwas reißen will, dann braucht sie einen starken Block des FC Bayern. Das Problem: Genau den hat sie momentan nicht!
Anders als etwa Michael Olise, Harry Kane oder Luis Díaz, die nach einer starken Saison im Verein bei der aktuellen Weltmeisterschaft in Nordamerika auch für ihre Nationalmannschaften starke Leistungen zeigen, suchen die deutschen Nationalspieler des Rekordmeisters derzeit nach ihrer Top-Form. Die Gründe dafür sind unterschiedlich. Die AZ gibt einen Überblick:
Manuel Neuer: Der Weltmeister von 2014 lief bei den Bayern in der heißen Phase der Rückrunde zu Hochform auf und zeigte im Champions-League-Viertelfinale gegen Real Madrid trotz seines stolzen Alters von 40 Jahren nochmal eines der besten Spiele seiner Karriere. Deshalb und aufgrund seiner Erfahrung – Neuer ist der einzige aktive Nationalspieler, der schon einmal in einem K.o.-Spiel bei einer WM auf dem Platz gestanden hat – holte ihn Bundestrainer Julian Nagelsmann kurz vor Turnierbeginn wieder zurück in die Nationalmannschaft.

Wirklich ausgezahlt hat sich die Rückkehr bislang nicht. Neuer wurde erst unmittelbar vor dem Auftaktspiel nach überstandenem Muskelfaserriss fit und hat noch keinen Unhaltbaren gehalten, zuletzt machte er beim entscheidenden Gegentreffer zum 1:2 gegen Ecuador eine unglückliche Figur. Da ist noch ordentlich Luft nach oben!
Abwehrchef des FC Bayern hat es nicht leicht
Jonathan Tah: Der Abwehrchef der Bayern und der Nationalmannschaft strahlt bei der WM nicht ganz die Stabilität aus, die ihn im Verein in der abgelaufenen Saison zum unumstrittenen Stammspieler gemacht hat. Zur Wahrheit gehört aber auch, dass es Tah bislang alles andere als leicht hat.

Nach der Verletzung von Nico Schlotterbeck, für den das Turnier bereits beendet ist, erhielt er mit Antonio Rüdiger einen neuen Nebenmann und rückte von der rechten auf die linke Innenverteidiger-Position. Im letzten Gruppenspiel war er nach Nagelsmanns Umstellung in der zweiten Halbzeit plötzlich Teil einer Fünferkette, die im DFB-Team in keinem der Vorbereitungsspiele ernsthaft einstudiert wurde. Die Gemengelage könnte einfacher sein für den bulligen Abwehrspieler, der beim Gegentreffer zum 1:2 gegen Ecuador ebenfalls nicht gut aussah.
Joshua Kimmich: Findet sich in seinem ersten Turnier als DFB-Kapitän auf der ungeliebten Rechtsverteidigerposition wieder, wo er dem Spiel deutlich weniger seinen Stempel aufdrücken kann als im Mittelfeld des FC Bayern. Nagelsmanns taktischer Kniff, Kimmich bei eigenem Ballbesitz ins Zentrum rücken zu lassen, um dort Überzahl zu schaffen, überrascht längst keinen Gegner mehr.

Schlimmer noch: Die Elfenbeinküste und Ecuador machten ihn aufgrund seines Tempodefizits als Schwachstelle aus und spielten schnelle Umschaltsituationen häufig über seine rechte Seite aus. Lothar Matthäus und Philipp Lahm machten sich zuletzt öffentlich für eine Versetzung von Kimmich ins Mittelfeld stark. Eine Option, die der Bundestrainer zumindest in Erwägung ziehen muss – auch wenn die Alternativen auf der Rechtsverteidigerposition überschaubar sind.
Nicht wie beim FC Bayern: Kimmich fehlt an Pavlovic' Seite
Aleksandar Pavlovic: Eng verbunden mit der Personalie Kimmich ist auch der Name Pavlovic. Beim FC Bayern bilden beide eines der besten Sechser-Duos überhaupt, in der Nationalmannschaft spielten beide aufgrund von Kimmichs Versetzung nach rechts hinten aber nicht gemeinsam im Zentrum. Pavlovic ist deutlich anzumerken, dass ihm ein erfahrener, führungsstarker Nebenmann fehlt, der ihm den Rücken freihält.

"Aleksandar Pavlovic hat in diesem Turnier noch nicht wirklich überzeugt, ich erkenne unglaublich viele leichte Ballverluste", schrieb Lahm in seiner "Kicker"-Kolumne. Der Weltmeister von 2014 weiter: "Pavlovic ist nicht optimal positioniert auf dem Feld." Zuletzt wurde Pavlovic' Spielzeit immer weniger. Nicht ausgeschlossen, dass er gegen Paraguay zunächst auf der Bank sitzt.
Jamal Musiala: Der Offensiv-Star des FC Bayern war schon vor Turnierbeginn eines der größten Sorgenkinder der DFB-Elf und daran hat sich bislang auch nichts geändert, im Gegenteil: Die beiden Vorbereitungsspiele gegen Finnland und die USA einberechnet, stand Musiala in den vergangenen vier Wochen fünf Mal von Beginn an auf dem Platz und wusste dabei kein einziges Mal zu überzeugen, nicht einmal ein Formanstieg ist zu erkennen.

Genauso wie bei Nebenmann Wirtz kommen von ihm viel zu wenig Impulse und Ideen, stattdessen blieben die beiden großen Hoffnungsträger der deutschen Fans weit hinter den Erwartungen zurück. Beim FC Bayern wird man mit Sorge auf Musialas Leistungen blicken – schließlich steht er nach seinem schlimmen Beinbruch bei der Klub-WM im vergangenen Sommer mittlerweile auch schon wieder seit einem halben Jahr auf dem Platz. Kommt er nochmal an seine alte Top-Form heran? Und wenn ja, wie lange dauert das noch?