"Es ist unbeschreiblich": FC-Bayern-Wunschspieler Brown feiert WM-Premierentor mit seiner Familie

Na also! Geht doch! Die deutsche Nationalelf hat den drohenden Pleite-Hattrick bei Auftaktspielen in eine WM locker abgewendet und den eingepreisten wie erwarteten Pflichtsieg gegen Außenseiter Curaçao, den 82. der Fifa-Weltrangliste, eingefahren. Nach ein paar Schwierigkeiten Mitte der ersten Halbzeit gelang mit dem 7:1 in Houston, dem Sitz der US-Raumfahrtbehörde NASA, der erhoffte Raketenstart in die WM-Endrunde. "Völlig losgelöst" – wie passend, dass zu jedem DFB-Tor die Hymne "Major Tom", der Kultsong von Peter Schilling, eingespielt wurde.
Nagelsmann: "Ein Auftaktsieg ist immer wichtig"
Felix Nmecha, Nico Schlotterbeck, Doppelpacker Kai Havertz (eins davon per Elfmeter), Jamal Musiala, Nathaniel Brown und der eingewechselte Deniz Undav sorgten für den ersten WM-Auftaktsieg seit dem 4:0 gegen Portugal bei der Endrunde 2014 in Brasilien. Ausgang bekannt – ein gutes Omen? 2018 in Russland (0:1 gegen Mexiko) und 2022 in Katar (1:2 gegen Japan) gingen die ersten Spiele verloren, nach der Gruppenphase war jeweils Schluss. Nach einem Auftaktsieg erreichte man stets mindestens das Halbfinale.
"Ein Auftaktsieg ist immer wichtig, wir sind froh, dass wir das geschafft haben", sagte Julian Nagelsmann bei MagentaTV und betonte: "Ich habe der Mannschaft von Herzen gratuliert. Das Miteinander, das sie haben, ist außergewöhnlich." WM-Debütant und wohl Bald-Bayer Brown strahlte: "Es ist unbeschreiblich. Im ersten WM-Spiel zu treffen, meine Familie ist da, dann mit den Jungs zu jubeln – einfach unglaublich."

Treffer von Comenencia wird zum Wermutstropfen
Eine derartige Pleite war in diesem Match, das wie ein Duell in der ersten DFB-Pokalrunde zwischen einem Favoriten und einem unterklassigen Team – allerdings auf der größten Bühne der Welt – anmutete, kaum möglich. Außenseiter Curaçao ist die kleinste Nation (nach Einwohnerzahl und Fläche), die sich jemals für eine WM qualifiziert hat. Die Insel hat etwa 156.000 Einwohner – so viele wie Heidelberg oder Paderborn.
Die Mannschaft von Trainer Dick Advocaat (78), dem ältesten Chefcoach bei dieser WM-Endrunde, agierte mit einem sehr physisch orientierten Spielstil – angetrieben von ihrer Leidenschaft und den enthusiastischen Fans. Doch das Team von Bundestrainer Julian Nagelsmann, dem mit 38 Jahren jüngsten Coach der WM, war spielerisch-taktisch weit überlegen. Einziger Wermutstropfen: Der Gegentreffer von Livano Comenencia (21.), bei dem die DFB-Abwehr und der Torwart trotz des abgefälschten Schusses schlecht aussahen.

Neuer: "Ich habe die Belastungsproben bestanden"
Der Torwart? Ja, ER war es wirklich. Im Tor der Nationalelf, in seinem 125. Länderspiel: Bayern-Kapitän Manuel Neuer, der Rückkehrer, der Turnier-Hopper. Sein letzter Einsatz? Im Juli 2024, beim dramatischen Viertelfinal-Aus während der Heim-EM gegen Spanien (1:2). Rechtzeitig fit geworden nach seinen Wadenproblemen wurde Neuer nun zum ältesten DFB-Nationalspieler der Geschichte – mit 40 Jahren und 79 Tagen.
Er überholte Lothar Matthäus (39 Jahre und 91 Tage). "Ich habe die Belastungsproben bestanden", sagte Neuer vor dem Anpfiff, "wir sind alle voller Energie. Nach vorne sollte einiges gehen." Seine Erfahrung sollte Neuer recht geben. Ein Segen für alle Beteiligten war das verschließbare Dach im "Houston Stadium", in dem sonst die Footballer der Houston Texans fighten. So entkam man der Waschküche draußen, ein Mix aus schwül-heißer Gewitterluft mit stechendem Sonnenschein und sintflutartigen Regenfällen. Eine Luftfeuchtigkeit, die jeden Brillenträger in Sekunden im Nebel tappen lässt.
DFB-Fans stimmen Fanchöre an
Ein Segen vor allem für die deutsche Mannschaft, die solch tropische Klima-Verhältnisse naturgemäß schwieriger wegsteckt als die Kicker von der Karibik-Insel. Die Halle wurde auf Sportler-freundliche 22 Grad runtergekühlt. "Perfekte Temperaturen bei den Wetterbedingungen", meinte Nagelsmann. Gewöhnungsbedürftig auch die Anstoßzeit vor Ort, 12 Uhr mittags – High Noon. "Ich freue mich, dass es sehr früh losgeht", sagte der Bundestrainer, da man so ausnahmsweise (im Vergleich zu den meisten Champions-League-Partien wurde neun Stunden früher angepfiffen) "nicht so einen langen Tag im Hotel" habe.
Die deutschen Fans feierten den 7:1-Kantersieg, sangen "Macht sie alle, schießt sie aus der Halle!". Der letztlich souverän gewonnene Kick zur Mittagszeit ist schon fast die halbe Miete. Ein weiterer Punkt in den nächsten Gruppenspielen gegen die Elfenbeinküste (Samstag in Toronto) und gegen Ecuador (25. Juni in New Jersey) würde zu 99 Prozent das Ticket für das neu eingeführte Sechzehntelfinale bedeuten.