"Da wurde ich ein bisschen aggressiv": Bei Pavlovic brennen die Sicherungen durch

Irgendwann ist auch bei einem wie ihm, bei der "Maschine, die läuft, die tut, die macht" wie ihn Sportvorstand Max Eberl nannte, mal der Akku leer. Na ja, fast. Natürlich hätte Bayerns Mittelfeldspieler Aleksandar Pavlović im DFB-Pokal-Viertelfinale gegen RB Leipzig auch bis zum Ende durchgemacht. Doch Trainer Vincent Kompany gönnte der Passmaschine Aleks ab der 80. Minute eine kleine Pause.
Erstens, weil der 21-Jährige von den neun Pflichtspielen der Bayern sämtliche, also alle Neune, von Beginn an bestritten hat und nur ein weiteres Mal (beim 8:1 gegen Wolfsburg am 11. Januar) nicht ganz durchspielte. Und zweitens, weil Pavlovic eine Gelbe Karte gesehen hatte und bei Gelb-Rot fürs Halbfinale gesperrt worden wäre.
"Das darf mir so nicht passieren"
Die Verwarnung sah der gebürtige Münchner nicht kurz vor der Pause für sein doch sehr hartes Einsteigen bzw. Reinrutschen mit offener Sohle gegen Leipzigs Flügelstürmer Yan Diomande – hätte er aber. Nein, Gelb gab es dann nach einer Rudelbildung in der 69. Minute, die RB-Mittelfeldspieler Nicolas Seiwald mit einem übertriebenen Schubser gegen den kurz zuvor eingewechselten Jamal Musiala ausgelöst hatte.
Da sah Pavlovic Rot (vor dem inneren Auge) und knöpfte sich den Übeltäter vor, was Romulo Cardoso, den Brasilianer der Gäste, zur Gegenwehr provozierte. Plötzlich lag viel Testosteron in der Luft. "Da wurde ich ein bisschen aggressiv", gab Pavlovic auf AZ-Nachfrage dazu und schob sofort entschuldigend hinterher: "Das darf mir so nicht passieren, das gebe ich ehrlich zu. Aber Emotionen gehören einfach zum Fußball dazu."
Kimmich redete lautstark auf Pavlovic ein
Um sich zu rechtfertigen, wiederholte Pavlovic den Grund für die Handgreiflichkeiten: "Jamal wurde unnötig und ungerecht geschubst und dann wurde ich ein bisschen sauer."
Dann schnappte sich Vize-Kapitän Joshua Kimmich seinen Nebenmann auf der Sechser-Position, zog ihn aus der Situation heraus und schüttelte ihn mit den Armen sowie laustarken Worten durch. "Sei clever!", habe ihn Kimmich angeschrien, so Pavlovic. Und Vincent Kompany? "Der Trainer sagt uns immer, dass wir klug und ruhig bleiben sollen – was ich eigentlich auch immer bleibe. Aber in diesem Moment ..." Er musste ein wenig über sich lachen.

Jamal Musiala genießt besonderen Schutzstatus
Lag der Adrenalin-Ausstoß daran, dass das Opfer des Schubsers nicht irgendein Spieler war, sondern eben Musiala, der sich im Juli letzten Jahres bei der Klub-WM in den USA so schwer verletzt hatte (Wadenbeinbruch samt Sprunggelenksluxation) und sich über quälende Monate in der Reha zurückkämpfen musste? Eben der Spielmacher, der wie es kürzlich Abwehrchef Jonathan Tah ausdrückte, "einfach unser Bambi ist".
Bambi Jamal genießt besonderen Schutzstatus. Deshalb griff Polizist Pavlovic ein, bekräftigte jedoch: "Ich würde für jeden von uns so reingehen, aber in der Situation war es Jamal."