Champions League oder nix? - Guardiola hat noch eine Kugel

Das Rückspiel gegen Atlético Madrid ist das bisher wichtigste für Trainer Pep Guardiola in seiner zu Ende gehenden Zeit beim FC Bayern. Wird er als Triumphator gehen - oder als Unvollendeter?
| SID
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Pep Guardiola: Der Bayern-Trainer blickt dem Showdown im Halbfinale der Champions League gegen Atlético Madrid entgegen.
GES/augenklick Pep Guardiola: Der Bayern-Trainer blickt dem Showdown im Halbfinale der Champions League gegen Atlético Madrid entgegen.

München - Es gibt diese Momente, in denen Pep Guardiola von einer Sekunde auf die andere aus seiner Welt ausbricht. In denen seine Augen funkeln, in denen er den Rücken durchdrückt, in denen er sich seinen Emotionen ergibt. In denen er dann ein bisschen die Kontrolle zu verlieren scheint. Momente wie jenen am vergangenen Freitag, als er sich in die Enge getrieben und in seiner Ehre als Trainer verletzt sah. Als könne er nicht verstehen, dass ihn jemand nicht versteht.

Es ging noch einmal um die Mannschaft, die Guardiola da im Halbfinal-Hinspiel der Champions League gegen Atlético Madrid (0:1) auf das Spielfeld geschickt hatte, eine Mannschaft ohne Thomas Müller und Franck Ribéry. "Es war eine rein taktische Entscheidung. Ich spiele lieber mit einem Stürmer", erklärte er noch einmal, ach ja, und außerdem: "Meine Erfahrungen mit zwei Stürmern sind nicht gut." Das war dann ein Verweis auf die Halbfinal-Spiele 2015 und 2014. Ergebnis: bekannt.

"Wenn es nicht klappt, dann könnt ihr mich killen."

Diesmal aber beließ es Guardiola nicht nur bei der Erklärung, er gab sich plötzlich (streit)lustig, so, als wolle er diese Sache mal eben wie unter Halbstarken auf dem Schulhof regeln. "Jeder killt mich", sagte er, "aber ich bin noch nicht tot", nein!, "Ich habe noch eine Kugel." Noch gibt es ein Rückspiel. Und wenn es da "nicht klappt, dann könnt ihr mich killen".

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All das stieß Guardiola in einem deutsch-englischen Kauderwelsch hervor, was zeigt, wie wenig überlegt diese Worte waren. Je weiter der sonst so scheue, oft in sich gekehrte, in seinen Gedanken versunkene und disziplinierte Guardiola an diesem Tag aus seiner Welt herauskam, umso deutlicher wurde, wie groß seine Zuversicht vor dem Rückspiel ist. Er scherzte, er lachte - und gespielt wirkte das alles nicht. Wenn ihm die Worte auf die Schnelle eingefallen wären, hätte er auch sagen können: Leute, nun haltet doch mal die Klappe und lasst mich machen. Ich weiß schon, was ich tue.

Nur die Champions League wird dem FC Bayern gerecht

Weiß er das? Selbstverständlich weiß Guardiola, was auf dem Spiel steht am Dienstag im Rückspiel gegen Atlético (20.45 Uhr/ZDF und Sky, Liveticker auf az-muenchen.de) - für ihn, für den FC Bayern. Er weiß, dass es nicht reicht, die Münchner zur vierten deutschen Meisterschaft nacheinander zu führen. Das mag ja historisch sein, aber es ist eben nicht das Endspiel der Champions League. Geschweige denn der wichtigste Titel im Klubfußball und somit, logisch, auch der einzige, der dem Selbstverständnis des FC Bayern gerecht wird.

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Es wäre zweifelsohne ein Makel: Er, Guardiola, ist gekommen, um den FC Bayern zur Nummer eins in Europa, ach was, der Welt zu machen. Und was geschieht? Scheidet zweimal im Halbfinale der Champions League aus. Erst gegen Real Madrid - kläglich. Dann gegen den FC Barcelona - ernüchternd, aber danach fragt ja keiner mehr. Und nun diese eigenartige Aufstellung in Madrid. "Ich wollte die Tür aufhalten für das zweite Spiel", erläuterte Guarduiola.

Die Tür zum Finale, die Tür für einen großen Abgang ist noch nicht zu. Aber sperrangelweit offen steht sie auch nicht.

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