Bischof ist der Anti-Karl – zusammen erinnern die Bayern-Youngster an zwei Legenden

Natürlich war Lennart Karl auch am Freitagvormittag wieder eines der Gesprächsthemen an der Säbener Straße. Und Christoph Freund, Bayerns Sportdirektor, nutzte die Gelegenheit der Pressekonferenz, um ein Plädoyer für den 18-jährigen FCB-Nachwuchsstar zu halten.
"Lenny ist ein anderer Typ als andere junge Spieler", sagte er: "Aber wir wollen ja ganz gerne auch Typen haben. Er ist frech. Auf gut Deutsch: Er scheißt sich nichts. Er macht Tore, die andere nicht machen. Er ist mutig – und außerhalb des Platzes ist er ein bisschen anders als andere. Das gehört auch dazu."
Beim FC Bayern war zuletzt die Karl-Debatte entbrannt
Bayerns Vereinspatron Uli Hoeneß hatte ihm zuletzt zu mehr "Demut" geraten. Zwischen Karls Berater Michael Ballack und den Bayern-Bossen war es zu einem Disput gekommen. Nach dem bemerkenswerten 2:0 der Münchner bei Atlético Madrid wurde danach intensiv über Karls Torjubel diskutiert, über diese Geste: "Redet ihr nur!"
Das tat jetzt Freund, er nahm den Offensivspieler in Schutz: "Die Basis ist immer, dass er hart arbeitet, das besprechen wir auch immer wieder mit Lenny. Daher bin ich sehr positiv, dass er sich in den nächsten Wochen und Monaten weiter belohnen wird und auf dem Platz seine Antworten gibt. Wir wissen, was wir an Lenny haben."

Und an seinem Kumpel, an Tom Bischof, den Anti-Karl. Der Typ perfekter Schwiegersohn. Mit feinem Gesicht, jedoch keinen Ecken und Kanten. Und mit etwas feinerem Gespür für eine geschicktere Öffentlichkeitsarbeit.
Karl ist ein komplett anderer Typ als Bischof
Der Teenager Karl ist extrovertiert, kommt als verletzter Profi ganz in Pink (der Ausstatter Nike gilt auch noch als Hauptkonkurrent zum Bayern-Ausrüster Adidas) zu einem Champions-League-Heimspiel, zu dem die Fans des Rekordmeisters aufgerufen hatten, dass bitte schön alle in Rot kommen. Karl zeigt sich gerne, provoziert – ob bewusst oder unabsichtlich. In der Realität und im Netz. Gemeinsam mit Zoe, seiner Freundin, einem Model.
Was keineswegs zu verteufeln ist. Der Fußball braucht Typen, die zur Marke werden. Macken? Gerne! Die Dosis macht die Musik. Bischof dagegen gibt sich eher introvertiert und zurückhaltend. Auch was die Inszenierung in den Sozialen Medien mit seiner Freundin Josefine, der Tochter der Bayern-Legende Mehmet Scholl, einer Influencerin, betrifft. Weniger ist mehr.

Jürgen Klopp stellte in den letzten beiden seiner bisher vier Länderspiele in der Verantwortung als Bundestrainer zweimal das Duo Aleksandar Pavlović und Bischof auf. Viele Beobachter hatten Bischof nach seiner Debüt-Saison als Kader-Kandidat für die WM in Nordamerika gesehen. Doch Julian Nagelsmann nahm fürs Mittelfeld lieber Pascal Groß (35) mit – eine verpasste Chance: für Bischof und den mittlerweile Ex-Bundestrainer.
Bischof und Karl könnten zu prägenden Bayern-Gesichtern werden
Der aktuelle berief beide, Bischof und Karl, in den Kader für die anstehenden Nations-League-Spiele am Freitag nächster Woche in Belgrad gegen Serbien und drei Tage darauf in Berlin gegen die Niederlande. Plus Mittelfeld-Platzhirsch Joshua Kimmich.
Bischof kam in Amorbach, im unterfränkischen Landkreis Miltenberg, zur Welt – und damit nur rund 80 Kilometer entfernt von Karls Geburtsort Frammersbach, im unterfränkischen Landkreis Main-Spessart. Zwei Bayern, zwei Welten.
Bischof und Karl trennen nicht nur drei Jahre an Lebensalter. Und gerade, weil sie so unterschiedlich sind – auf und neben dem Platz – können die beiden in den kommenden Jahren zu den prägenden Figuren des FC Bayern werden.

Wie einst der junge Uli Hoeneß und der junge Paul Breitner. Anfang der 70er Jahre kamen sie zum FC Bayern, posierten 1973 freizügig in Badehosen vor einem Oldtimer für einen Münchner Herrenausstatter. Das Duo prägte den Verein – mit Unterbrechungen verschiedenster Natur – über Jahrzehnte. Dass sie gänzlich verschiedene Typen sind? Geschenkt! Dass sie im Auftreten und in der Außendarstellung völlig anders daherkamen und sich in schwierigen Zeiten auch mal ganz deftig die Meinung geigten? Umso besser!
Die Mischung macht’s, Reibung erzeugt Energie.