FC Bayern: Niko Kovac und die Schwererziehbaren

Trainer Niko Kovac vom FC Bayern ist nach der Fastblamage im Pokal gegen Heidenheim im Verteidigungsmodus, er sieht sich als eine Art Erzieher seiner Spieler. "Ich muss weitermachen. So schwer es manchmal fällt", sagt er.
| Patrick Strasser
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Rauchensteiner/Augenklick

München - Fünf Tore gegen Underdog 1. FC Heidenheim – wie erwartet, könnte man da sagen. Aber vier Gegentreffer, vier! Gab’s noch nie in dieser Saison unter Trainer Niko Kovac, dem Liebhaber einer doch so kernigen Defensivstrategie.

Nun Heidenheim, der Wahnsinn. Und überhaupt, diese Pokalsaison! In der ersten Runde ein mageres 1:0 gegen Regionalliga-Nord-Vertreter Drochtersen/Assel, in Runde zwei ein erzittertes 2:1 gegen Regionalliga-West-Klub Rödinghausen, im Achtelfinale ein 3:2-Krimi nach Verlängerung bei Hertha BSC. Gegen Heidenheim (5:4) konnte man eine historische Schmach gerade abwenden.

Okay, Blick nach vorne. Vor dem Titel-Showdown am Samstag gegen Tabellenführer Dortmund hielt Kovac ein bemerkenswertes Plädoyer für das Verteidigen als wichtigstes Stilmittel des Fußballs – und indirekt für sich selbst. "Für den Angriff brauchst du Esprit und Qualität, das ist Kunst. Aber das Verteidigen ist das Einfachste, was es gibt, es ist Handwerk – aber du musst es wollen, den Zweikampf gewinnen wollen, auch wenn man Künstler ist. Erst alleine, dann als Gruppe. Es geht um Verantwortung, um Ordnung, um Disziplin und eben um Bereitschaft. Es geht darum: Will ich verteidigen oder nicht? Bin ich mir zu schade oder nicht? Es macht weniger Spaß als Angreifen – weiß ich auch."

Niko Kovac bemängelt Einstellung seiner Spieler

Kovac spricht von "taktischem Fehlverhalten", von "individuellen Fehlern", es sei eine "Einstellungssache". Er und sein Trainerteam würden es "immer wieder ansprechen, korrigieren und – tja." Er verzieht das Gesicht. Nennt Beispiele für seine Sichtweise: "Frankreich ist Weltmeister geworden, weil sie gut verteidigt haben. Champions-League-Titel werden über die Defensive gewonnen."

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Dann verglich Kovac seine Spieler mit Kindern, sprach auf der Pressekonferenz einen Reporter an: "Wenn Sie Kinder haben, wissen Sie: Es reicht nicht mit einem Mal. Du musst es immer wieder von Neuem sagen, mit Argumenten kommen. Wir sind jetzt ein Dreivierteljahr zusammen. Glauben Sie mir, vom ersten bis zum jetzigen Tag, wahrscheinlich auch morgen und übermorgen, werde ich weiter immer wieder dasselbe erzählen. Aber man muss es umsetzen. Und wenn es nicht umgesetzt wird, heißt es nicht, dass es nicht mehr mein Kind ist, also nicht mehr meine Spieler."

Ob er da resigniert? Kovac: "Ich muss weitermachen. So schwer es manchmal fällt. Du musst irgendwann mal rein (in die Köpfe, d.Red.). Wieder und wieder, der eine versteht es ein bisschen eher, der andere ein bisschen später, aber ich werde nicht aufgeben, um Gottes Willen, wir machen weiter!" Wie frustrierend das sei? Kovac: "Natürlich wird man wahnsinnig, aber es geht weiter. Wenn ich bei jedem Fehler jemanden austauschen würde, müsste ich scharf nachdenken, ob wir überhaupt elf Leute zusammenbekommen."

Wie steht es um das Verhältnis von Kovac zur Mannschaft?

Ob das gut ankommt bei seiner Mannschaft? Kinder, Kinder! Kovac ist längst im Verteidigungsmodus angekommen, fühlt sich genötigt, sich und seine Arbeit zu rechtfertigen. Und in diesem Stadium, was menschlich ist, rückt er davon ab, sich vor seine Mannschaft zu stellen – im Gegenteil. Die eigene Haut ist einem Trainer ab einem bestimmten Zeitpunkt wichtiger als der Marktwert seiner Spieler. Der Graben, den Kovac nun gegraben hat, wird immer tiefer. Unterm Strich bleibt ein komisches Gefühl, was das Binnenverhältnis von Trainer und Mannschaft betrifft.

Es bröselt und bröckelt. Sind Kovacs Spieler, in einem turbulenten Jahr der Umwälzungen, wirklich schwer erziehbar? Oder liegt’s am Erzieher und seinen Vorgaben, die er den Spielern an die Hand gibt?

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