Bundesliga kurios: Ort ohne Bahnhof empfängt Milliardenteam

Schaut man auf die Bundesliga-Tabelle, ist es das absolute Spitzenspiel an diesem Wochenende. Schaut man auf alle anderen Indikatoren, ist die Begegnung zwischen Aufsteiger SV Elversberg und Dauermeister FC Bayern München eines der ungleichsten Duelle in den 63 Jahren Bundesliga-Geschichte seit 1963.
Am Sonntag (17.30 Uhr/DAZN) treffen im Stadion an der Kaiserlinde zwei Welten aufeinander. Das kleine Spiesen-Elversberg mit einer Bundesliga-Siegquote von 100 Prozent und zwei Erfolgen zum Start in die Saison.
Und der große Primus FC Bayern, der der kompletten nationalen Konkurrenz in den vergangenen Jahren enteilt ist und nur noch in Europa Mitbewerber auf Augenhöhe hat - nach einem 0:0 auf Schalke aber in der Tabelle trotzdem hinter dem Fußball-Underdog aus dem Saarland steht.
Königsklasse vs. Regionalliga
Vor wenigen Wochen dürfte Vincent Wagner - abgesehen von eingefleischten Fußball-Fans - kaum jemand ge- oder erkannt haben. Der Trainer der SV Elversberg arbeitet mit seinen Senkrechtstartern aber daran, diesen Umstand zu ändern. Wagners Karriere als Aktiver war in höchstem Maße unspektakulär: Über die Regionalliga kam der 40-Jährige nicht hinaus, weshalb er sich früh dem Trainerjob widmete.
Sein Münchner Gegenpart Vincent Kompany hat dagegen auf Weltklasse-Niveau gespielt. Kompany lief für den Hamburger SV auf und spielte über ein Jahrzehnt beim englischen Topclub Manchester City. Für das belgische Nationalteam absolvierte er 89 Länderspiele - in beiden Teams war er jahrelang Kapitän.
Kaderwert
Das Starensemble von Trainer Kompany ist derzeit nach einer Schätzung des Fachportals Transfermarkt etwas mehr als eine Milliarde wert. Angeführt wird das Team in dieser Hinsicht von Michael Olise (170 Millionen Euro), Jamal Musiala (100) und Aleksandar Pavlovic (90).
Elversberg hat die Aufstiegsmannschaft nicht groß verstärkt - erst recht nicht mit berühmten Namen. Die 58 Millionen Euro Kader-Marktwert entsprechen etwa dem, was Bayern-Talent Lennart Karl alleine wert ist.
Doch das Konzept mit jungen Spielern und schnellem Umschaltfußball geht auf, wie die überraschenden Siege gegen Bayer Leverkusen (3:2) und bei Borussia Mönchengladbach (4:3 nach 1:3-Rückstand) zeigten. "Das ist einfach nur ein Bonus-Spiel", sagte Elversbergs Kapitän Lukas Pinckert zum Duell mit Bayern.
Stadion
Die zur WM 2006 erbaute Allianz Arena ist eines der modernsten und größten Stadien Europas. Das Stadion im Münchner Norden war schon Austragungsort für ein WM-Eröffnungsspiel, ein EM-Eröffnungsspiel und mehrere Champions-League-Finals. Die Kapazität wurde schrittweise von 66.000 auf 75.000 Plätze erhöht. Das Stadion ist seit über 20 Jahren ausverkauft, wenn die Bayern Heimspiel haben.
Die Arena im Saarland ist derzeit eine Baustelle und wird erst nach dem Ausbau der Nordtribüne mit 15.500 Plätzen den Bundesliga-Vorgaben entsprechen. Elversbergs sportlicher Aufstieg ging so schnell, dass der Verein mit den Bauvorhaben gar nicht hinterherkam.
Aktuell ist das Stadion deshalb eine Baustelle, auf der nur 9.307 Zuschauer Platz finden. Vor solchen Kulissen spielt Bayern selten. Selbst Amateurclubs in den ersten Runden des DFB-Pokals weichen häufig in deutlich größere Stadien aus.
Infrastruktur
Der Münchner Hauptbahnhof ist einer der größten in ganz Europa. Mehr als 30 Gleise führen in die entfernten Metropolen in Deutschland, ins bayerische Umland sowie unter anderem in die Nachbarländer Österreich, Italien, die Schweiz oder Frankreich. Dazu gibt es in der Millionenstadt mehrere S- und U-Bahn-Linien, die durch die Millionenstadt führen.
Und in Spiesen-Elversberg? In der Gemeinde mit rund 10.000 Einwohnern steht das derzeit einzige Bundesliga-Stadion ohne einen eigenen Bahnhof. Als die Spielvereinigung im Mai 2025 zur Relegation gegen den 1. FC Heidenheim antrat, scherzte die Bahn mit einem Foto zu einem einzigen roten Zug-Waggon und schrieb: "Unser Sonderzeug für die Relegationsspiele."
Wer mit öffentlichen Verkehrsmitteln von Spiesen-Elversberg zum Beispiel nach München will, muss zunächst mit dem Bus ins rund sechs Kilometer entfernte St. Ingbert und kann von dort mit dem Regionalzug weiter Richtung Mannheim.