Brenos Rückkehr an die Säbener

Erstmals darf Breno das Gefängnis verlassen. Die AZ hat ihn bei seinem Freigang begleitet. Das Protokoll des Tages, die Antworten auf die fünf wichtigsten Fragen.
| Florian Bogner
X
Sie haben den Artikel der Merkliste hinzugefügt.
zur Merkliste
Merken
0  Kommentare Empfehlungen

Erstmals darf der Fußballer Breno das Gefängnis verlassen. Die AZ hat ihn bei seinem Freigang in der Obhut des FC Bayern begleitet. Das Protokoll des Tages, die Antworten auf die fünf wichtigsten Fragen.

München - Es dauert einen Moment, bis ein Lächeln über Brenos Gesicht huscht. Als der Brasilianer seinen ersten Tag als Freigänger in Obhut des FC Bayern antritt, wirkt er erleichtert, aber auch nervös, unsicher. Um 10.02 Uhr tritt er vor die Öffentlichkeit, sein hellblaues Hemd ist zwei Knöpfe aufgeknöpft.

"Mir geht’s jetzt besser. 13 Monate im Gefängnis waren ganz hart für mich", sagt der Ex-Bayern-Profi, der im September 2011 im depressiven Alkoholwahn seine Mietvilla in Grünwald angezündet hatte und im Juli 2012 wegen schwerer Brandstiftung zu drei Jahren und neun Monaten verurteilt worden war.

Seit Montag darf der Brasilianer vormittags bei Bayern mitarbeiten. Um 8.58 Uhr fährt Breno im Auto von Nachwuchszentrum-Chef Wolfgang Dremmler vor, um 12.57 Uhr geht es zurück. So haben es die Justizvollzugsanstalt München-Stadelheim, die Staatsanwaltschaft und Vereinspräsident Uli Hoeneß, der Breno bei seinem ersten Auftritt zur Seite steht, vereinbart – "ein Schimmer an Chance, den wir ihm eröffnen wollen", sagt Hoeneß.

Der 23-Jährige sagt: "Ich habe viel gelernt im Gefängnis. Ein bisschen bin ich ein anderer Mensch." Seine Familie – Frau Renata und die drei Kinder – sowie viele Gebete haben ihn durch die schwarzen Monate geführt, berichtet er.

An seinem ersten Tag wird Breno durch das Nachwuchsleistungszentrum und die Geschäftsstelle geführt, isst mit Dremmler und U21-Nationaltrainer Horst Hrubesch, der Bayern einen Besuch abstattete, zu Mittag. Was er bei Bayern machen darf, wie Brenos Zukunft aussieht – die AZ beantwortet die wichtigsten fünf Fragen.

WAS MACHT ER BEI BAYERN?

Der 23-Jährige soll in Dremmlers Büro mitarbeiten, gehört zudem offiziell zum Trainerstab der zweiten Mannschaft. Er darf dort mittrainieren, damit er nach seiner Haftstrafe vielleicht wieder als Fußball-Profi arbeiten kann. "Mit meinem Knie habe ich Gott sei Dank keine Probleme mehr", sagt Breno, der in Stadelheim viermal die Woche in den Kraftraum und manchmal mit anderen Häftlingen "zum Spaß" im Freien kicken durfte.

WELCHE AUFLAGEN HAT ER?

Breno darf als Freigänger nur für fünf Stunden pro Tag an die Säbener Straße. Die Justizvollzugsanstalt erlaubt das "mit Blick auf die besondere Ausnahmesituation eines inhaftierten Profisportlers und das kurze Zeitfenster, in dem ein Profisportler in seinem erlernten Beruf tätig werden kann". Was er bei Bayern macht, muss täglich protokolliert werden. Dremmler ist Bezugs- und Vertrauensperson. "Breno muss versuchen, den Kopf von dieser Knastmythologie frei zu kriegen", sagt er. "Wenn wir schaffen, dass er wieder ein freier, lachender Mensch wird, ist das ein ganz großer Schritt." Hoeneß ist optimistisch: "Ich denke, er wird sich draußen genauso tadellos verhalten, wie die letzten Monate im Gefängnis."

WIE SIEHT BRENOS TAG AUS?

Dremmler holt ihn morgens gegen 8.30 Uhr in Stadelheim ab und bringt ihn gegen 13 Uhr zurück. Dazwischen wird Breno in Dremmlers Büro helfen und voraussichtlich ab Dienstag bei den U23-Trainings unter Trainer Erik ten Hag mitmachen. "Ich bin überzeugt, dass er sich auf dem Platz am wohlsten fühlt", sagt Dremmler.

WIRD BRENO WIEDER FÜR BAYERN SPIELEN?

Eher nicht. Für die U23 hat er als Nicht-EU-Ausländer keine Spielberechtigung. Nach Ablauf seiner Haftstrafe wird Breno laut Hoeneß "höchstwahrscheinlich" nach Brasilien abgeschoben. "Er bekommt die Möglichkeit, sich körperlich fit für die Zeit danach zu machen", sagt Hoeneß. Ob er als Straftäter je wieder eine Arbeitserlaubnis in Europa erhält, ist fraglich. Bei seinem Heimatklub FC Sao Paulo hat er symbolisch einen Vertrag bis 2015 erhalten. Hoeneß: "Als die Leute von Sao Paulo beim Audi-Cup hier waren, haben sie uns bestätigt, dass sie großes Interesse haben, ihn irgendwann wieder zu begrüßen." Breno: "Wieder zu spielen, ist mein Traum."

WIE GEHT ES WEITER?

Dremmler würde Breno gerne bald schon für acht Stunden pro Tag in den Arbeitsalltag integrieren. "Vielleicht kann er in zwei, drei Monaten schon von morgens bis abends Freigänger sein und auch die Wochenenden bei seiner Familie verbringen", hofft Hoeneß. Brenos Haftstrafe geht offiziell bis April 2016 – bei bestem Verlauf kann jedoch das letzte Drittel zur Bewährung ausgesetzt werden. Dann wäre Breno im Januar 2015 frei. Hoeneß: "Ich bin überzeugt, dass er alle Möglichkeiten bietet, um eine möglichst kurze Haftstrafe zu haben."

Lädt
Anmelden oder registrieren

Zum Login
Zu meinen Themen hinzufügen

Hinzufügen
Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten
Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen
Um "Meine AZ" nutzen zu können, müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen.

Zustimmen
Teilen 0  Kommentare – mitdiskutieren Empfehlungen
0 Kommentare
Artikel kommentieren