Finale dahoam: „Ja, wir kommen weiter“
Mit seinem Siegtreffer zum 2:1 in der vorletzten Minute hält Torjäger Gomez die Finalträume des FC Bayern am Leben – zum Einzug ins Endspiel genügt nun ein Unentschieden bei Real Madrid
München - Der Traum lebt! Fast in letzter Minute schafften sie doch noch den Sieg. Wieder einmal war es Mario Gomez, der zum 2:1 traf. „Wir fahren nicht chancenlos nach Madrid“, sagte der glückliche Bayern-Boss Karl-Heinz Rummenigge danach. Wohl wahr: 32 Tage vor dem Endspiel in der Allianz Arena hat der FC Bayern im mitreißenden Champions-League-Halbfinale den ewigen Konkurrenten Real Madrid besiegt.
Gegen Real: Die Bayern in der Einzelkritik:
Das Projekt Entzauberung ist auf einem guten Weg, nahm zwischenzeitlich Formen an, die sich Bayern-Fans zuvor wohl nur zurechtgeträumt hatten. In dieser Champions-League-Saison hatte Real bislang nur Siege gefeiert, abgesehen von einem Remis. In den letzten 24 Spielen der Königsklasse hatten die Madrilenen in der ersten Halbzeit kein einziges Gegentor bekommen. Dennoch gab sich Bayern-Coach Jupp Heynckes optimistisch: „Ich habe mit all meinen spanischen Mannschaften nie zu Hause gegen Real verloren.“ Ottmar Hitzfeld pflichtete bei: „Bayern wird auf alle Fälle gewinnen.“
Noch nie in der Geschichte der beiden Klubs hatte Real in München gewonnen, in neun Spielen acht Niederlagen (bei einem Remis) kassiert. „Road to Munich“ (Straße nach München) stand auf dem Torbogen, den die Spieler vor dem Anpfiff durchschritten, und kurz nach Spielbeginn konnte man für eine Weile Angst um die Bayern bekommen – so flink und dominant trat der spanische Tabellenführer auf.
In der 7. Minute eroberte Sami Khedira im Mittelfeld den Ball, passte zu Mesut Özil, der die Kugel schnell und steil auf Karim Benzema weiterleitete, und eine Sekunde später flog Manuel Neuer erstmals rettend durch die Luft. Erst allmählich legten die Bayern die Ehrfurcht ab - und gingen prompt in Führung. In Minute 17 gab es Eckball. Noch in der Minute zuvor hatte Franck Ribéry im Zweikampf mit Sergio Ramos vergeblich versucht, einen Elfmeter zu schinden. Nun ließ genau dieser Ramos den Ball von der Brust prallen, vor die Füße von Ribéry, der die Kugel zum 1:0 ins Netz jagte. Allerdings nahm Luiz Gustavo Real-Keeper Iker Casillas abseitsverdächtig die Sicht. „Ermessenssache“, meinte Hitzfeld, während Mourinho wohl wieder eine Weltverschwörung witterte.
Bayern war nun prima im Geschäft. Der ansonsten recht blasse und später vollkommen zurecht gegen Thomas Müller ausgewechselte Bastian Schweinsteiger schoss knapp am langen Pfosten vorbei (27.), Mittelstürmer Mario Gomez zog nach feinem Toni-Kroos-Pass mit links ab und scheiterte an Cassillas (40.). Jetzt war es ein richtig gutes, rasantes Fußballspiel. Leider war dann Halbzeit.
Bundestrainer Joachim Löw, der neun DFB-Nationalspieler zu begutachten hatte, meinte in der Pause: „Man spürt: Es kann auf beiden Seiten jederzeit was passieren.“ Sein Gespür sollte ihn nicht trügen - leider. Die Bayern hatten den Verve, die Gier der ersten Hälfte in der Kabine gelassen - und die Aufmerksamkeit noch dazu. In der 53. Minute wurde das bestraft: Nachdem Cristiano Ronaldo den Ausgleich mit einem läppischen Schuss verpasst hatte, gelang es dem Gelsenkirchener Özil den Gelsenkirchener Neuer zu überwinden, während Lahm, Gustavo und Alaba abgeschaltet hatten: 1:1.
Bayern berannte nun das Tor Reals, doch der Siegtreffer fiel erst in Minute 89: Lahm dribbelte sich durch, passte nach innen, wo Gomez zur Stelle war. Reicht’s fürs Finale? „Ja“, sagte Robben, „wir kommen weiter.“