"Das hat nichts mit Fußball zu tun": Beckenbauers Wutrede vor 25 Jahren entfachte Feuer
Der Franz. Er war und ist: der Kaiser. In jeder Sekunde, mit jeder Phase. Franz Beckenbauer (†78) war ein Mensch, der andere mit charmanten Worten zerlegen konnte, der selbst dann sein Herz öffnete und Zuhörer zum Lachen bringen konnte, wenn die Wut in ihm kochte.
Eines der besten Beispiele: Des Kaisers legendäre Wutrede von Lyon, die an diesem Samstag auf den Tag genau 25 Jahre her ist. Der Tatort: Der Salon "Tête d’Or" des Hilton Hotels von Lyon. Die Tatzeit: Kurz nach Mitternacht, man schrieb bereits den 7. März 2001.
Der Tathergang: Beckenbauer, damals Präsident seiner Bayern, hielt vor rund 500 Edelfans und Vereinssponsoren sowie vor versammelter Mannschaft samt Trainer- und Betreuerstab auf dem Bankett eine Rede. Im Stehen - mit dem Rücken zur Mannschaft und Chefcoach Ottmar Hitzfeld.
FC Bayern blamiert sich in Lyon und bringt Beckenbauer zur Weißglut
Der Anlass: Wenige Stunden zuvor waren Oliver Kahn, Stefan Effenberg & Co. in der Champions-League-Zwischenrunde, der zweiten Gruppenphase, die es damals noch gab, mit 0:3 bei Olympique Lyon untergegangen. Es drohte das vorzeitige Aus.
Lyons Stürmer Sidney Govou nahm damals die Abwehr um Andersson, Linke und Kuffour mit zwei Treffern und einer Vorlage auseinander. Für Torhüter Kahn in der Erinnerung "eine der schrecklichsten Niederlagen meiner Karriere, weil wir richtig vorgeführt wurden". Erst auf dem Platz, dann beim traditionellen Mitternachtsdinner im Teamhotel. Gestandene Profis stocherten bei des Kaisers Schelte mit hängenden Köpfen auf ihren Tellern herum, wie Schuljungen, die erwischt wurden, nachdem sie eine Fensterscheibe im Hof eingeschossen hatten.
Die 240-sekündige, bitterböse Franz-Rede ist bis heute unvergessen. Ein kurzer Auszug, das "Best of Beckenbauer". "Das war heute eine Blamage. So, wie wir gespielt haben. Das hat nichts mit Fußball zu tun. Das ist eine andere Sportart, die wir spielen. Bordeaux. . . äh, Bordeaux, sage ich schon. Lyon hat Fußball gespielt, wir haben nicht Fußball gespielt. Das war. . .. wir haben zugeschaut, wir haben körperlos gespielt - das ist nicht Fußball! Das ist Uwe-Seeler-Traditionsmannschaft, Altherrenfußball. Tut mir leid, wenn ich das so sagen muss. Das ist so!" Und: "In Zukunft könnt ihr das nicht machen, sonst müssen wir uns alle einen anderen Beruf suchen, das ist vielleicht gescheiter."
Beckenbauers Wutrede rüttelte die FC-Bayern-Mannschaft auf
Er habe die Mannschaft mit seiner "Spontan-Aktion wachrütteln" wollen, erklärte Beckenbauer später und betonte: "Ottmar wollte ich überhaupt nicht angreifen." Seine Kritik an den Spielern hielt er für "berechtigt", nur "die Wortwahl würde ich mir heute noch mal überlegen". Nun ja.
Die Reaktionen? "Genau in dem Moment haben wir uns gedacht: So, und jetzt zeigen wir’s dem Franz. Nun wollen wir erst recht ins Finale", sagte Stefan Effenberg. Wenig später schlug man Arsenal mit 1:0, kam doch ins Viertelfinale, schaltete dann Manchester United sowie Real Madrid aus, wurde im Mai Champions-League-Sieger. "Gar nicht übel für eine Altherrenmannschaft", raunte Effe. Seitdem gilt Lyon als Auslöser des Triumphs. Erst die Wutrede, dann die Wutkicks.

Geburtstagsgratulation an Jeremies sorgt für unangenehmen Moment
Zurück zum Anfang: Wer musste bei dieser Wutrede lachen? Hat am Ende etwa einer der Gelackmeierten geklatscht? "Es gibt auch noch was Erfreulicheres", begann Beckenbauer das letzte Kapitel seiner Ansprache und sagte: "Gestern hat der Jens Jeremies Geburtstag gehabt. Herzlichen Glückwunsch nachträglich!" Eine Person klatschte unverzüglich. Als keiner mitmachte, verstummte der Solo-Applaus. Blöd gelaufen für Jubilar Jeremies.
Der Kaiser lobte noch rasch die französische Polizei für die Eskorte ("Vielen Dank für die super Betreuung, sehr schön!") und sprach Sternekoch Schuhbeck persönlich seinen Dank aus: "Alfons, du auch mit deiner Truppe." Des Kaisers süß-saures Fazit: "Also, bis auf das Spiel war das eigentlich ein schöner Ausflug." Nun überkam es einige wenige, sie mussten lachen.
Beckenbauer schloss: "Schönen Abend noch, und wir sehen uns dann morgen in alter Frische beim Rückflug. Vielen Dank!" Und danke Franz, für diese Sternstunde der Historie des FC Bayern.
