Elber: „Auf Lucio zu verzichten, wäre verrückt“

Wie Landsmann Elber, der Ex-Bayer, einen möglichen Wechsel des Brasilianers bewertet.
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Giovane Elber stürmte von 1997 bis 2003 für den FC Bayern, schoss 169 Bundesliga-Tore, ist nun Scout für die Bayern.
Daniel von Loeper Giovane Elber stürmte von 1997 bis 2003 für den FC Bayern, schoss 169 Bundesliga-Tore, ist nun Scout für die Bayern.

Wie Landsmann Elber, der Ex-Bayer, einen möglichen Wechsel des Brasilianers bewertet.

AZ: Herr Elber, angeblich steht Bayerns Abwehrchef Lucio vor einem Wechsel in die englische Premier League zu Manchester City. Können die Bayern und der neue Coach Louis van Gaal wirklich auf den Kapitän der brasilianischen Nationalelf verzichten?

GIOVANE ELBER: Das kann ich mir kaum vorstellen. Ich will das auch gar nicht glauben. Lucio ist seit Jahren nicht nur einer der besten, sondern der beständigsten Abwehrspieler der Bundesliga und – ach, was sage ich – ganz Europas. Jeder kennt seine Qualitäten.

Dennoch soll es recht konkret sein, Manchester City will rund sieben Millionen Euro Ablöse bezahlen.

Okay, er hat nur noch ein Jahr lang Vertrag und ist 31. Aber, bitte, ein Lucio, ist viel mehr wert. Er ist bärenstark, spielt immer mit ganzem Herzen und voller Leidenschaft. Kaum einen nehmen Niederlagen so mit, er nimmt sie persönlich, ist von der Mentalität her einer wie Oliver Kahn. Er will immer gewinnen, so etwas strahlt auf die Mannschaft ab. Dass er ab und an zu ungestüm und mit etwas zu wenig Übersicht nach vorne rennt, ist bekannt. Aber, Leute, es ist der Kapitän unserer Selecao - und der soll für Bayern nicht mehr erwünscht sein? Ich kenne die Pläne von Herrn van Gaal nicht, aber meiner Meinung nach wäre jeder Trainer der Welt verrückt, würde er freiwillig auf Lucio verzichten.

Womöglich aber liegt es daran, dass Lucio selbst weg will. Er hat ja in den vergangenen Jahren immer mal mit einem Wechsel ins Ausland geliebäugelt, zum Teil gedroht.

Das war meist im Winter, wenn es in München kalt und trüb ist und Frau und Kinder sich durch den Schnee kämpfen müssen.

Jetzt ist Sommer. Zumindest kalendarisch.

Ich glaube, dass es ihn insgeheim etwas verwundert hat, dass die letzte Saison mit Martin Demichelis verlängert wurde und mit ihm nicht. Und wir Brasilianer sind sehr stolze Menschen.

Das konnte man vernehmen, als sich Lucio nach seinem Siegtreffer im Confed-Cup-Finale zum 3:2 gegen die USA äußerte. Auf Gerüchte aus München angesprochen, der FC Bayern plane nicht mehr mit ihm, sprach er davon, dass dies ein Schock sei, er nachts im Hotelzimmer geweint habe und nur Gott wüsste, was er mitgemacht habe.

Das darf man nicht zu ernst nehmen. Wir Brasilianer sind so, gerade bei der Nationalelf. Wenn du dort bist - das habe ich zum Glück ja auch miterleben dürfen - lastet ein gewaltiger Druck dieses ganzen Fußball-verrückten Landes auf Dir. Du musst immer gewinnen. Und Lucio ist Kapitän, also mit verantwortlich dafür.

Aber Druck kennt er doch – vom FC Bayern.

Dazu kam noch etwas: Er hat die ganze Saison durchgespielt, danach WM-Quali und Confed-Cup, er war wieder über Wochen von der Familie getrennt. Da kann man mal so emotional werden. Ich hoffe, dass er sich besinnt und im Urlaub erkennt, dass trotz der Angebote der FC Bayern das Beste für ihn ist. Und dann wird er sich mit van Gaal besprechen und spielen. Es gibt keinen besseren als Lucio auf der Position in der Bundesliga.

Interview: Patrick Strasser

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