Bewerbung aus Dubai: Müller sieht sich als Löws Joker
So deutlich hat sich Bayerns Jungstar Thomas Müller noch nie beim Bundestrainer ins Gespräch gebracht. In Dubai bewirbt er sich bei Joachim Löw. „Ich würde gerne zur WM“, sagt er unverblümt.
DUBAI Verheiratet ist Thomas Müller schon seit mehr als einem Monat. Aber auf die Flitterwochen muss seine Frau Lisa weiter warten. Statt weit wegzufahren, hat das junge Ehepaar Müller Weihnachten lieber bei den Familien im Oberland verbracht. Noch nicht mal für einen kurzen Trip zum Skifahren hat's gereicht. „Ich habe mich einfach zu spät darum gekümmert", sagt der erste Teil der zwei 20-jährigen Vorrundenentdeckungen der Bayern.
Gerade weil sich Müller so unverzichtbar gemacht hat bei Trainer Louis van Gaal, ist der Terminplan voll. Die Flitterwochen müssen warten, bis nach der kirchlichen Trauung, der „großen Hochzeit", wie Müller sagt. Die soll „vor, während oder nach der WM“ stattfinden. Am liebsten natürlich: danach. Schließlich will Müller mitfahren nach Südafrika. „Wenn ein junger Spieler nicht sagen würde, dass er gerne dabei wäre, dann wäre er ganz schön blöd, denke ich“, sagt Müller. Also sagt er unverblümt: „Ich würde gerne zur WM.“ So deutlich hat Müller dies noch nie gesagt: In Dubai bewirbt er sich bei Bundestrainer Joachim Löw.
Müller hofft, er fordert nicht. Er ist erst 20, erst seit einem halben Jahr Stammspieler in der Bundesliga. Einen WM-Platz zu fordern wäre nicht mehr nur frech, sondern unverschämt. Aber dass er Bundestrainer Joachim Löw und dem DFB-Team helfen könnte, das glaubt Müller schon. Und er erklärt sogar, wie - als Joker. „Ich kann frischen Wind in ein Spiel bringen, wenn das Spiel stockend verläuft. Meine Spielweise ist nicht immer auffällig, aber ich denke, dass ich immer ein Gefahrenherd bin auf dem Platz“, sagt er. Beim FC Bayern hat er das hinlänglich bewiesen. Fünf Tore hat er in der Hinrunde in der Bundesliga erzielt. Diese Quote will er ausbauen. „Ich mache mir wegen der Nationalmannschaft keinen Stress. Wichtiger ist die Entwicklung im Verein“, meint er. Darum macht es ihn auch nicht nervös, dass Löw sich bei ihm nicht mehr gemeldet hat nach seinem verhinderten Nationalelfsdebüt im November.
So weit wie Müller war Holger Badstuber im DFB-Team noch nicht. Der 20-Jährige, den van Gaal während der Hinrunde vom Innen- zum Linksverteidiger umschulte, spielt seit kurzem in der U 21. Auf die Idee, ihn für die A-Nationalmannschaft zu nominieren, scheint Löw noch nicht gekommen zu sein. Dennoch träumt Badstuber, genauso wie Müller, von der WM. „Ich muss im Verein Gas geben, alles andere habe ich nicht in der Hand. Das müssen andere entscheiden“, meint er. Einen Sommerurlaub hat er aber noch nicht gebucht. Man weiß ja nie. Filippo Cataldo