Cubayern: So organisieren sich die Fans des FC Bayern München in der Karibik

Auf Kuba schlagen fast alle Herzen für den Nationalsport Baseball. Doch es gibt auch Abtrünnige: Kubaner, die mit den Stars des FC Bayern fiebern und bei ihren Treffen neben Trikots und bayerischen Fahne auch schon mal Seppl-Hüte tragen.
| dpa
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Mit Fahne am Start: Kubanische Bayern-Fans in einer Bar in Havanna.
Guillermo Nova/dpa Mit Fahne am Start: Kubanische Bayern-Fans in einer Bar in Havanna.

Havanna - Sie sind eine kleine Minderheit auf der Karibikinsel Kuba, wo Sportbegeisterte vor allem dem Baseball frönen. Doch langsam aber sicher bahnen sich die "Cubayern", wie die Anhänger der Fußballstars von Bayern München genannt werden, ihren Weg. Hoch im Kurs dieser karibischen Fans stehen unter anderen Robert Lewandoswki, Thomas Müller, Arjen Robben oder auch Torhüter Manuel Neuer.

Auf den Heckscheiben so mancher Lada-Autos aus vergangenen Zeiten prangt der Bayern-Aufkleber. "Der Biss, den Bayern (München) hat, stellt den deutschen Fußballstil dar, den die Menschen in der Bundesliga sehen wollen", sagt Bryan Vega, der Präsident des - im November 2014 gegründeten - Fanclubs.


Bryan Vega, Vorsitzender des Bayern-Fanclubs "Cubayern" in Havanna. Foto: Guillermo Nova/dpa

Binnen drei Jahren hat "Cubayern" in Havanna fast 200 Mitglieder gewinnen können. Doch auch in anderen Städten der Karibikinsel wie etwa Granma, Holguín, Las Tunas oder Pinar del Río gibt es eingefleischte Bayern-Fans.

Die Begeisterung für den deutschen Fußball auf der Karibikinsel hat dabei gar nichts mit Kubanern zu tun, die vor Jahrzehnten in das damalige, sogenannte sozialistische Bruderland DDR zum Studieren oder Arbeiten gekommen waren. "Die Bayern-Fans sind junge Männer, die den deutschen Fußball wegen des Teamgeistes toll finden und nicht wegen der Leistung Einzelner", betont der "Cubayern"-Präsident.

Daniella Rius: "Das ist nicht nur was für Männer"

Aber auch Frauen finden sich in den Reihen der Bayern-Fans und strafen das karibische Macho-Klischee Lügen. "Mir gefällt Fußball, seit ich in der Grundschule war, das ist nicht nur was für Männer", sagt etwa Daniella Rius. Sie wird nicht müde, auch andere Mädchen und Frauen als Bayern-Fans zu gewinnen.

"Alte Hasen" gibt es ebenfalls unter den karibischen Bayern-Fans. Dazu gehört etwa der 50-jährige Mario Velázquez, der der Mannschaft schon seit den 1980er Jahren treu ist. Als Anerkennung seiner langjährigen Bayern-Begeisterung nennen die Anderen ihn "El Káiser" (Der Kaiser) - immerhin der Spitzname des mythischen Franz Beckenbauer. Das Ass, mit dem Vega neue Mitglieder für seinen Klub umwirbt, ist der Siegeswille von Lewandowski und Co.

"Bayern ist eine Mannschaft mit großen Spielern, die immer um den Síeg kämpfen. Sie haben immer den Willen zu siegen und sind sehr respektvoll sowohl auf dem Feld als auch außerhalb", betont er. Die "Cubayern" folgen dabei nicht nur mit Leidenschaft der Bayern-Elf. Auch fiebern sie mit anderen deutschen Mannschaften, etwa bei Spielen der Champions League. "In der Bundesliga sind wir (als Bayern-Fans) Rivalen, doch in Europa nicht."


Kubanische Bayern-Fans feuern ihre Mannschaft in einer Bar in Havanna an. Foto: Guillermo Nova/dpa

Onel Hernández einer für den FC Bayern?

In einem Land, in dem Baseball nicht nur Nationalsport ist, sondern auch als Teil der kubanischen Identität gesehen wird, hat es der Fußball nicht leicht. Noch vor einigen Jahren mussten die Fans in die Bars der Hotels gehen, um Spiele von Real Madrid, Paris Saint-Germain oder Borussia Dortmund sehen zu können.

Doch mittlerweile überträgt das kubanische Staatsfernsehen die Spiele der wichtigsten europäischen Ligen sogar live. Hinzu kommen Spiele der Champions und der Europa League. "Der deutsche Fußball bekommt immer mehr Platz im kubanischen Fernsehen", sagt der deutschen Botschafter in Havanna, Thomas Neisinger. Die kubanische Passion für den deutschen Fußball an sich kann er nur bestätigen.

Kürzlich lud das deutsche Außenministerium vier kubanische Sportjournalisten nach Deutschland ein, die über die Bundesliga berichten. Auf dem Programm standen eine Tour durch mehrere Städte und der Besuch einer Partie zwischen Borussia Dortmund und dem FC Bayern.

"Wir haben aus erster Hand erfahren, wie man in dieser Nation den Fußball managt", erzählt Aynel Martínez. "Die Sportpolitik des Landes (Kuba) hat Verträge im Ausland begünstigt", beobachtet der Sportreporter, der für die Kolumne "Goles son amores" (Tore sind Liebschaften) der Webseite Cubadebate schreibt. "Allerdings hat dies nicht dazu geführt, dass die Spieler in die höchsten Ligen wechseln".

Auch deshalb träumen nicht wenige Bayern-Fans auf Kuba davon, einmal ihren Landsmann Onel Hernández im Trikot des Münchener Klubs zu sehen. Der 24-Jährige war mit seiner Familie im Alter von sechs Jahren nach Deutschland gekommen. Aktuell spielt er in der 2. Bundesliga für Eintracht Braunschweig.

Lesen Sie hier: Fitness-Area der Bayern: Hier schuftet keiner mehr

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