Bayerns Berater-Blacklist: Wenn Hoeneß Ernst macht, ist für diese Agenten Schluss mit lustig

Die zähen Verhandlungen mit Dayot Upamecano wirken bei Uli Hoeneß noch immer nach. Der Ehrenpräsident des FC Bayern kündigt ein deutlich härteres Auftreten gegenüber Spieleragenten an und bringt sogar die Idee einer Berater-Blacklist ins Spiel. Diese Männer dürfen sich angesprochen fühlen.
von  Bernhard Lackner
Bayerns Ehrenpräsident Uli Hoeneß hat die Nase voll von gierigen Spielerberatern.
Bayerns Ehrenpräsident Uli Hoeneß hat die Nase voll von gierigen Spielerberatern. © IMAGO/Kirchner-Media

Uli Hoeneß reicht's! Die extrem zähen Vertragsverhandlungen mit Innenverteidiger Dayot Upamecano wirken beim Bayern-Patron noch immer nach. So sehr sogar, dass er für die Zukunft Konsequenzen ziehen will.

Fast ein Jahr lang hatten die Verantwortlichen mit dem französischen Abwehrspieler um einen neuen Vertrag gefeilscht. Obwohl ihm der Klub ein Top-Angebot unterbreitet und ihn in die Riege der Top-Verdiener befördern wollte, zögerte Upamecano auf Anraten seiner Berater bis zuletzt mit seiner Unterschrift. Erst als der Verein die Offerte schriftlich zurückzog, meldete sich der Spieler persönlich per Telefon bei Vorstandsboss Jan-Christian Dreesen und teilte ihm mit, dass er doch in München bleiben wolle.

Dayot Upamecano entschied sich nach zähen Verhandlungen für einen Verbleib beim FC Bayern.
Dayot Upamecano entschied sich nach zähen Verhandlungen für einen Verbleib beim FC Bayern. © IMAGO/Marco Steinbrenner/DeFodi Images

Künftig soll bei den Bayern nun Schluss sein mit derlei Spielchen. Die Verantwortlichen des FC Bayern werden es sich "nicht mehr gefallen lassen, dass Berater allein bestimmen, wie es läuft. Ihr Beitrag steht zunehmend in keinem Verhältnis mehr zur Honorierung, die aufgerufen und am Ende auch oft gezahlt wird", sagte Hoeneß im "Bild"-Interview.

Hoeneß kündigt Berater-Blacklist beim FC Bayern an

Ihm sei deswegen klar, dass das Wort Nein in Vertragsverhandlungen künftig von Vereinsseite häufiger fallen werde. "Wir werden vielleicht auch den ein oder anderen Berater – wenn er sich unfair verhält – auf eine Liste nehmen und ihm sagen, dass wir Spieler, die er vertritt, nicht mehr verpflichten werden", ergänzte der langjährige Erfolgs-Manager der Bayern: "Das wäre der nächste Schritt."

Gibt es bei den Bayern in Zukunft also eine Blacklist für Berater? Und wenn ja, welche Namen würden auf dieser stehen?

Die Upamecano-Berater haben zuletzt auch PSG brüskiert

Nun, Kandidaten gibt es da so einige, schließlich haben sich die Bayern und insbesondere über die Jahre hinweg immer wieder mit Spieleragenten gezofft. Besonders ungern wird man derzeit an der Säbener Straße die Namen Moussa Sissoko und Marco Lichtsteiner hören. Sie waren es, die Upamecano bei den jüngsten Vertragsverhandlungen vertreten und neben einem Top-Gehalt auch ein sattes Handgeld herausgeschlagen haben.

Sissoko und Lichtsteiner treten öffentlich kaum in Erscheinung und agieren lieber als Strippenzieher im Hintergrund. Beide haben in ihrem Portfolio zahlreiche französische Spieler – darunter pikanterweise auch Bayerns Sacha Boey, der im Winter zu Galatasaray verliehen wurde. Prominentester Klient ist Weltfußballer Ousmane Dembélé von Paris Saint-Germain.

Apropos: PSG haben Sissoko und Lichtsteiner vor kurzem auch erst zur Weißglut getrieben, auch in diesem Fall ging es ums liebe Geld. Für eine Verlängerung des frisch gebackenen Weltfußballers Dembélé soll das Duo eine Gehaltserhöhung von 18 auf 60 Millionen Euro (!) gefordert haben. Der aktuelle Champions-League-Sieger legte die Verhandlungen daraufhin brüskiert auf Eis. "Wir haben eine Gehaltsobergrenze. Niemand steht über dem Verein. Jeder weiß das und jeder muss es respektieren. Nicht um jeden Preis", stellte PSG-Präsident Nasser Al-Khelaifi klar.

