Bleibt Niko Kovac titellos? Parallele zu Jupp Heynckes macht Hoffnung

Die Ergebniskrise beim FC Bayern ist vorbei, trotzdem könnte es eine Saison ohne wichtigen Titel für Niko Kovac werden. Die hatte auch sein Vorgänger Jupp Heynckes 1987/88 in München. Im Anschluss wurde der Kader umgebaut und die Meisterschaft geholt.
| Patrick Strasser
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2. Jupp! Jupp! Jupp! Bereits in der Hinrunde überholt Heynckes als Ancelotti-Nachfolger auf Rettermission die Dortmunder, steuert souverän und ungefährdet im Frühjahr auf die sechste Meisterschaft hintereinander zu. Auf dem Weg demontiert man den BVB mit 6:0 und holt am 29. Spieltag (7. April) mit dem 4:1 in Augsburg die 28. Schale der Vereinsgeschichte – dank "Jupp! Jupp! Jupp!"
imago/Sven Simon 2. Jupp! Jupp! Jupp! Bereits in der Hinrunde überholt Heynckes als Ancelotti-Nachfolger auf Rettermission die Dortmunder, steuert souverän und ungefährdet im Frühjahr auf die sechste Meisterschaft hintereinander zu. Auf dem Weg demontiert man den BVB mit 6:0 und holt am 29. Spieltag (7. April) mit dem 4:1 in Augsburg die 28. Schale der Vereinsgeschichte – dank "Jupp! Jupp! Jupp!"

München - Lange hatte der Rentner geschwiegen, das Leben auf seinem Ruhesitz am Niederrhein genossen. Ende November sendete jener weise Mann schöne Grüße an seinen Nachfolger. Natürlich wollte Jupp Heynckes (73) dem 26 Jahre jüngeren Niko Kovac das Leben als Bayern-Trainer nicht noch schwerer machen, dafür ist Heynckes zu sehr Gentleman. Im Gegenteil. Er machte seine Mannschaft, die er bis Mai betreut hatte, für die Herbst-Krise des Abo-Meisters verantwortlich.

"Da kommt ein junger Trainer und will die Welt einreißen", sagte Heynckes über Kovac und verriet: "Niko hat es nicht einfach in München. Es gibt liebe Jungs dort und Diven, und dann sind da noch die schweren Verletzungen von wichtigen Spielern. Da türmt sich ein Berg von Problemen auf." Zu hoch für einen jungen Gipfelstürmertrainer?

Neues Spielsystem löste Kovacs Probleme - vorerst

Nur dank einer System- und Philosophie-Umstellung und der daraus resultierenden Mini-Serie überstand Kovac, die Kompromisslösung der Bosse, die Ergebniskrise vorerst – immerhin. Doch die Kratzer lassen sich nicht wegwischen. Im Jahr des Umbruchs knirschte und krachte es im Gebälk, Bayern hatte Rücken.

Das Gerüst, die überalterte Mannschaft mit den Helden der Vergangenheit, ist porös, ehemalige Träger wie die Flügel-Oldies Arjen Robben und Franck Ribéry befinden sich auf ihrer letzten Schleife. Die Bosse plagten arge Kopfschmerzen mit Bauchmensch Kovac. Die Behandlungsmethode: Augen zu und durch.

Lesen Sie dazu: Der nächste Oldie geht - Rafinha vor Abschied beim FC Bayern

Mit Heynckes war die Champions League wieder greifbar nah

Rückblick: Im Mai hatten die Bayern-Profis, die "lieben Jungs und Diven", ihre Vaterfigur mit den heilenden Händen verloren. Dr. Jupp, im Oktober 2017 zurückgekehrt, lehrte die Mannschaft in seinem achtmonatigen "Freundschaftsdienst" Werte wie Anstand, Respekt, Höflichkeit und setzte auf Fleiß sowie akribisches, detailversessenes Arbeiten. Der Kader wurde wieder zur Mannschaft und zahlte zurück.

Man überholte Tabellenführer Dortmund, deklassierte den BVB in der Rückrunde gar mit 6:0 und fuhr die sechste Meisterschaft hintereinander souverän ein.

