FC Bayern zittert in Elversberg – dann trifft Harry Kane
Ausflüge ins Saarland hatten ihre Tücken für die Bayern. Zuletzt im November 2023 als man beim 1. FC Saarbrücken mit 1:2 aus dem DFB-Pokal flog. Der Trip zu Aufsteiger SV Elversberg war speziell – und erfolgreich. Ein 2:1 dank Knipser Harry Kane.
Alles rund um die im Umbau befindliche Ursapharm-Arena an der Kaiserlinde fühlte sich an wie Pokal-Duell der ersten Runde. Klein gegen Groß. War aber Bundesliga. Dennoch: Klein gegen Groß. "Jahrelang durch die Dörfer der 4. Liga – heute gegen Meister und Pokalsieger" stand Schwarz auf Weiß gepinselt auf einem Transparent am Zaun der Tribüne der Heimfans. Kein Wunder – der Weg war ein weiter, und kein leichter. Aus der Regionalliga Südwest stieg man drei Mal auf: 2022, 2023 und 2026.
Für die Gäste war der Weg ins kleinste Stadion mit 9.307 Fans (der kleinsten Kulisse, vor der sie seit langem gespielt haben) ziemlich unüblich, daher die Reiseroute kreativ: Am Samstagnachmittag flog der Tross der Münchner mit zwei Privatmaschinen vom Flughafen Oberpfaffenhofen nach Luxemburg. Von dort waren es lediglich rund 25 Kilometer Fahrt im Mannschaftsbus zum Teamhotel, das "Victor‘s Residenz-Hotel Schloss Berg" in Perl-Nennig.
Ungewöhnlich: Am Sonntag fuhren die Münchner von dort rund eine Stunde (78 Kilometer) mit den Team-Bussen nach Spiesen-Elversberg zur Ursapharm-Arena an der Kaiserlinde. "Man fliegt erst mal eine Stunde und dann fährt man eine Stunde mit dem Bus. Dann ist man dann irgendwann da und spielt noch Fußball. Mehr ist es nicht." Sprach Pragmatiker Kompany. Wie immer im Buddha-Modus.
Für Elversberg war das Bayern-Spiel ein Riesen-Event
"Ich glaube, es waren 1.500 Leute beim Hotel", erzählte Kompany vor dem Anpfiff bei DAZN, "ein Riesen-Event für die Region. Das ist auch, was Fußball, die Bundesliga besonders macht, dass das überhaupt möglich ist." Der Belgier erwartete nach den beiden Start-Siegen einen mutigen Auftritt der Mannschaft des so gerne mutigen Trainers Vincent Wagner, der seine Sieger-ELV (so heißt die hier) nicht tauschte. Anders Kompany.
Der 40-Jährige wechselte im Vergleich zum 5:0 beim Champions-League-Auftakt gegen Bodö/Glimt am Donnerstag auf sieben Positionen durch. Jonas Urbig durfte wieder einmal Oldie Manuel Neuer im Tor vertreten, Tom Bischof Joshua Kimmich auf einer der Sechserpositionen. Jamal Musiala (Belastungssteuerung) nahm zunächst auf der Bank Platz. Spannend das Experiment mit Michael Olise, der wie in der französischen Nationalelf auf der Zehn agierte, dafür rückte Ismael Saibari auf links. Lennart Karl besetzte die Rechtsaußen-Rolle.
Nach einer schwierigen Anfangsphase, in der sich die Bayern an die Umstände und den mutigen Gegner gewöhnen mussten, dominierten Kapitän Kane & Co. mehr und mehr. Saibari brach über links durch, passte scharf durch den Fünfmeterraum. Kane verpasste. Karl schob am langen Pfosten ein – das 1:0 (26.). Weil der 18-Jährige seine Jubelposen den Kameralinsen zu ausgiebig darbot, pfiffen ihn die Heimfans fortan aus. Schrecksekunde für Bayern in der 43. Minute: Nach einem Konter traf Cole Campbell zum 1:1 - Abseits, wie nach minutenlangem VAR-Check bestätigt.
Ex-Bayer Krattenmacher trifft per Traumtor
Es plätscherte so dahin, bis Maurice Krattenmacher, im Sommer von Bayern nach Elversberg gewechselt, sehenswert zum 1:1 in den Winkel schlenzte (61.). Kleines Glück im Unglück: Man sicherte sich eine Rückkaufklausel für den gebürtigen Münchner. Da Kompany das zweite Remis (nach dem 0:0 auf Schalke) vermeiden wollte, brachte er nach dem Ausgleich vier Neue: Kimmich, Davies, Musiala und Díaz.
Wütende Bayern hatten nun Chancen en masse. Díaz zu Laissez-faire mit der Hacke, Olise flach und hart, dann hoch und zart per Lupfer (Unterkante der Latte). Es musste der Tore-Chef höchstpersönlich machen. Auf Vorlage von Pavlovic traf Kane im Fallen ins rechte obere Eck (72.) - sein erster Saisontreffer. Tatsächlich. Und der Siegbringer gegen die tapfere "Elv".
