Beckenbauer: Nerlinger soll Hoeneß beerben

Franz Beckenbauer (63), scheidender Aufsichtsratschef des FC Bayern, glaubt, dass sein Nachfolger dem Vorstand gehörig Stress machen wird.
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Haben Spaß zusammen: Franz Beckenbauer (r.) und Uli Hoeneß.
dpa Haben Spaß zusammen: Franz Beckenbauer (r.) und Uli Hoeneß.

MÜNCHEN - Franz Beckenbauer (63), scheidender Aufsichtsratschef des FC Bayern, glaubt, dass sein Nachfolger dem Vorstand gehörig Stress machen wird.

Die Ämter werden weniger, die Freizeit wird mehr: Franz Beckenbauer geht in sein letztes Jahr als Aufsichtsratschef des FC Bayern. Im November wird ihn Uli Hoeneß, der als Manager aufhört, ablösen. Dann wird der 63-Jährige noch mehr Zeit haben, um seine Kinder Joel (8) und Francesca (5) in die Schule oder zum Kindergarten zu bringen. Nur seinen Job in der Fifa-Exekutive wird er behalten. „Ich mache das alles nur noch, weil es mir Spaß macht“, sagt er. Im „Hamburger Abendblatt“ spricht Beckenbauer über:

Lukas Podolski: „Er wollte unbedingt zurück nach Köln. Ich bedauere, dass er uns verlässt. Ich denke, er hat vielleicht zu früh bei den Bayern aufgegeben. Aber gegen den FC Bayern zieht sich jeder Gegner zurück. Entsprechend eng sind die Räume. Und es ist nicht unbedingt Podolskis Stärke sich da zu behaupten. In der Nationalmannschaft hat er in der Regel viel mehr Platz, den er für sein Spiel benötigt. Vielleicht hätte er sich doch noch durchgesetzt (beim FC Bayern, d. Red.). Das nötige Talent hat er.“

Jürgen Klinsmann: „Am Anfang war es schwer. Auch die Fans waren kritisch, haben Ottmar Hitzfeld noch gefeiert. Wir wussten zwar, dass der Ottmar ein hohes Ansehen genießt, aber dass er so populär ist, hätten wir auch nicht gedacht. Zum Glück hat Jürgen jetzt aber die Kurve gekriegt.“

Klinsmanns Ausbau des Trainerstabs: „Das tat uns finanziell schon weh. Aber jetzt sehen wir die Erfolge. Die Mannschaft ist physisch enorm stark. Am Anfang haben wir die Spiele in der Schlussphase noch verloren. Jetzt gewinnen wir sie in den letzten Minuten. Die Mannschaft geht 90 Minuten volles Tempo. Ich bin überzeugt, dass wir eine exzellente Rückrunde spielen werden.“

Uli Hoeneß’ Abschied als Manager: „Er wird uns ja erhalten bleiben. Ich habe ja auch gelesen, dass er das Amt des Aufsichtsratschefs aktiver ausüben will als ich. Da wird der Vorstand künftig nicht zu beneiden sein. Wir haben dem Vorstand in der Tat völlige freie Hand gelassen. Weil wir wussten, dass dort seriös gearbeitet wird. Der Vorstand ist nie total ins Risiko gegangen.“

Die Hoeneß-Nachfolge: „Ein Mann allein kann die Aufgabe nicht schultern. Den rein sportlichen Teil könnte vielleicht Christian Nerlinger übernehmen, der als Bindeglied zwischen Vorstand und Mannschaft schon jetzt einen exzellenten Job macht. Uli wünsche ich, dass er bald die Spiele von der Tribüne genießen kann. Derzeit sieht er von der Bank ja fast nur die Grasnarbe.“

