Bundesliga-Topspiel: FC Bayern München gegen RB Leipzig

Die vier Topteams der Bundesliga stehen bereits am vorletzten Spieltag fest. Ex-Bayern-Profi Helmer analysiert für die AZ die Lage bei dem Quartett. "Leipzigs Saison ist überwältigend für alle dort".
| Julian Buhl
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Bayern gegen leipzig - Erster gegen Zweiter. Ein Topspiel ohne viel sportliche Bedeutung. Schaffen es die Teams trotzdem nochmal aus dem Partymodus?
dpa/AZ Bayern gegen leipzig - Erster gegen Zweiter. Ein Topspiel ohne viel sportliche Bedeutung. Schaffen es die Teams trotzdem nochmal aus dem Partymodus?

München - Bayern gegen Leipzig. In der Hinrunde war diese Begegnung noch der Showdown um die Tabellenführung. Jetzt, wo die beiden Kontrahenten am vorletzten Spieltag erneut aufeinandertreffen, ist es nur noch auf dem Papier ein Topspiel. "Es ist zwar das Duell Erster gegen Zweiter, hat aber nur noch wenig Bedeutung", sagt Ex-Bayern-Profi Thomas Helmer. Die Münchner stehen bereits als Meister fest, RB Leipzig ist Platz zwei nicht mehr zu nehmen.

Einige RB-Profis feierten die Qualifikation für die Champions League am Wochenende sogar mit einem Kurztrip nach Mallorca. Fraglich, ob es Leipzig für das Bayernspiel noch mal raus aus dem Partymodus schafft. "Ich hätte Verständnis, wenn Sie das nicht hinbekommen würden. Denn die Saison ist überwältigend für alle dort", sagt Helmer, der bei Sport1 unter anderem den "Volkswagen Doppelpass" (So., 11 Uhr) moderiert. "Von daher ist es vielleicht gut, dass es in dem Spiel um nichts mehr geht. Dann kommt auch keiner auf die Idee der Wettbewerbsverzerrung."

Mit Leipzig und Hoffenheim stehen nun gleich zwei Teams mit großen Geldgebern im Hintergrund ganz oben in der Tabelle. "Sie haben das Geld auch einfach besser eingesetzt als andere", sagt Helmer und nennt Schalke und Leverkusen als Gegenbeispiele. Als "eine ganz komische Geschichte", bezeichnet der 52-Jährige die Diskussionen um Thomas Tuchel bei seinem Ex-Klub Dortmund. Für die AZ macht er den Check der vier Topteams.

FC Bayern: Bei den Bayern ist aufgrund des bevorstehenden Umbruchs vom Ende ihrer Dominanz die Rede. So dramatisch sehe ich das nicht. Sie haben ja nicht nur alte Spieler. Bisher hat der Trainer aber nicht so auf die Jungen gesetzt. Bei Kimmich sagt mir mein Gefühl, dass Ancelotti ihn nicht unbedingt als rechten Verteidiger sieht. Das große Problem ist nach wie vor, dass es keinen Backup für Lewandowski gibt.

Das Aus im Champions-League-Viertelfinale hört sich grausam an. Aber Real war einfach einen Tick besser und glücklicher. Und im Pokalhalbfinale haben die Dortmunder auch endlich mal gezeigt, was sie drauf haben. Was mich beunruhigt, ist, dass Bayern nicht mehr richtig zulegen konnte – nicht spielerisch, sondern körperlich. So eine kleine Delle gab es immer mal. Das kann auch eine Chance sein, man wird wieder etwas wacher, muss in allen Bereichen zulegen.

Dass sich Bayern auf der Suche nach einem neuen Sportdirektor so schwertut, hätte ich nicht gedacht. Sie hatten sich offenbar sehr auf ein, zwei Personen fokussiert und die Kandidaten dahinter gab es bisher nicht. Ich stimme Stefan Effenberg da zu. Wenn man ein Angebot vom FC Bayern bekommt, als Sportdirektor dort anzufangen, um in diesen Bereich reinzuwachsen, würde sich das jeder ernsthaft überlegen. Das ist für jeden, auch für Philipp Lahm, eine große Auszeichnung.