Der aktuelle Weltfußballer Ousmane Dembélé.
Der aktuelle Weltfußballer Ousmane Dembélé. © IMAGO/Gao Jing

Ein weiterer Name, den Hoeneß wohl ganz weit oben auf die Berater-Blacklist setzen würde, ist der von Volker Struth. Der 59-Jährige ist einer der einflussreichsten Spielervermittler Europas und hatte auch schon häufiger mit den Bayern zu tun – einig wurde man sich nicht immer. 2012 etwa lotste Stuth den vom Rekordmeister heiß umworbenen Marco Reus von Gladbach nach Dortmund. Einige Jahre später fädelte er den Wechsel von Toni Kroos zu Real Madrid ein – nachdem die Gehaltsverhandlungen mit den Münchnern gescheitert waren. Auch Julian Nagelsmann, der im März 2023 bei den Bayern völlig überstürzt gefeuert wurde, wird von seiner Agentur "Sport360" vertreten.

"Da kam schon einiges zusammen, sodass es nachvollziehbar ist, dass es ein angespanntes Verhältnis ist", sagte Struth vor einigen Jahren über die schwierige Beziehung zu den Münchnern: "Ich kann und darf nicht immer nett sein. Vor allem, wenn es um meine Klienten geht, vor sie muss ich mich immer bedingungslos stellen und mich für sie einsetzen."

Mit "Piranha" Zahavi hat der FC Bayern gemischte Erfahrungen gemacht

Ebenfalls nicht allzu gut zu sprechen ist man an der Säbener Straße auf Pini Zahavi. Der Israeli ist einer der mächtigsten Berater überhaupt und fädelte 2017 auch den Weltrekord-Transfer von Neymar vom FC Barcelona zu PSG für unglaubliche 222 Millionen Euro ein. Den meisten Bayern-Fans dürfte Zahavi ein Begriff sein, seitdem ihn Hoeneß einst als "geldgierigen Piranha" brandmarkte, als er David Alaba vertrat. Das Ende ist bekannt: Eine Verlängerung scheiterte 2021 an den Gehaltsforderungen des Österreichers, der daraufhin zu Real Madrid wechselte.

Einer der mächtigsten Agenten der Fußball-Welt: Pini Zahavi
Einer der mächtigsten Agenten der Fußball-Welt: Pini Zahavi © IMAGO

Im vergangenen Jahr hatten die Münchner gleich bei zwei Personalien mit Zahavi zu tun. Der Israeli vertrat unter anderem Leroy Sané, mit dem die Bayern ursprünglich verlängern wollten, doch erneut platzten die Verhandlungen aufgrund der Gehaltsforderung der Spielerseite. Sané ging schließlich zu Galatasaray – worüber man beim Rekordmeister im Nachgang nicht einmal so unglücklich war.

Deutlich besser lief es dafür bei den Verhandlungen mit Jonathan Tah, der ebenfalls zu Zahavis Klienten gehört. Der Innenverteidiger kam im Sommer ablösefrei von Bayer Leverkusen und zählt mittlerweile zu den Führungsspielern beim Rekordmeister. Käme der Israeli tatsächlich auf eine Berater-Blacklist, müsste sich Tah also einen neuen Agenten suchen – sofern die Bayern tatsächlich konsequent bleiben.

Davies und Musiala erhielten ebenfalls Top-Verträge mit satten Handgeldern

Selbiges gilt für Jamal Musiala und Alphonso Davies. Musiala gehört zum Portfolio der Münchner Agentur "11Wins", Davies wird von Berater Nick Huoseh vertreten. Beide sollen sich ihre Vertragsunterschriften im vergangenen Jahr neben Top-Gehältern auch noch mit Handgeldern im Bereich von rund 20 Millionen Euro haben versüßen lassen – für Hoeneß ein Dorn im Auge.

Wie ernst es der Bayern-Patron mit seiner Berater-Blacklist tatsächlich meint, wird sich zeigen. Ein Wettbewerbsvorteil auf dem ohnehin schon schwierigen Transfermarkt wäre es für den Rekordmeister jedenfalls nicht.

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