Famoser FC Bayern stürmt das Bernabéu – so wird's was mit dem Halbfinale
Real Madrid besiegt, den Fluch besiegt und das Tor zum Halbfinale weit aufgestoßen. Was für eine Macht-Demonstration der Bayern in der Champions League an diesem Dienstagabend im Bernabéu – 2:1 dank der Treffer von Luis Díaz und Harry Kane beim Gegentor von Kylian Mbappé. Wenn die Münchner im Viertelfinal-Rückspiel am Mittwoch nächster Woche in der Allianz Arena weniger Chancen zulassen und so offensiv-stark auftreten, wird's was.
Keines der vergangenen neun Spiele gegen die Königlichen aus Madrid hatten die Münchner gewinnen können, waren siebenmal als Verlierer vom Platz gegangen. In den vier letzten K.o.-Duelle von 2013/14 bis 2023/24 kamen die Spanier weiter. Und im 29. Duell der beiden Giganten - keine andere Begegnung gab es in der Königsklasse so häufig – zeigten die Bayern den Madrilenen, wo der Bartl den Most holt. Holen diese Bayern am 30. Mai in Budapest gar den Henkelpott?
Kapitän Manuel Neuer wollte zunächst nur ans Rückspiel am nächsten Mittwoch in der heimischen Allianz Arena denken: "Wir sind erstmal froh über den Sieg hier auswärts. Es wird trotzdem eine harte und schwere Aufgabe natürlich in München."
Kane in der Start-Elf? "Die Frage kam heute gar nicht auf"
Die wichtigste Nachricht vorm Anpfiff: Kane kann! Nach seiner Zwangspause wegen Sprunggelenk-Problemen für das Freiburg-Spiel (3:2) konnte der Mittelstürmer in Madrid beginnen. "Die Frage kam heute gar nicht auf", sagte Kompany bei Prime Video über den Toptorjäger und erklärte: "Er war am Montag im Training sehr gut, hat durchtrainiert und nicht so lange raus."

Die Bayern gingen also mit Harry Kane, mit all ihrer Qualität und – neudeutsch – Confidence ins Spiel. Mehr Selbstvertrauen und Selbstsicherheit kann eine Mannschaft, die im eigentlich furchteinflößenden Tempel Bernabéu antritt, kaum ausstrahlen. Angeführt vom Mister Positiv, Trainer Vincent Kompany, der zwischen Hin- und Rückspiel am Freitag seinen 40. Geburtstag feiert, hoffte auf eine große Nacht: "Wir bereiten uns auf das schwierigste Spiel, das du in Europa haben kannst, vor", sagte Kompany in Madrid, "ich möchte, dass wir gewinnen, dass die Mannschaft hier keine Angst hat und zeigt, was wir können." Selbst die Nacht vor diesem Spiel habe er, so Kompany, wie "immer gut" geschlafen, denn das sei "eigentlich meine beste Nacht". Weil er seinen Jungs vertraut.
Reals Auftritt spielt dominanten Bayern in die Karte
Die Gäste übernahmen sofort das Kommando in der Halle (nach einem starken Regenschauer ab 19 Uhr war das Dach geschlossen). Sie pressten, drückten und drängten. Hatten drei Ecken, stets gefährlich. Und eine Riesenchance. Kimmich chippte einen Ball aus dem Halbfeld in den Strafraum, Kane legte clever ab und Upamecano – der traf den Ball völlig frei nicht richtig. Sah nach dem sicheren 1:0 aus, war aber nur ein Luftloch (9.). Zugleich Ansporn für mehr.

Real spielte auch mit. Lediglich auf Konter über ihre schnellen Spitzen Kylian Mbappé und Vinicius Junior. Neuer stand seinen Mann aus kurzer Distanz gegen Mbappé (16.), fischte zwei Minuten später den Schlenzer von Vinicius aus dem langen Eck. Nach einer Einladung von Thiago Pitarch per schlimmen Rückpass kann Serge Gnabry die Monsterchance aus kurzer Distanz nicht verwerten, weil Real-Torhüter Lunin monstermäßig parierte (28.). Die Spielweise von Real kam den Bayern entgegen, weil sich die Gastgeber wie sonst Union, Bremen oder Augsburg hinten reinstellten und auf Umschaltmomente lauerte. Wenig, wenig.
Díaz und Kane lassen das Bernabéu verstummen
Auf Pass von Gnabry schob Luis Díaz zum längst überfälligen 1:0 (41.) ein – souverän und zugleich locker. Das Bernabéu verstummte, Teil eins. Pause. Lediglich 20 Sekunden nach der Pause legten die Bayern nach. Der unwiderstehliche Olise auf den aus dieser Position unwiderstehlichen Kane – satter Flachschuss ins rechte, untere Eck, das 2:0 (46.). Das Bernabéu erstarrte, Teil zwei. Und verzweifelte, weil Neuer, jetzt ja junge 40, Neuer-Dinge machte und gegen Mbappé (66.) stark parierte. Fast noch dran, war die Krake, als Mbappé den Anschluss erzielte (74.). Nun wurde es wieder lauter, weil offener, hitziger. Die Bayern mussten verteidigen – und leiden. Sie gewannen 2:1, vergaben aber leichtfertig einen höheren Sieg. Diese Chancen!
Dennoch: Für Winner Kompany war es im 100. Pflichtspiel als Bayern-Trainer der 76. Sieg, bei nur 13 Unentschieden und elf Niederlagen.
