"Er tut mir leid": Hoeneß zeigt auf der Meisterfeier des FC Bayern Mitleid mit Baumann

Manuel Neuer steht vor dem spektakulärsten Comeback der DFB-Geschichte: Trotz erneuter Wadenprobleme könnte der 40-Jährige bei der WM in Nordamerika ins Tor zurückkehren – sehr zum Leidwesen von Oliver Baumann. Uli Hoeneß hat sogar Mitleid mit dem Hoffenheim-Keeper.
Krischan Kaufmann,
Patrick Strasser |
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Hat Mitleid mit Oliver Baumann: Uli Hoeneß.
Hat Mitleid mit Oliver Baumann: Uli Hoeneß. © IMAGO

Macht er es wirklich? Oder macht er es doch nicht? Er, Julian Nagelsmann, der zaudernde, zögernde Bundestrainer. Aber: Will er es überhaupt? Er, Manuel Neuer, der Torhüter. Der ehemalige Nationaltorhüter. Der Bald-Wieder-Nationaltorwart dank Nagelsmanns Gnaden? Doch: Kann er überhaupt, der 40-Jährige? Lässt es sein Körper zu, ist er fit genug?

Neuer lässt sich in der 60. Minute auswechseln

Beim Saisonabschluss des FC Bayern gegen den 1. FC Köln, dem letzten Schützenfest der Torrekord-Spielzeit, ließ sich Neuer in der 60. Minute auswechseln. Sein Stellvertreter, der Kronprinz Jonas Urbig ersetzte ihn. Nur eine Vorsichtsmaßnahme, der Stammtorhüter habe "ein bisschen was in der Wade gemerkt und wollte kein Risiko eingehen, auch wegen nächster Woche", so Neuer.

Drei Mal, im Dezember, im Februar und im März, hatte Neuer in dieser Saison mit seinen Muskeln zu kämpfen, verpasste sieben Pflichtspiele – aufgrund von Muskelfaserrissen oder wie Neuer sagte: "Kleinigkeiten". Er habe "einen Schnupfen unten an der Wade" gehabt, geschwächt durch Magen-Darm-Probleme.

Klatschte Jonas Urbig vor seiner Auswechslung ab: Manuel Neuer.
Klatschte Jonas Urbig vor seiner Auswechslung ab: Manuel Neuer. © IMAGO

Wade, Wehwehchen und die Frage nach der Fitness

Präsident Herbert Hainer gab am Sonntag (siehe Seite 19) bei der Feier auf dem Marienplatz schon mal leichte Entwarnung: "Alles, was ich weiß, ist, dass es keine schwerwiegende Verletzung ist. Daran wird es also nicht scheitern." Gemeint ist natürlich Neuers mögliches DFB-Comeback.
Die medizinische Abteilung der Bayern meldete dann am Mittag: Der 40-Jährige müsse "wegen muskulärer Probleme in der linken Wade vorerst kürzertreten." Für die Treppe hoch zum Rathausbalkon reichte es dennoch, aber ob das bedeutet, dass Neuer auch beim Pokal-Finale am Samstag im Tor stehen wird?

Das spektakuläre Comeback als WM-Perspektive

Den größten Turnaround in der Historie der Nationalelf, das spektakulärste Comeback, wird diese leichte Blessur wohl nicht verhindern. Am Samstagnachmittag hatte Sky berichtet, dass Neuer nach seinem Rücktritt im Anschluss an die Heim-EM 2024 nun sein Comeback in der DFB-Auswahl geben werde. Darauf hätten sich Neuer, Nagelsmann und DFB-Sportdirektor Rudi Völler mit Blick auf die WM diesen Sommer in Nordamerika verständigt.

Es wäre Neuers fünfte WM-Teilnahme, die bisherige Krönung war der Titelgewinn 2014 in Brasilien.Im Laufe der letzten Wochen hatte Neuer das Thema Rückkehr stets verneint bzw. wegmoderiert, aber nie restlos kategorisch ausgeschlossen. Hat ihn Nagelsmann in jüngster Zeit doch überzeugen können?