RB Leipzig: Man hat immer gedacht, Leipzig bekommt noch eine Delle im Saisonverlauf. Aber gerade dann haben sie immer wieder die Kurve bekommen. Erfahrungsgemäß ist das zweite Jahr schon schwieriger und die Gegner kennt Leipzig jetzt auch besser. Es wird nicht so einfach für sie, aber wenn sie sich auf der ein oder anderen Position noch verstärken, haben sie auf jeden Fall das Potenzial, Bayern weiter zu ärgern.

Das Ziel war ja sowieso, irgendwann mal Champions League zu spielen. Das ging jetzt nur alles viel schneller, als sie gedacht hätten. Jetzt kommen die üblichen Sachen: Ist der Kader schon breit genug aufgestellt für eine Mehrfachbelastung? Leidet die Liga unter den Highlightspielen in der Champions League. Das muss Leipzig jetzt alles erst mal erlernen. Deshalb sehe ich Leipzig zwar weiter im oberen Bereich, im Moment Dortmund vom Potenzial her aber noch davor. Ralph Hasenhüttl hat bisher überall super Arbeit geleistet. Das fing in Aalen an und war auch in Ingolstadt so. Er ist ein Toptrainer und auch als Typ gut, hat eine klare Meinung und Linie. Und er harmoniert sehr gut mit Ralf Rangnick.

Borussia Dortmund: Die Dortmunder haben bereits einen Umbruch eingeleitet – allerdings nicht ganz freiwillig, weil sie mit Gündogan, Hummels und Mkhitaryan gleich drei Leistungsträger verloren hatten. Aber einen Dembélé hätten ja auch andere entdecken können. In der Offensive sind sie jedenfalls brutal stark.

Was momentan in Dortmund passiert, wirkt allerdings alles ein bisschen unnötig. Man dachte eigentlich, dass Bombenattentat hätte den Verein noch mehr zusammengeschweißt. Sportlich haben sie toll darauf reagiert, Bayern im Pokalhalbfinale geschlagen, Hoffenheim im Duell um Platz drei. Ich weiß nicht, warum man unnötigerweise da mit den Diskussionen um Thomas Tuchel jetzt schon ein solches Fass aufmacht. Das hätte man nach der Saison immer noch tun können, wenn es Disharmonien gibt.

Jetzt werden schon potenzielle Nachfolger diskutiert. Aus seinem Umfeld weiß ich, dass er gerne bleiben und verlängern würde. Also scheint es eher auf der anderen Seite Unzufriedenheit zu geben. Dabei hat Tuchel die beste Bilanz aller BVB-Trainer: Einen Punkteschnitt von 2,1 und mit Dortmund seit ewigen Zeiten kein Heimspiel mehr verloren. Von daher ist das Ganze echt ein bisschen ungerecht. Man hört aber auch immer wieder, dass es in der Mannschaft ein wenig rumort. Wenn sich das anhäuft, dann muss der Verein irgendwann etwas unternehmen.

TSG Hoffenheim: Sie haben gerade einmal vier Spiele in dieser Saison verloren – jeweils mit 1:2. Das zeigt, wie schwer diese Mannschaft zu besiegen ist. Sie haben gute Transfers getätigt, beispielsweise mit Hübner oder Demirbay. Und Julian Nagelsmann hat seine Jungs als jüngste Trainer der Bundesliga weiterentwickelt und verbessert. Mit Süle und Rudy verlieren sie jetzt zwei wichtige Spieler. Die zu ersetzen, wird eine große Aufgabe.

Den Verantwortlichen des FC Bayern, wohin die beiden ja wechseln, ist also auch aufgefallen, dass in Hoffenheim guter Fußball gespielt wird. Die Transfers machen auf jeden Fall Sinn. Süle ist jung, groß, schnell, kopfballstark. Einen vierten Innenverteidiger im Kader zu haben, ist absolut richtig. Bei Rudy hat sicher auch seine Flexibilität eine Rolle gespielt. Nagelsmann wird bereits als möglicher zukünftiger Bayerntrainer gehandelt. Wenn man seine Arbeit sieht, ist das natürlich auch vorstellbar. Ich finde es klug von ihm, dass er erst mal in Hoffenheim bleiben will. Er weiß, was er im Moment an Hoffenheim hat und er hat noch alle Zeit der Welt.

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