Die Verantwortung beginnt zu Hause: Wie der FC Bayern gegen den Klimawandel kämpft

Der FC Bayern kämpft gegen den Klimawandel – zuerst in München, dann in Bayern, am Ende am liebsten in der ganzen Welt. Wie der Rekordmeister das macht, erklären zwei, die es wissen müssen.
Thomas Becker |
X
Sie haben den Artikel der Merkliste hinzugefügt.
zur Merkliste
Merken
0  Kommentare
lädt ... nicht eingeloggt
Teilen  AZ als Quelle bevorzugen
Ikonische Lichtinstallation außen, durchdachtes Umweltkonzept innen: Die Allianz Arena (Symbolbild).
Ikonische Lichtinstallation außen, durchdachtes Umweltkonzept innen: Die Allianz Arena (Symbolbild). © imago sportfotodienst

Es gibt Vereine, die ihre Ambitionen in Tabellenplätzen messen, und es gibt den FC Bayern, der sie neuerdings auch in Kilotonnen Kohlendioxid beziffert – wobei die Tabellenplätze, das sei der Vollständigkeit halber erwähnt, auch weiterhin gepflegt werden. Der Rekordmeister hat sich dem Kampf gegen den Klimawandel verschrieben, und zwar nach einer Formel, die so schlicht ist, dass man sie fast für eine Spielphilosophie halten könnte: Verantwortung beginnt zu Hause. In der Allianz Arena, an der Säbener Straße, auf dem Campus, bei den Fans, in der Stadt.

Zuständig für dieses gewaltige Themenfeld ist beim FC Bayern Rouven Kasper, Vorstand für Marketing und Vertrieb, ihm untersteht der Bereich Nachhaltigkeit; Denise Heinemann, Teamleiterin Nachhaltigkeit, steuert diesen Bereich seit 2022 operativ. Beide teilen die Grundüberzeugung, dass ein einzelner Akteur den Klimawandel nicht besiegen kann, auch nicht einer, der auf dem Rasen alle paar Jahre fast alles gewinnt. Den Klimawandel bekämpfe man nicht im Alleingang, und weil das auf Hochdeutsch ein bisschen nach Parteitag klingt, hat man dem Ganzen einen bayerischen Titel verpasst: "Mitnand". Miteinander.

Sportboss Max Eberl und Marketing-Chef Rouven Kasper.
Sportboss Max Eberl und Marketing-Chef Rouven Kasper. © IMAGO/Frank Hoermann/SVEN SIMON

FC Bayern geht Partnerschaft nur ein, wenn es zur Nachhaltigkeitsstrategie passt

Für Kasper ist "Mitnand" nicht bloß ein Etikett, das man aufs Briefpapier druckt, sondern die Strategie selbst. Gesellschaftliche und ökologische Verantwortung, so die Haltung des Vorstands, lasse sich am besten gemeinsam übernehmen, mit der Stadtgesellschaft, mit den Fans, mit Partnern, die zur eigenen Linie passen und nicht bloß zum eigenen Logo.

Ein Klub mit dieser Reichweite und mit diesen Emotionen, so Kaspers Überlegung, trage Themen über die Stadtgrenzen hinaus, die sonst im Kleingedruckten von Konferenzen versickern würden. Dass der FC Bayern dabei Partnerschaften nur eingehe, wenn Ausrichtung und Produkte zur Nachhaltigkeitsstrategie passten, sei kein Zufall, sondern Prinzip.

Lesen Sie auch

Heinemann kümmert sich seit 2022 um die Umsetzung

Während Kasper die große Linie zieht, kümmert sich Heinemann um das, was bei großen Linien gern unter den Tisch fällt: die Umsetzung. Seit sie 2022 die operative Steuerung übernommen hat, ist die Strategie ausgearbeitet und forciert worden, es gibt jährliche Nachhaltigkeitsberichte, und es gibt Schwerpunkte in den Feldern Soziales, Umwelt und Good Governance – ein Wort, das nach Unternehmensberatung klingt und dennoch etwas Handfestes meint: anständiges Wirtschaften.

Für die Nachhaltigkeit beim FC Bayern verantwortlich: Teamleiterin Denise Heinemann.
Für die Nachhaltigkeit beim FC Bayern verantwortlich: Teamleiterin Denise Heinemann. © FC Bayern

Heinemann verweist gern auf "Obacht", das gemeinsam mit der Südkurve München (aktive Fanszene) entwickelte Awareness-Konzept. Wer im Stadion, im SAP Garden oder in der BMW Welt Unwohlsein, Belästigung oder eine Gesundheitsgefahr erlebt, bekommt sofort Hilfe von den Awareness-Teams.

