Erinnerungen an Robbery: Bayern hat in Olise und Diaz ein neues Traum-Duo gefunden

Hat sich da beim FC Bayern ein neues Traum-Duo gefunden? Michael Olise und Luis Díaz erinnern immer mehr an die legendäre Münchner Flügelzange Robbery. Auch die Bosse schwärmen, nur einer bremst.
von  Patrick Strasser
Stachen beim Torfestival gegen Wolfsburg heraus: Luis Díaz und Michael Olise.
Stachen beim Torfestival gegen Wolfsburg heraus: Luis Díaz und Michael Olise. © IMAGO/Frank Hoermann / SVEN SIMON

Wohl dem, der so aus dem – wenn auch kurzen – Winterschlaf erwacht. Putzmunter, voller Elan und Kreativität. Mit 8:1 fegte Tabellenführer und Ligadominator Bayern am Sonntagabend über den VfL Wolfsburg hinweg, zerstreute die – falls vorhanden – allerletzten Zweifel an der Titelverteidigung in der Bundesliga.

Acht Treffer gegen Wolfsburg. "Das ist nicht normal, das ist nicht selbstverständlich", sagte Trainer Vincent Kompany und betonte: "Das habe ich diese Saison schon oft gesagt, aber das ist die Wahrheit und das darf man nicht vergessen."

Kane erzielte in seinen ersten drei Bundesliga-Spielzeiten mindestens 20 Tore

Zur Wahrheit gehört auch: All die Zeugnisse dessen, wie weit diese Bayern der Liga entrückt sind, entstanden ohne den verletzten Spielmacher Jamal Musiala. Dafür mit Torjäger Harry Kane, der mit seinem sehenswerten Treffer zum 6:1 bereits zum 20. Mal erfolgreich war, damit in seinen ersten drei Bundesliga-Spielzeiten mindestens 20 Tore erzielte - was zuvor nur Timo Konietzka vor fast 60 Jahren gelang.

Doch gegen Wolfsburg waren weder Kane noch Shootingstar Lennart Karl (blieb blass) die Hauptfiguren. Bayerns Flügel ließen die Mannschaft fliegen. Die Außenstürmer Michael Olise und Luis Díaz waren an sechs der acht Treffer beteiligt.

"Haben momentan eine Flügelzange, die außergewöhnlich ist"

Der Franzose Olise erzielte zwei Tore, bereitete eines, das von Díaz, vor. Der Kolumbianer sammelte ebenfalls drei Scorerpunkte: ein Tor, zwei Vorlagen - eine davon für Olise, natürlich. "Wir haben momentan eine Flügelzange, die außergewöhnlich ist", meinte Sportvorstand Max Eberl freudestrahlend, "aber natürlich auch die Spieler, die sie in Szene setzen und die Systematik haben, dass die Spieler auch immer wieder ins Eins-gegen-Eins gehen können." Rechts Olise, 24, Linksfuß. Und links Díaz, 28, Rechtsfuß.

Das erinnert an glanzvolle Bayern-Zeiten. Nicht nur die Fans, auch die Bosse. "Wenn ich Olises Position und seine Moves nehme, dann ähnelt er Arjen Robben", meinte Eberl. "Wir haben gerade in der Kabine darüber gesprochen, das ist ein Stück weit der neue Robben, den wir haben."

Erinnerungen an Robbery werden wach

Im Stile der früheren Bayern-Ikone (mittlerweile 41 Jahre alt, von 2009 an zehn Jahre bei Bayern) erzielte Olise das zwischenzeitliche 3:1 gegen Wolfsburg. Er zog von der rechten Seite parallel zur Strafraumlinie dynamisch in die Mitte, und zog dann mit links in die lange Ecke ab – unwiderstehlich, unaufhaltsam, der Schuss unhaltbar.

Mit "Lucho", so wird Díaz bei Bayern gerufen, habe man, so Eberl "auf der anderen Seite den Typ Franck Ribéry, den kreativen Chaos-Maker. Und den filigranen, den eleganten, kreativen mit Michael." Ribéry (42), die andere Bayern-Legende, begeisterte die Fans von 2007 bis 2019 mit seinen Tempoläufen und Power-Dribblings.

Einst ein kongeniales Duo beim FC Bayern: Arjen Robben und Franck Ribéry.
Einst ein kongeniales Duo beim FC Bayern: Arjen Robben und Franck Ribéry. © imago sportfotodienst

Hat beim FC Bayern die neue Ära "Olisiaz" begonnen?

Gemeinsam waren sie "Robbery". Hat die Ära "Olisíaz" bereits begonnen? Wettbewerbsübergreifend hat Olise, der 2024 für 53 Millionen Euro von Crystal Palace verpflichtet wurde, in der aktuellen Saison bereits 27 Scorerpunkte in 26 Einsätzen gesammelt: zwölf Tore, 15 Vorlagen.

Díaz, vergangenen Sommer für 67,5 Millionen Ablöse vom FC Liverpool geholt, kommt auf 23 Scorerpunkte (14/9) in 23 Partien. Gut investierte rund 120 Millionen Euro.

Kompany bremst die Euphorie

Lediglich Trainer Kompany bremste die Euphorie und die Erwartungen an Olise und Díaz, sagte: "Ich würde sie noch nicht vergleichen mit Robben und Ribéry. Dafür habe ich zu viel Respekt vor diesen beiden Flügelstürmern, gegen die ich gespielt habe. Ich glaube, Michael und Luis müssen ihren eigenen Weg gehen und so weitermachen. Wenn irgendwann am Ende die großen Titel nochmal da sind, dann können wir vielleicht irgendwann über dieses Thema sprechen. Aber jetzt in dem Moment überhaupt nicht." Robbery hatten 2013 gemeinsam die Champions League gewonnen, wurden Triple-Helden.

In Bezug auf Olise meinte Kapitän und Torhüter Manuel Neuer: "Wichtig wird sein, dass Michael hier Spaß hat, Fußball zu spielen. Das versuchen wir als Mannschaft ihm zu geben. Er selbst ist sehr kreativ, kann Situationen kreieren. Er hat mit unserer Truppe sehr viel Spaß, gerade wenn Jamal zurückkommt. Das ist ein Spieler, mit dem er sich sehr gut versteht."
Musiala soll noch im Januar sein Comeback geben – na, das kann ja heiter werden. Für die Bayern-Fans und sämtliche Gegner. Nächster Auftritt der bayerischen Flügelzauberer: Am Mittwochabend beim 1. FC Köln.

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