Entgleisungen in Sinsheim: Wehret den Auswüchsen

Der Bayern-Reporter der AZ Patrick Strasser über die Entgleisungen der Münchner Ultra-Szene beim 6:0 des FC Bayern bei 1899 Hoffenheim in Sinsheim.
| Patrick Strasser
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Signal gegen die Hetze: Bayern-Boss Rummenigge umarmt Hopp. Die Spieler beider Teams applaudieren in der Hoffenheim-Kurve.
Peter Hartenfelser/imago Signal gegen die Hetze: Bayern-Boss Rummenigge umarmt Hopp. Die Spieler beider Teams applaudieren in der Hoffenheim-Kurve.

Der Bayern-Reporter der AZ Patrick Strasser über die Entgleisungen der Münchner Ultra-Szene beim 6:0 des FC Bayern bei 1899 Hoffenheim in Sinsheim.

Die Bayern-Ultras wussten genau, was sie tun. Maximal provozieren im Rahmen des Fanfeindschaften-übergreifenden Protestes gegen Hopp und die Frage der Kollektivstrafen. Aber eben nur zwei Mal. Die dritte Unterbrechung hätte zum Spielabbruch geführt, womöglich zu einer Neuansetzung des Spiels oder gar zu einer Verurteilung samt Punktabzug durch die Sportgerichtsbarkeit. Da ist plötzlich Schluss mit Hass. Sehr durchschaubar. Die Reaktion der Verantwortlichen und Spieler, demonstrativ nicht mehr zu spielen, nur ein wenig miteinander kicken, war bemerkens- wie lobenswert und bis dato einzigartig. Eine klare Zäsur: Streik! Mit uns nicht!

Es geht aber nicht nur um den Schutz einer Einzelperson wie Hopp, sondern um sämtliche Auswüchse der Hetze, die sich in Deutschlands Stadien breitmacht, weil diese sich wie ein Virus in Teilen der Bevölkerung ausbreitet – legitimiert und forciert durch die Partei der Ausgrenzer für Deutschland. Die Schamgrenzen haben sich verschoben. Längst ist die Anonymität des Internets nicht einziger Zufluchtsort der Hetzer. Sie fühlen sich sicher, weil die Masse größtenteils schweigend zuschaut.

Wehret den Auswüchsen!

Wer sagt, früher sei es auch derbe gewesen in den Stadien, vergisst den Multiplikator Internet. Dieser 29. Februar kann nur der Anfang sein. Anfang einer Reaktionswelle, die zwar viel zu spät kommt, aber allein deshalb nicht infrage gestellt werden sollte. Wehret den Auswüchsen! Auch gegen Rassismus, Homophobie und Sexismus müssen DFL, DFB, Vereine und Spieler ebenso entschlossen und mit aller Härte vorgehen. Hetz-Banner und Beleidigungen können nicht toleriert werden.

Auf einen Selbstreinigungsprozess wie in Münster, als Fans mit dem Finger auf einen Rassisten zeigten und den Ausgrenzer mit Ausgrenzung straften, kann man sich nicht verlassen. Verbände und Vereine müssen Leitlinien geben. Wenn wieder – egal, gegen wen – gehetzt und beleidigt wird: Geht’s raus, spielt’s nicht mehr Fußball! Es gibt Wichtigeres. Ohne Spiel keine Plattform. Ohne Plattform weniger Wirkung.

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