Dank Heynckes' feiner Menschenführung fehlte selbst in der Champions League am Ende nur ein Tor, um in den Duellen mit Real Madrid (1:2/2:2) das Finale zu erreichen. Dies gelang im DFB-Pokal durch ein furioses 6:2 in Leverkusen.

2. Jupp! Jupp! Jupp! Bereits in der Hinrunde überholt Heynckes als Ancelotti-Nachfolger auf Rettermission die Dortmunder, steuert souverän und ungefährdet im Frühjahr auf die sechste Meisterschaft hintereinander zu. Auf dem Weg demontiert man den BVB mit 6:0 und holt am 29. Spieltag (7. April) mit dem 4:1 in Augsburg die 28. Schale der Vereinsgeschichte – dank "Jupp! Jupp! Jupp!"
2. Jupp! Jupp! Jupp! Bereits in der Hinrunde überholt Heynckes als Ancelotti-Nachfolger auf Rettermission die Dortmunder, steuert souverän und ungefährdet im Frühjahr auf die sechste Meisterschaft hintereinander zu. Auf dem Weg demontiert man den BVB mit 6:0 und holt am 29. Spieltag (7. April) mit dem 4:1 in Augsburg die 28. Schale der Vereinsgeschichte – dank "Jupp! Jupp! Jupp!" © imago/Sven Simon

Kovac kam als Gewinner

Das Endspiel gegen Eintracht Frankfurt mit Kovac, dem designierten Bayern-Coach, sollte Heynckes letzter Triumph werden. Weil man sich vom Schock des K.o. gegen Real nicht berappeln konnte, vergeigten seine Jungs ihrem Jupp den Abschied nach 53 Jahren Profifußball – 1:3, ausgekontert und überrumpelt vom Kovac-Fußball.

In München redete man sich die Pokalpleite schön. So komme Kovac als Sieger an die Isar, mit "einer Kerbe im Colt", wie er bei seiner Präsentation Anfang Juli selbst sagte. (Lesen Sie auch: Niko Kovac kündigt Dortmund )

Der gute Start hielt nicht an

Der Respekt der Kabine war ihm sicher – anfangs. Kovac ließ die Stars schwitzen, setzte auf Trainingsfleiß und Disziplin. Die Bosse feierten ihre Entscheidung pro Kovac, den gemeinsamen Nenner, nachdem Uli Hoeneß seinen Kumpel Jupp vergeblich zum Bleiben gedrängt hatte. Karl-Heinz Rummenigges Favorit Thomas Tuchel sprang von der Warmhalteplatte und unterschrieb bei Paris Saint-Germain.

Mit Kovac gelangen – auch ohne millionenschwere Neuzugänge – vom Start weg sieben Siege. Er ließ rotieren, um alle Stars mit Einsatzzeiten zu beglücken, alles im rosaroten Bereich. Ende September gärte es im Kader, unzufriedene Stars mutierten zu Maulwürfen, die Interna an die Öffentlichkeit brachten. Die Balance der Mannschaft geriet außer Kontrolle, die Fliehkräfte hätten Kovac beinahe aus der Bahn geworfen.

Heynckes blieb im ersten Jahr titellos

Der Trainer auf Abruf, zwischenzeitlich von Hoeneß für nur ein Spiel im Amt bestätigt, berief sich auf Heynckes' Kniffe. Er schaffte die Rotation ab, setzte auf mehr Stabilität im Spielaufbau, installierte eine Doppelsechs vor der Abwehr. Plötzlich juppte es wieder. 2019 wird sich zeigen, ob Kovac genügend Rückhalt besitzt, um seine erste Saison zu überstehen. (Lesen Sie dazu: Hinrunden-Zeugnis der Bayern-Defensive)

Apropos Geduld: Heynckes kam 1987 als Nachfolger des großen Udo Lattek nach München, blieb im Debütjahr titellos. Er baute die Mannschaft um, wurde mit frischem Personal 1989 Meister. Für Sommer 2019 haben die Bosse eine Transferoffensive angekündigt – darf Kovac davon profitieren?

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