FC Bayern: Seriensiegers Sorgen

Nach vorne brillieren Ribéry, Robben und Gomez. Fürchten muss man vor dem Duell mit Florenz um die wacklige Bayern-Abwehr. Ex-Coach Hitzfeld: „Defensiv muss man sich erheblich steigern.“
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Hat seine leichte Abschluss-Schwäche überwunden und traf zum 3:1 gegen Dortmund: Mario Gomez gegen BVB-Keeper Marc Ziegler.
Rauchensteiner/Augenklick Hat seine leichte Abschluss-Schwäche überwunden und traf zum 3:1 gegen Dortmund: Mario Gomez gegen BVB-Keeper Marc Ziegler.

MÜNCHEN - Nach vorne brillieren Ribéry, Robben und Gomez. Fürchten muss man vor dem Duell mit Florenz um die wacklige Bayern-Abwehr. Ex-Coach Hitzfeld: „Defensiv muss man sich erheblich steigern.“

Ganz nüchtern betrachtet war es der größte, wichtigste, prestigeträchtigste Bundesliga-Sieg der Bayern in dieser Saison. Ein 3:1 gegen Dortmund? Aber ja! Gegen kein Team aus den Top 5 der Tabelle hat der FC Bayern bis dato gewinnen können. Im Herbst gab es gegen Tabellenführer Leverkusen ein 1:1, ebenso daheim gegen Schalke, in Hamburg verlor man 0:1 – und die Rückrundenpartien folgen erst noch.

Ja, da muss aber dann am Samstag um kurz nach 20.15 Uhr Ausnahmezustand in der Allianz Arena gewesen sein, was für ein Jubel: Tanzen, Springen, eh gut gegen die Kälte. Endlich ward ein Großer, ein Tabellenfünfter, besiegt, der neunte Erfolg hintereinander in der Liga, der zwölfte in Serie in allen Wettbewerben, nur noch ein mickriges Törchen Rückstand auf Bayer Leverkusen – und Fasching ist auch noch. So weit, so schön, die Vorstellung.

Die Realität sah anders aus: Recht geschäftsmäßig, routiniert wurde das 3:1 gegen den BVB hingenommen. Abklatschen, schnell die Welle mit den Fans, erst im Süden, dann im Norden, fertig. Abgehakt. Wenn Siegen zum Normalfall wird.

Was nur die halbe Wahrheit ist. Denn die Spieler wussten, dass sie im dritten Spiel nacheinander im Grenzbereich unterwegs waren, am Rande der Niederlage. 17:11 Torschüsse für die Dortmunder, so die Bilanz, und eine Menge Selbstkritik bei den Bayern. „So viele Chancen wie Dortmund heute gehabt hat – das war nicht gut“, kritisierte Kapitän Mark van Bommel, „die ganze Mannschaft hat damit zu tun. Wenn wir nach vorne laufen, aber nicht nach hinten und keine Ordnung da ist, wird es schwierig.“

Auf den Punkt gebracht. Denn nach vorne entwickeln die Bayern mit ihren Flügelakrobaten Franck Ribéry (siehe nächste Seite) und Arjen Robben eine derartige Offensiv-Wucht, dass der Gegner irgendwann kollabiert. Vorne drin lauern Thomas Müller und Mario Gomez darauf, zu verwandeln. Da sind Tore garantiert. Die Ergebnisse des Jahres 2010: 2:0, 3:2, 3:0, 3:1, 6:2, 3:1. Lässig nach vorne, fahrlässig hinten. Daniel van Buyten patzte beim 0:1 doppelt, Martin Demichelis verliert ab und an den Überblick. Ein Sicherheitsrisiko für das Achtelfinal-Hinspiel der Champions League am Mittwoch gegen den AC Florenz.

„Ein Gegner, der zum günstigsten Zeitpunkt kommt. So wie die Bayern in der Bundesliga spielen, so wie sie den Gegner beherrschen und den Ball laufen lassen, sind sie Favorit“, sagte Ex-Bayern-Trainer Ottmar Hitzfeld bei „sky“ und fügte hinzu: „Nur defensiv muss man sich erheblich steigern, denn Dortmund hatte eindeutig zu viele Torchancen. Dortmund hätte zwei, drei Tore schießen können. Das macht van Gaal einige Sorgen.“

Hätten sie Jörg Butt, den Souverän im Tor, nicht gehabt, die Siegesserie wäre unterbrochen worden. Van Gaal hat erkannt: „Wir haben in der Abwehr viele individuelle Fehler gemacht, die wir am Mittwoch gegen Florenz abstellen müssen. Die Ordnung der ganzen Mannschaft muss besser werden.“ Den Zuschauern wird eine gute Show geboten, doch das Visier ist zu offen.

Kann Florenz, selbst nach dem 0:2 bei Sampdoria Genua und der damit fünften Pleite hintereinander in der Krise, dies ausnutzen? „Es könnte ein Wendepunkt für uns werden“, sagte Coach Cesare Prandelli. Er meint das so, ganz trocken.

Patrick Strasser

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