Am Samstagabend im Sportstudio: Bundestrainer Julian Nagelsmann.
Am Samstagabend im Sportstudio: Bundestrainer Julian Nagelsmann. © IMAGO

Bayerns Sicht: Der "beste deutsche Torwart"

An der Säbener Straße wäre man nicht überrascht. Jan-Christian Dreesen sagte am Rande der Meisterfeier am Nockherberg: "Vincent Kompany hat es am besten beschrieben. Der FC Bayern hat den besten deutschen Torwart. Den Rest muss der Bundestrainer entscheiden. Das ist seine Verantwortung. Er hat es nicht einfach. Er muss aus der großen Liste einen Kader schmieden. Da tun wir gut daran, uns da nicht einzumischen. Aber der beste deutsche Torwart ist uns bekannt."

Natürlich hat auch Uli Hoeneß zur Causa Neuer eine Meinung. Grundsätzlich, so der Bayern-Patron am Sonntag, hätte man das Thema früher abräumen müssen. "Wenn sich Manuel dazu entscheidet, würde mich das freuen, obwohl mir der Oliver Baumann sehr leid tut. Er ist ein toller Mann. Ich hoffe, dass das nicht zu viel Unruhe gibt."

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Nagelsmanns Schweigen und die Kader-Entscheidung

Mit Spannung war der Auftritt von Julian Nagelsmann am Samstagabend im ZDF-Sportstudio erwartet worden, doch der Bundestrainer verweigerte eine konkrete Aussage pro oder kontra Neuers Comeback. "Ich halte an meiner Eingangsthese fest, dass ich zuerst das Gespräch mit den Spielern suche. Es wird immer zuerst der Spieler kontaktiert, das hat noch nicht stattgefunden."

Womit der 38-Jährige jedoch eine Rückkehr nicht ausschloss. Ein Ja zu Neuer zwischen den Zeilen? "Jeder Spieler", erklärte Nagelsmann, habe "das Recht, die Information von mir zu bekommen. Ich bin weit davon weg, mich treiben zu lassen." Am Donnerstag findet die Nominierung der 26 WM-Fahrer auf dem DFB-Campus in Frankfurt statt, bereits bis Mittwoch wird Nagelsmann "62 Telefonate führen" – mit Glücklichen wie Enttäuschten.

Baumann zwischen Loyalität und möglichem Dämpfer

Ist Neuer, bis dato 124 Länderspiele, tatsächlich dabei, wäre dies ein Schlag ins Gesicht für den loyalen Oliver Baumann (38), der aktuellen Nummer eins, mit der Nagelsmann nach der Verletzung von Marc-André ter Stegen die WM-Qualifikation bestritt. Dass dies so bleibe, hatte Nagelsmann zuletzt immer wieder bestätigt. Davon geht der Hoffenheimer Routinier weiterhin aus."

Das ist mein Stand, ich habe keine andere Info", sagte Baumann nach dem 0:4 der TSG am Samstag bei Borussia Mönchengladbach. Er berichtete von einem "Vier-Augen-Gespräch" mit dem Bundestrainer und gehe "sehr selbstbewusst in die WM-Vorbereitung und dann in die WM." Denn: "Er hat mir das Vertrauen ausgesprochen. Punkt." Schnee von gestern?

Neuer hält sich bedeckt – und plant Europa

Und Neuer selbst? Hielt sich am Meistersamstag (taktisch) bedeckt, sagte bei Sky ausweichend lediglich: "Ich bin da total entspannt." Und: "Für mich ist das heute kein Thema." Reizt ihn nach der am Freitag fixierten Vertragsverlängerung mit dem FC Bayern um eine weitere Saison bis 2027 nun doch noch eine fünfte WM, sein letztes Turnier? Nur sein Körper könnte es Neuer vermiesen.

Aber auch am Sonntag wollte er eigentlich explizit dazu schweigen. Die kluge Frage von BR-Moderator Markus Othmer nach seinem Sommerurlaub beantwortete Neuer jedoch eindeutig: Europa wird es werden, es sei "keine Fernreise geplant." Die Frage ist nur: Während oder nach der WM?

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