FC Bayern: Uli Hoeneß spricht Klartext zur Corona-Krise

Wie kann – und soll – es angesichts der Corona-Pandemie weitergehen? "Ich finde es Scharlatanerie, heute zu sagen, was in vier Wochen passiert", sagt Uli Hoeneß.
| Patrick Strasser
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Uli Hoeneß.
Sven Hoppe/dpa/Archivbild Uli Hoeneß.

München - Nahezu jedem Artikel im Sportteil dieser Tage sollte folgendes vorausgeschickt werden: Es gibt Wichtigeres im Leben als Sport, als Fußball. Punkt.

In einer Schalte in die Talkshow "Doppelpass" von Sport1, deren Jubiläumsausgabe Nummer 1.000 aufgrund der Folgen der Corona-Pandemie erstmals ohne Zuschauer gesendet wurde, sprach Bayerns Ehrenpräsident Uli Hoeneß am Sonntagvormittag Worte, die hoffentlich auf offene Ohren stoßen und auch dem Letzten klarmachen, um was es jetzt geht.

Hoeneß: "Wir müssen vier Wochen warten, auf null fahren"

"Wir müssen lernen, abzuwarten. Wir haben eine Situation, die es auf der Welt noch nie gegeben hat. Das ist ein Erfahrungsprozess, wo wir jeden Tag dazulernen müssen", sagte Bayerns Ehrenpräsident Hoeneß und fuhr fort: "Wir müssen lernen, Geduld zu haben. Die Leute müssen lernen, zu Hause zu bleiben und Monopoly zu spielen."

Außerdem, so Hoeneß: "Wir werden in Deutschland wunderbar betreut. In Italien entscheiden sie, ob man ein Beatmungsgerät abschalten muss – das sind Probleme! Wir müssen entschleunigen, runterfahren. Jeder Bürger in Deutschland muss diszipliniert mitarbeiten. Es gibt kein Handbuch für diese Lage. Jeder muss in seinem Umfeld dafür sorgen, dass es möglichst wenig Ansteckungen gibt."

Mit Blick auf den Fußball, der in seiner größten wirtschaftlichen und daher existenzbedrohenden Krise steckt, meinte Hoeneß: "Wir müssen vier Wochen warten, alles auf null fahren. Vielleicht müssen wir im Oktober noch aufhören, Fußball zu spielen. Das weiß doch kein Mensch."

Ende der Auszeit nicht absehbar

Am Freitag hatte die DFL – zu spät, aber immerhin doch – die nächsten beiden Spieltage abgesagt und auf unbestimmte Zeit verschoben. Rückkehr zur Normalität am 3. April? Utopisch! Am Montag trifft sich die DFL mit Vertretern aller 36 Klubs der 1. und 2. Bundesliga zu einer Sondersitzung, am Dienstag tagen die 55 Mitgliedsverbände der Uefa per Videokonferenz. Auch dazu hat Hoeneß eine klare Meinung: "Im Moment, wo man nicht weiß, wie viele Fälle es diese oder nächste Woche gibt, kann man doch gar nichts beschließen. Ich kann nicht einen Plan in der Schublade haben, wenn ich nicht weiß, wann der umzusetzen ist. Ich finde es Scharlatanerie, heute zu sagen, was in vier Wochen passiert. Wir müssen den Wissenschaftlern die Zeit geben, um das Therapeutikum zu finden. Alles andere ist Schaumschlägerei."

Uli Hoeneß.
Uli Hoeneß. © Sven Hoppe/dpa/Archivbild

Wahre Worte. Weil aber auch vom Big Business Fußball hierzulande (4,8 Milliarden Euro Gesamtumsatz in der 1. und 2. Liga) rund 56.000 Arbeitsplätze (in den beiden Topligen) abhängen und damit auch die Existenzen von Angestellten, Selbstständigen und deren Familien, ist es dennoch legitim, dass Verbände und Funktionäre sich über Szenarien den Kopf zerbrechen, ab wann – und dann wie – eines Tages wieder gespielt werden könnte.

Überblick über Gedankenspiele zum möglichen Ende der Auszeit

Bundesliga: Unklar. Am Sonntag wurde bekannt, dass zumindest in Berlin laut eines Senatsbeschlusses bis zum 19. April kein Profi-Fußball gespielt werden darf. Eine Pause bis in den Mai scheint realistischer. Aber ob man die Saison dann selbst bei einer Verschiebung der EM bis 30. Juni zu Ende spielen kann oder sollte – fraglich. Womöglich mit Geisterspielen, um die Zahlungen von TV-Geldern zu sichern. Aber was ist, wenn im April oder Mai Spieler, Trainer, Betreuer oder Vereinsmitarbeiter positiv getestet werden und das Umfeld in Quarantäne muss? Dann fallen erneut für 14 Tage Spiele aus. Eine komplette Absage der laufenden Saison würde die Klubs rund 750 Millionen Euro kosten. Im Vergleich zu Terminplänen ist es für Hoeneß wichtiger, "darüber nachdenken, was mit den Verträgen passiert, die am 30. Juni auslaufen".

Europapokal: Für die Vereine ein nachrangiges Thema. "Europa League und Champions League stehen hinten an", sagte Rudi Völler, Sport-Geschäftsführer von Bayer Leverkusen. Wie die spanische Zeitung "As" am Sonntag berichtet, erwägt man bei der Uefa, den Gewinner beider Wettbewerbe bei einem Finalturnier der vier Halbfinalisten im Mai zu ermitteln. Angesichts fortschreitender Grenzschließungen aktuell auch undenkbar.

EM 2020: Eine Ausrichtung im Juni/Juli ist utopisch. Laut "Daily Telegraph" werde eine Verlegung in den Dezember geprüft – oder in den Sommer 2021. Da aber will die Fifa ihre aufgeblähte Klub-WM durchziehen. Es droht ein unwürdiger Kampf um Termine und Millionen.

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