Interview

Ex-Bayern-Stars vor Duell mit Bodø/Glimt: "Eines der größten Spiele in Norwegens Fußball-Historie"

Jan Einar Aas und Erland Johnsen waren die ersten und bislang auch einzigen Norweger bei Bayern. Im AZ-Interview sprechen beide über ihre Zeitin München und das Phänomen Bodø/Glimt.
von  Patrick Strasser
Echte Bayern-Kenner erinnern sich: Erland Johnsen kam in seiner Zeit in München an Klaus Augenthaler und Jürgen Kohler nicht vorbei. Stolz ist der Norweger dennoch auf seine Zeit beim Rekordmeister.  Fotos: imago, privat
Echte Bayern-Kenner erinnern sich: Erland Johnsen kam in seiner Zeit in München an Klaus Augenthaler und Jürgen Kohler nicht vorbei. Stolz ist der Norweger dennoch auf seine Zeit beim Rekordmeister. Fotos: imago, privat

AZ: Herr Aas, Sie waren ein Pionier: der erste Norweger, der in der Bundesliga gespielt hat – und damit auch der erste Norweger in der Geschichte des FC Bayern.
JAN EINAR AAS (70): Ich hatte das große Glück, für diesen so wunderbaren Verein spielen zu dürfen. Alles war perfekt organisiert, alle zu mir stets super-freundlich.

Kurz vor Weihnachten 1979 wechselten Sie nach München, gaben ihr Debüt im Januar 1980. Sie stammen aus Moss, etwas mehr als 50.000 Einwohner, am Oslofjord gelegen. Der zweite Norweger, der je das Bayern-Trikot getragen hat, ist Erland Johnsen, geboren in Fredrikstad, rund als 30 Kilometer südlich von Moss. Herr Johnsen, haben Sie sich damals, als Sie im Sommer zum FC Bayern kamen, Tipps von Einar Jan geholt?
ERLAND JOHNSEN (59): Ja, natürlich. Ich habe mit ihm gesprochen und er hat mir nur das Beste erzählt. Er sagte, der FC Bayern sei ein so positiver Ort für einen Profi-Fußballer.
AAS: Eigentlich ist es verrückt: Die einzigen beiden Norweger, die je beim FC Bayern waren, stammen beide aus der Jugendabteilung von Moss FK, einem so kleinen Verein in einer kleinen Stadt. Eine schöne Sache.

Echte Bayern-Kenner erinnern sich: Erland Johnsen kam in seiner Zeit in München an Klaus Augenthaler und Jürgen Kohler nicht vorbei. Stolz ist der Norweger dennoch auf seine Zeit beim Rekordmeister.  Fotos: imago, privat
Echte Bayern-Kenner erinnern sich: Erland Johnsen kam in seiner Zeit in München an Klaus Augenthaler und Jürgen Kohler nicht vorbei. Stolz ist der Norweger dennoch auf seine Zeit beim Rekordmeister. Fotos: imago, privat

Wie sind Sie damals nach München gekommen? Fangen wir mit Ihnen an, Herr Aas.
AAS: Im November 1979 spielte ich mit der norwegischen Auswahl in Baunatal gegen die bundesdeutsche Amateurauswahl. Bayern-Manager Uli Hoeneß war mit Assistenztrainer Reinhard Saftig im Stadion, danach bekam ich ein Angebot. Von Borussia Mönchengladbach lag mir auch eine Anfrage vor, aber es fühlte sich nicht perfekt an. Dann reisten Hoeneß und Willi O. Hoffmann (der damalige FCB-Präsident, d.Red.) nach Oslo, um mich zu treffen. Noch am selben Tag sollte ich mit ihnen im Privatjet zurück nach München fliegen. Doch ich brauchte einen Tag Bedenkzeit, wollte mit meinen Eltern sprechen. Am nächsten Tag habe ich ja gesagt und wir sind geflogen.

War das Angebot besser als das der Borussia?
Aas: Ich sage es mal so: Bayern wollte mich mehr – und ja, es war besser. Verglichen mit den Gehältern heutzutage, habe ich eigentlich fast nichts verdient (lacht). Nein, ich war sehr stolz. Als erster Norweger in die Bundesliga! Das war historisch! Und dann noch im Privatflieger!

Heynckes wollte Johnsen zu den Bayern holen

Herr Johnsen, und bei Ihnen? Knapp zehn Jahre später?
JOHNSEN: Im Sommer 1988 absolvierte ich ein Probetraining beim FC Schalke. Ein Transfer kam nicht zustande. Ich wurde für eine Trainingswoche nach München eingeladen und machte mir am Ende keine großen Hoffnungen: Ich war nicht so gut, außer im Kopfballspiel und in den Eins-gegen-Eins-Duellen mit Roland Wohlfarth, Lothar Matthäus und Mark Hughes. Ich konnte kaum glauben, dass Trainer Jupp Heynckes mich haben wollte. Ich war 21 Jahre jung, habe in Moss in einer Bank gearbeitet. Und plötzlich spielte ich bei Bayern, lebte mit meiner Freundin in Ottobrunn.

