„Ein Unding!“ Hoeneß kontra Holland – und van Bommel

Bayerns Kapitän kehrt vom Nationalteam verletzt zurück. Der Präsident will Geld vom Verband – und ärgert sich über den Spieler.
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Spielte am Dienstag trotz seiner Knieprobleme 72 Minuten mit vollem Einsatz für die Niederlande gegen Schweden: Bayern-Kapitän Mark van Bommel
dpa Spielte am Dienstag trotz seiner Knieprobleme 72 Minuten mit vollem Einsatz für die Niederlande gegen Schweden: Bayern-Kapitän Mark van Bommel

MÜNCHEN - Bayerns Kapitän kehrt vom Nationalteam verletzt zurück. Der Präsident will Geld vom Verband – und ärgert sich über den Spieler.

Eigentlich war Uli Hoeneß zum „Jugendwirtschaftsgipfel" gekommen, um mit Schülern über gesellschaftliche und ökonomische Grundordnungen zu diskutieren, was er mit Wirtschaftsminister Martin Zeil, dem BMW-Vorstand Harald Krüger und 70 Jugendlichen im Sitzungssaal des Bayerischen Rundfunks fast zwei Stunden lang auch gewohnt engagiert tat.

Danach jedoch ging es wieder um den FC Bayern – und vor allem um den Ausfall von Mark van Bommel (siehe unten). So ärgerte sich der Bayern-Präsident mal wieder über den holländischen Fußballverband, der den offenbar angeschlagenen Bayern-Kapitän Mark van Bommel am Dienstag ins Spiel gegen Schweden geschickt hatte. Für Hoeneß hat diese ständig wiederkehrende Verletzungsproblematik – der Verletzungsfall Arjen Robben harrt einer (juristischen) Klärung – aber grundlegenden Charakter.

So sprach der Bayern-Präsident über:

Die Abstellungspflicht für Nationalspieler: „Wir haben jetzt den 13. Oktober, der FC Bayern hat sieben Bundesligaspiele gemacht und es wurden fünf Länderspiele absolviert – das ist ein Unding! Man ist ja noch gar nicht drin in der Saison. Ich war immer dafür, dass die Nationalmannschaft ihren Anteil bekommt, aber die Verhältnismäßigkeit zwischen National- und Vereinsmannschaften ist in einem totalen Missverhältnis."

Den Ärger mit dem holländischen Fußballverband:„Diese teilweise unverschämten Haltungen von verschiedenen Verbandsfunktionären sind völlig unangebracht. Ohne Details im Fall van Bommel zu kennen, hätte ich erwartet, dass man aus holländischer Sicht nach dem unvorstellbaren Vorgang Arjen Robben ganz kleine Brötchen backt und mal die Klappe hält anstatt jetzt wieder so aggressiv an den Fall ranzugehen. Wenn ich so einen unglaublichen Vorfall verursacht hätte, wie das die Holländer bei Robben nachweislich gemacht haben, würde ich eine Zeit lang mal etwas ruhig sein, mich in mein stilles Kämmerchen zurückziehen und mal nachdenken, welche Fehler ich gemacht habe."

Mark van Bommels Einsatz gegen Schweden: „Auch Mark van Bommel muss sich die Frage gefallen lassen, wer sein Arbeitgeber ist. Wenn er, wie er sagt, seit Wochen Knieprobleme hat, dann hätte man solche Länderspiele wie diese mal ausfallen lassen können. Der holländische Nationaltrainer hat 200 oder 300 Spieler zur Auswahl, der FC Bayern nur 20. Da muss man sich fragen: Von wem werde ich eigentlich bezahlt? Ich habe da in den letzten Jahren einen Trend erkennen können, dass die Spieler oft zuerst die Nationalmannschaft sehen und dann erst den Verein. Das kann ich nicht akzeptieren.“

Den Wettbewerbsvorteil der Konkurrenz: „Die Mainzer und die Vereine, die keine Nationalspieler stellen, lachen sich tot über uns und denken sich: Schön, dass die Bayern wieder mal ein paar Verletzte haben. Das sind Verhältnisse, die auf den Prüfstand gehören. Ich hoffe sehr, dass der Vorstand des FC Bayern Forderungen stellt, über den DFB oder die DFL. So kann es nicht weitergehen!“

Konsequenzen aus den Fällen Robben und van Bommel: „Wenn Mark van Bommel Schmerzen gehabt hat, hätte er gar nicht spielen dürfen. Wir haben im Fall Robben gerade schmerzhaft erlebt, was grobe Fahrlässigkeit bedeutet. Es geht ja nicht um die WM, sondern um Länderspiele für eine EM, von der man noch nicht weiß, ob sie in der Form stattfindet, wie sie geplant ist. Die Verhältnismäßigkeit stimmt hinten und vorne nicht, das ist ganz klar. Hier muss sich was ändern."

Mögliche Regelungen in der Zukunft: „In diesem Jahr waren 17 Länderspiele! Damit können sie (die Verbände, d. Red.) mir erst kommen, wenn sie die Spieler in der Zeit, in der sie sie haben, auch bezahlen. Dann hätten wir einen Schritt nach vorne gemacht. Sie haben ja nur Chancen und keine Risiken – und das hat im Leben noch nie funktioniert. Und die Spieler müssen lernen, zuerst an den Verein zu denken und dann an die Nationalmannschaft – alles andere ist eine Verkehrung der Welt."

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