Die Finanzkrise: „Zugegeben, der Einschnitt ist schmerzlich. Aber diese Krise bietet auch eine Chance. Es ist doch ein Wahnsinn, was da in den letzten Jahren abgelaufen ist. Für Durchschnittsspieler wurden irrwitzige Ablösesummen und Gehälter bezahlt. Geld spielte keine Rolle mehr, weil sich milliardenschwere Klubeigner alles leisten konnten. Wenn sich das alles wieder auf ein Normalmaß einspielen sollte, würde ich das sehr begrüßen. Der ganze Finanzmarkt war doch nur noch eine einzige Spekulation. Da werden Sportwetten verboten, aber Zockereien, die die ganze Welt fast in den Abgrund stürzen, sind legal. Das darf alles nicht wahr sein.“

Seine finanziellen Verluste: „Ich bin zum Glück kein Zocker. In den vergangenen vier Jahrzehnten habe ich ja ganz gut verdient. Da ist schon was hängen geblieben. Aber ich habe es nach guter Kaufmannstradition angelegt. In Grundstücken, Immobilien und natürlich auch Teile in Aktien. Da bin ich bei den Verlusten natürlich auch dabei.“

Seine neue Gelassenheit: „Das hängt mit der Aufgabe zusammen. Wenn Sie als Trainer arbeiten oder Sie eine WM nach Deutschland holen sollen, haben sie eine hohe persönliche Verantwortung. Da explodiert man mal eher, wenn irgendwas nicht läuft.“

Seinen Rückzug als Aufsichtsratschef: „Als Fan werde ich dem Verein verbunden bleiben. Und ich habe ja auch noch meine Tätigkeiten bei der Fifa als Mitglied des Exekutivkomitees.“

Seine Rolle bei der Fifa: „Ich freue mich da richtig drauf. Da sitzen dann 24 Kollegen aus 24 Ländern. Alle Kontinente sind vertreten. Für mich ist das wie bei den Vereinten Nationen. Wunderbar. Und so oft sind die Sitzungen ja nicht. Kein Vergleich mit dem Pensum vor der WM 2006. Da war ich bis zu 330 Tage im Jahr unterwegs. Das war die härteste Zeit meines Lebens.“

Seine Ambition, Fifa-Chef zu werden: „Keine Sorge, das mache ich nicht. Wenn ich ein solch bedeutendes Amt anstreben würde, hätte ich vor zwei Jahren Uefa-Präsident werden können. Das Selbstbewusstsein habe ich, dass man mich schon gewählt hätte. Wenn ich nicht so eine junge, wunderbare Familie hätte, hätte ich es vielleicht gemacht. Ich wollte ihr keinen Umzug in die Schweiz zumuten. Dafür genieße ich es zu sehr, meine kleinen Kinder aufwachsen zu sehen.“

Elternabende: „Was soll ich als achtfacher Großvater unter den jungen Burschen?“

Den Umgang seiner Kinder mit der Popularität des Vaters: „Mein Kleiner fragt zwar ab und zu, warum wollen die Menschen Autogramme von Dir. Dann sage ich, dass ich früher mal Fußball gespielt habe. Dann ist es in Ordnung.“

Seine Pläne für 2019: „Oh Gott, dann bin ich 73, hoffentlich gesund und privat weiter so wunschlos glücklich wie derzeit. Mitreden im Fußball werde ich sicher auch noch.

Ausländerbeschränkungen im Fußball: „Ich bin für eine 6-plus- 5-Regel, wie sie in der Fifa angedacht wird. Also die Verpflichtung, sechs inländische Profis in der Startelf einzusetzen. Wir müssen versuchen, unserem Nachwuchs eine Chance zu geben. Sonst gucken die jungen Spieler bald nur noch mit dem Ofenrohr ins Gebirge."

Das WM-Land Südafrika: „Wir müssen diesem Kontinent eine Chance geben. In manchen Gegenden ist es dort sicherlich gefährlich, aber in einigen deutschen Stadtteilen möchte ich auch nicht in einer finsteren Nacht durch einsame Straßen gehen.“

Peter Wenig

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