Der Pep-Jupp-Hansi-Faktor: Was Nagelsmann mit seinen Vorgängern verbindet

Bayerns neuer Trainer Julian Nagelsmann sorgt für Aufbruchstimmung. "Das könnte richtig gut werden", sagt Uli Hoeneß. Die AZ erklärt, was der Coach mit seinen Vorgängern gemeinsam hat.
von  Maximilian Koch
Julian Nagelsmann an seinem neuen Arbeitsplatz, dem Trainingsgelände an der Säbener Straße.
Julian Nagelsmann an seinem neuen Arbeitsplatz, dem Trainingsgelände an der Säbener Straße. © imago/Philippe Ruiz

München - Schwungvoll und mit einem breiten Lächeln im Gesicht kommt Julian Nagelsmann (33) am Donnerstagvormittag um 11.01 Uhr aus der Kabine an der Säbener Straße, der Trainer des FC Bayern klatscht mit Eric Maxim Choupo-Moting (32) ab, spielt spontan einen Doppelpass mit Neuzugang Omar Richards (23) und begrüßt dann den Rest des Teams per Handschlag.

Überall sieht man gut gelaunte Spieler, obwohl das Training in dieser Phase der Vorbereitung besonders hart ist. Und der Münchner Sommer mal wieder ins Wasser fällt. Ein Beleg dafür, dass Nagelsmanns Art und seine Fußballphilosophie bestens ankommen. Genau das hatten sich die Bosse mit der Verpflichtung des gebürtigen Landsbergers gewünscht. "Ich spüre aktuell eine gewisse Aufbruchstimmung bei uns im Verein", sagte Ehrenpräsident Uli Hoeneß (69), der Nagelsmann schon bei sich am Tegernsee begrüßte, im Sport1-"Doppelpass": "Ich habe mich mit Julian Nagelsmann unterhalten und habe bei ihm ein richtig gutes Gefühl." Nach dem Abschied von Hansi Flick zum DFB sei es für die Münchner ein "Glückszustand", so Hoeneß weiter, "dass Nagelsmann ein echter Bayern-Fan ist, das könnte richtig gut werden."

Detailversessenheit erinnert an Guardiola 

Auch deshalb, weil der Coach viele positive Eigenschaften seiner Vorgänger beim FC Bayern vereint. Die AZ gibt einen Überblick.

Der Pep-Faktor: Immer wieder kann man beobachten, wie Nagelsmann während der Trainingseinheiten Spielformen unterbricht und taktische Korrekturen vornimmt. Die weiße Taktiktafel mit den roten und blauen Punkten ist stets dabei, neben Nagelsmann erklärt den Stars auch Co-Trainer Dino Toppmöller (40) Spielzüge.

Taktisch versiert bis versessen: Pep Guardiola (Archivbild)
Taktisch versiert bis versessen: Pep Guardiola (Archivbild) © picture alliance/dpa/PA Wire

Diese Detailversessenheit erinnert stark an Pep Guardiola (50), der zwischen 2013 und 2016 zweimal mit Bayern das Double gewann und taktische Maßstäbe setzte. Wie der Katalane ändert Nagelsmann teilweise mehrmals im Spiel die Formation seiner Mannschaft. "Ich finde, dass eine gewisse Variabilität einfach wichtig ist, dass wir auch mal anpassen können", sagte Nagelsmann bei Sky: "Das hat aber auch damit zu tun, dass man vielleicht auch mal auf Verletzungen reagieren muss oder auf Belastungszeiten."

Nagelsmann, der früher mal den Spitznamen "Baby-Mourinho" verpasst bekam, ist in Wahrheit eher ein kleiner Pep.

Mit Heynckes per Du

Der Jupp-Faktor: Im Januar 2018 trafen Nagelsmann und Legende Jupp Heynckes (76) sogar noch direkt aufeinander, Bayern gewann damals 5:2 gegen Hoffenheim. Der junge Coach durfte München aber trotzdem zufrieden verlassen, denn Heynckes hatte ihm das Du angeboten. "Jetzt darf ich Jupp sagen. Vorm Spiel habe ich ihn noch gesiezt", berichtete Nagelsmann lächelnd.

Der Triple-Trainer Jupp Heynckes mit den gewonnen Pokalen der Saison 2012/2013. (Archivbild)
Der Triple-Trainer Jupp Heynckes mit den gewonnen Pokalen der Saison 2012/2013. (Archivbild) © Marc Müller/dpa

In puncto Menschenführung ist Heynckes ein Vorbild für viele Fußball-Lehrer, Nagelsmann macht da keine Ausnahme. "Es sind beides tolle Trainer", sagte Sandro Wagner (33) einmal, der Stürmer spielte sowohl unter Heynckes als auch unter Nagelsmann. Der neue Bayern-Coach sei ein "Riesentalent", Heynckes aufgrund seiner Erfahrung jedoch "noch mal ein anderes Kaliber". Dennoch: Nagelsmann weiß schon jetzt, wie er Teams hinter sich bringt, sie zu Einheiten formt.

Hat auch Nagelsmann Flicks Auge für Jungstars?

Der Hansi-Faktor: Wie Bayerns Sextuple-Trainer Hansi Flick (56), der beispielsweise die Talente Alphonso Davies (20) und Jamal Musiala (18) zu Topspielern formte, hat auch Nagelsmann ein besonderes Auge für Jungstars mit Potenzial. Dank seines Alters findet er zudem einen guten Zugang zu den Nachwuchskräften.

Hansi Flick löste seinen Vertrag beim FC Bayern vorzeitig auf. (Archivbild)
Hansi Flick löste seinen Vertrag beim FC Bayern vorzeitig auf. (Archivbild) © IMAGO / Sven Simon

Und bei Bayern wird die Jugendarbeit aufgrund der wirtschaftlichen Auswirkungen der Corona-Pandemie nun wichtiger denn je. Nagelsmann solle "jüngere Spieler entwickeln und Spieler nach vorne bringen, die wir bis jetzt nicht so am Schirm haben", sagte etwa Vorstandschef Oliver Kahn (52). Teure Transfers sind aktuell nicht mehr möglich, dafür müssten erst Spieler verkauft werden.

Nagelsmann akzeptiert das, er fordert öffentlich keine Verstärkungen. Und das unterscheidet ihn von Flick. "Die Halbwertszeit eines Spielers ist ein bisschen länger als bei einem Trainer", sagte Nagelsmann über die Kaderplanung: "Den Hut sollte der Verein aufhaben." Sportvorstand Hasan Salihamidzic (44) wird's freuen.