Wie schnell haben Sie sich akklimatisiert?
JOHNSEN: Ganz gut, ich hatte vier Jahre Deutsch in der Schule. Wenn Rudi Egerer, der Busfahrer, Bayerisch geredet hat, habe ich rein gar nichts verstanden. Die Ur-Bayern Klaus Augenthaler und Hans Pflügler waren sehr nett zu mir, haben sich bemüht, Hochdeutsch zu sprechen.
AAS: So ähnlich war es bei mir auch. Vor allem Klaus und Paul Breitner waren sehr hilfsbereit, haben mich nach Hause zum Essen eingeladen. Klaus und ich waren gute Freunde.

Erstaunlich sind Ihre Parallelen in der sportlichen Bilanz. Im ersten Jahr lief es ganz gut, im zweiten saßen sie, beide zentrale Abwehrspieler, oft auf der Bank.
AAS: Pal Csernai war ein brillanter Coach, aber nie zu 100 Prozent mit mir zufrieden, hat mir nicht vollständig vertraut. Neben Libero Augenthaler spielt meist Kurt Niedermayer Vorstopper. Und ganz ehrlich: Ich war nicht besser. Weil ich wieder häufiger spielen wollte, nahm ich im März 1981 das Angebot von Nottingham Forest an. Aber ich wurde zwei Mal (1980 und ‘81, d.Red.) Meister!
JOHNSEN: Ich kam an Augenthaler und Jürgen Kohler, der 1989 verpflichtet wurde, nicht vorbei – zwei deutsche Nationalspieler! Da ich jung und rastlos war, wollte ich weg. Da kam das Angebot des FC Chelsea wie gerufen. Hoeneß sagte: Okay, wenn du gehen willst, dann geh! Ich bin übrigens auch zwei Mal (1989 und ‘90, d.Red.) Meister geworden (lacht). Außerdem habe ich noch meine Lederhose von damals. Ich musste sie nur mittlerweile etwas weiten lassen. . .

Er war der Erste: Jan Einar Aas im legendären Magirus-Deutz-Trikot. Der Abwehrspieler war der erste Norweger beim FC Bayern. Beinahe wäre er damals zu Konkurrent Mönchengladbach gewechselt.  Fotos: imago, privat
Er war der Erste: Jan Einar Aas im legendären Magirus-Deutz-Trikot. Der Abwehrspieler war der erste Norweger beim FC Bayern. Beinahe wäre er damals zu Konkurrent Mönchengladbach gewechselt. Fotos: imago, privat

Am Donnerstag spielt Bodø/Glimt in der Allianz Arena gegen den FC Bayern. Mit Viking Stavanger hat sich ein zweiter Verein aus Norwegen für die Champions League qualifiziert, der Meister empfängt die Münchner im Oktober.
AAS: Ich bin seit damals Bayern-Fan, mittlerweile auch Fan von Bodø. Unglaublich, was dieser Verein geschafft hat. Mein norwegisches Herz wünscht sich ein Unentschieden. Ich hoffe, dass alle drei Klubs in die K.o.-Runde kommen.
JOHNSEN: Es ist eines der größten Spiele in Norwegens Fußball-Historie. Mittlerweile supporten beinahe alle Norweger Bodø und hoffen auf einen Punkt. Aber auch ich liebe den FC Bayern.

Darum erlebt der norwegische Fußball derzeit einen Aufschwung

Norwegens Fußball erlebt Goldene Zeiten. Mit den Superstars Erling Haaland und Martin Ödegaard kam man bei der WM ins Viertelfinale.
AAS: So gut habe ich die Nationalelf noch nie gesehen, ein tolles Niveau. Wir profitieren davon, dass viele Spieler in europäischen Top-Ligen wie der Premier League gelernt und ihre Erfahrungen gemacht haben.
JOHNSEN: Stimmt. Dazu kommt: In unseren Jugend-Akademien wird sehr gute Arbeit geleistet. Sie müssen wissen, Fußball ist nun die Sportart Nummer eins in Norwegen. Auf Rang zwei: Frauen-Fußball.

Und was machen Sie beide heute?
JOHNSEN: Nach 40 Jahren im Fußball-Geschäft, ich war Trainer und zuletzt Marketing-Direktor bei Moss FK, wollte ich nun mit knapp 60 Jahren etwas Neues machen. Ich habe eine neue Herausforderung gesucht und arbeite als Marketing-Direktor nun für das LUSH-Festival in Moss - dort treten tolle Künstler auf. Nebenbei werde ich wohl ein wenig als U16-Coach fungieren.
AAS: Ich bin Rentner, habe zwei Kinder und vier Enkelkinder. Wenn es sich ausgeht, spiele ich zwei Mal pro Woche Golf und genieße das Leben mit meiner Frau, wir sind seit 40 Jahren verheiratet. Es könnte nicht schöner sein.

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