Allianz Arena ist seit 2006 nach dem EU-Umweltmanagementsystem EMAS zertifiziert

Am anschaulichsten wird die Sache dort, wo der Verein am wenigsten ausweichen kann, nämlich im eigenen Stadion. Die Allianz Arena, 2025 auch schon 20 Jahre alt geworden und damit im besten Fußballeralter für Vertragsverlängerungen, ist seit 2006 nach dem EU-Umweltmanagementsystem EMAS zertifiziert. Unter Jürgen Muth, versteht sich, dem Managing Director der Allianz Arena. Das war fast 16 Jahre, bevor die Bundesliga das Thema Nachhaltigkeit in ihre Lizenzierungsordnung schrieb.

Jährlich während der Bayerische Klimawoche leutet die Allianz Arena in den bayerischen Klimastreifen.
Jährlich während der Bayerische Klimawoche leutet die Allianz Arena in den bayerischen Klimastreifen. © Allianz Arena/B. Ducke

Seit 2015 gehören der FC Bayern und die Allianz Arena München Stadion GmbH der Bayerischen Klima-Allianz an, die 2004 von der Staatsregierung gemeinsam mit dem BUND Naturschutz gegründet wurde. Ein Bündnis, in dem sich bemerkenswerterweise Behörden und Umweltverband auf dasselbe Ziel einigen konnten. Beim Staatsempfang der Allianz 2024 und jährlich während der Bayerischen Klimawoche leuchtete die Arena in den bayerischen Klimastreifen, die von Blau zu Rot die Erwärmung im Freistaat zeigen und die, anders als ein Wintertransfer, keiner Erläuterung bedürfen.

FC Bayern organisierte zur Munich Climate Week neun Führungen durch das Stadion

Zur Munich Climate Week 2026 organisierte der Klub gemeinsam mit der Allianz neun Führungen durch das Stadion, um zu zeigen, wie sich die EMAS-Zertifizierung seit 2006 halten ließ. Dafür muss man jedes Jahr aufs Neue nachweisen, dass die Umweltleistung besser geworden ist.

E-Ladestationen in der Allianz Arena.
E-Ladestationen in der Allianz Arena. © IMAGO/Bernd Feil/M.i.S.

Seit der Spielzeit 2022/2023 erscheint der Nachhaltigkeitsbericht, auf Deutsch, Englisch und in der sogenannten Leichten Sprache. Ursprünglich eine Pflichtübung der Lizenzierungsordnung, geht er inzwischen weit darüber hinaus, weil er jährlich erscheint und neben dem e.V. auch die Basketballer und den Frauenfußball einbezieht. Und er folgt dem Prinzip "München, über Bayern in die Welt". Das klingt nach Reiseprospekt, meint aber Rechenschaft über Fortschritte und Rückschläge.

Partnerschaft mit Viessmann Climate Solutions vorzeitig verlängert

Wie das konkret aussieht, zeigt die Partnerschaft mit Viessmann Climate Solutions, im Februar 2026 vorzeitig verlängert. Das Unternehmen gehört zum Konzern Carrier Global und installierte unter dem Dach der Arena bereits 19 "Booster"-Wärmepumpen. Sie sollen die Wärmeversorgung vom Gas auf erneuerbare Energien umstellen. Das Energiekonzept senkt die CO₂-Emissionen des Stadions beim Heizen um bis zu 40 Prozent. Weitere Systemlösungen sollen folgen.

Man kann all das für Imagepflege halten, und ein Teil davon ist es wohl. Aber ein Klub, der seit zwei Jahrzehnten ein Stadion nach EMAS betreibt, darf zumindest für sich beanspruchen, dass er früher angefangen hat als die meisten, die jetzt erst mal anfangen, darüber zu reden.

Lädt
Anmelden oder registrieren

Zum Login
Zu meinen Themen hinzufügen

Hinzufügen
Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten
Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen
Um "Meine AZ" nutzen zu können, müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen.

Zustimmen
 
Noch keine Kommentare vorhanden.
merken
Nicht mehr merken
X

Sie haben den Inhalt der Merkliste hinzugefügt.