FC Bayern: Hat Niko Kovac jetzt seine Top-Defensive gefunden?

Javi Martínez, beim FC Bayern oft nur auf der Bank, glänzt gegen Liverpool als erfahrener Abräumer. "Die Mannschaft braucht mich in schwierigen Momenten", sagt der Spanier über sich selbst. Auch der in den vergangenen Monaten häufig kritisierte Hummels spielt stark.
| Patrick Strasser
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Glänzten beim FC Liverpool: Javi Martínez (l.) und Mats Hummels
sampics/Augenklick Glänzten beim FC Liverpool: Javi Martínez (l.) und Mats Hummels

München/Liverpool - Hätte Javi Martínez gespielt? Auf jeden Fall? Auch ohne den kurzfristigen Ausfall von Leon Goretzka? Zu 100 Prozent lässt es sich nicht aufklären, aber es spricht einiges dafür.

"Es war meine Absicht, hier in diesem Stadion Persönlichkeiten auf den Platz zu bringen, die schon vieles erlebt haben in ihrem Fußballerleben", sagte Trainer Niko Kovac auf der Pressekonferenz nach dem 0:0-Erfolg in Liverpool. Und dann fügte der Kroate, etwas kryptisch, hinzu: "Letzten Endes kam die Verletzung von Leon mir zugute. Aber es war nicht so, dass Javi nicht in meinen Planungen drin war. Er war absolut drin." Nur: Es hätte einer weichen müssen aus dem Dreier-Mittelfeld mit zwei Sechsern und einem diesmal ebenfalls verteidigenden Zehner.

Wenn man Alter und Erfahrung als Relevanzgrößen heranzieht, hätten Martínez (30 Jahre/50 Champions-League-Spiele), Thiago (27/50) und James Rodríguez (27/50) begonnen – und nicht Goretzka (24), der erst zehn Königsklassen-Einsätze (ohne Tor) vorzuweisen hat, fünf für Bayern, fünf für Ex-Verein Schalke. Sollte also Goretzka draußen bleiben?

Das Spiel in Liverpool war wie geschaffen für Martínez

Es war eine wohlwollende Eingebung des Schicksals zugunsten von Kovac, dass er zu seinem Glück mit Martínez gezwungen wurde. In der Rückrunde hatte der Spanier nur zwei Mal von Beginn an spielen dürfen: In Hoffenheim (3:1) und gegen Stuttgart (4:1), da wurde er beim Stand von 1:1 ausgewechselt. Ab dem Pokalspiel bei Hertha, dem 3:2-Kraftakt nach Verlängerung, stand das Mittelfeld-Trio Thiago/Goretzka/James.

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Doch dieses Hinspiel in Liverpool, diese Zweikampf-Schlacht, war wie geschaffen für den Fighter Javi, den Unerschütterlichen, geschnitzt aus rauem baskischem Holz. "Ich bin zufrieden mit meiner Leistung", sagte Martínez, "ich möchte immer der Mannschaft helfen." Der Mann weiß um seinen Wert: "Die Mannschaft braucht mich in schwierigen Momenten und ich bin auf der Bank immer bereit für Spiele wie hier oder für Einwechslungen." Sehr demütig.

Martínez, mit Vertrag bis 2021 ausgestattet, hatte kürzlich ein Gespräch mit Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge, in dem dieser ihm versicherte, ihn trotz des anstehenden Kader-Umbruchs samt Verjüngungsprozess nicht vorzeitig in diesem Sommer zu verscherbeln. "Chapeau vor seiner Leistung", meinte Kapitän Manuel Neuer, "Javi hat schon in den letzten Jahren unter Beweis gestellt, dass er keinen Zweikampf verloren gibt."

Hummels fordert im Rückspiel mehr Torgefahr

Auch im Rückspiel am 13. März wird man den besten Martínez brauchen. Weil Kovac erneut verteidigen lassen wird – oder anders gesagt: sehr dosiert und vorsichtig angreifen durch das Damoklesschwert "Auswärtsgegentor". Eine akute Bedrohungslage. "Es galt für uns, die Stärken des Gegners rauszunehmen, das Tempo der drei Stürmer einzudämmen – das haben wir hervorragend geschafft", meinte Mats Hummels, Bayerns Bester neben Martínez. Der Innenverteidiger schrubbte in der Abwehr alles fehlerlos weg. "Nach München kommt keine Mannschaft so gern. Wir werden dort versuchen, so zu agieren wie hier plus ein bisschen mehr Torgefahr", sagte er.

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Allerdings ohne den dann nach drei Gelben Karten gesperrten Joshua Kimmich, den Rafinha (33), in Kovacs Sinne auch eine Persönlichkeit reich an Alter und Erfahrung, ersetzen muss.

Wenn nötig, muss man auch einen Krampf erfinden. Siehe Schummler Javi in Liverpool. "Wir wissen alle, wie es ist: Kurz vor Ultimo, da versucht man auch ein bisschen Zeit zu schinden", erklärte Kovac. Denn: "Javi hat gute Laufleistungswerte, das heißt, er kann gar keinen Krampf haben. Das ist alles auch ein bisschen gespielt. Das muss man tun, um ein bisschen Ruhe reinzubringen. Dafür haben sie die Erfahrung." Die Otto-Falckenberg-Schule nimmt die Herren Kicker mit Handkuss.

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