Bayern und die Liga im Stresstest

Am Freitag startet die neue Bundesliga-Saison: Wie fit ist Ribéry, und wie steht es um die Form der anderen Titelaspiranten Borussia, Bayer, Schalke und Wolfsburg?
| Th. Becker
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Ribéry, Raul, Ballack - wie fit sind die Titelaspiranten von Bayern, Schalke oder Leverkusen?
dpa, firo Ribéry, Raul, Ballack - wie fit sind die Titelaspiranten von Bayern, Schalke oder Leverkusen?

München -  Am Freitag beginnt die Bundesligasaison mit dem Duell Dortmund gegen den HSV (20.30 Uhr, ARD und Sky live). Doch egal, ob man die Buchmacher oder den Fan auf der Straße fragt, alle glauben schon zu wissen: Meister wird nur der FC Bayern.

Laut einer Umfrage glauben 45 Prozent der Befragten an einen Titelgewinn des Rekordmeisters. Dem amtierenden Meister Borussia Dortmund trauen dagegen nur 33 Prozent die Titelverteidigung zu. Hinter den beiden Top-Mannschaften balgen sich Bayer Leverkusen sowie die ambitionierten Außenseiter VfL Wolfsburg und Schalke 04 um die Verfolgerplätze. Am Tabellenende erwarten die Buchmacher Freiburg, Augsburg und – hört, hört – Nürnberg.

Auch der erste Spieltag scheint geklärt: Die Topfavoriten FC Bayern, der am Sonntag (17.30 Uhr) gegen Borussia Mönchengladbach ran muss, und Dortmund werden ihre Auftaktspiele gewinnen. Bis zum 34. Spieltag am 5.Mai wird viel passieren.

Unter Druck stehen Jupp Heynckes, Jürgen Klopp und Co. bereits jetzt. Deswegen hat die AZ die fünf ambitioniertesten Klubs schon mal vorab einem großen Stresstest unterzogen.

 


Der Filou hat wieder Spaß

Stärken/Schwächen: In der Defensive sind Fortschritte festzustellen. Während es Louis van Gaal im Vorjahr trotz inständiger Bitten des Vorstands nicht für nötig erachtete, die wackelige Bayern-Abwehr zu stärken, hat Nachfolger Jupp Heynckes mit der Verpflichtung von Rafinha und Jérome Boateng die Lücken gestopft. Schwächen sind im Nobelkader nur per Lupe zu finden.

Und zum Auftakt drängt auch die zuletzt malade Flügelzange zurück in die Startelf. Arjen Robben trainierte gestern wieder mit dem Team; Franck Ribéry, der gestern Lauftraining absolvierte, will heute dabei sein: „Ich gebe Vollgas, damit ich am Sonntag dabei bin.”.

Konfliktpotenzial: Überschaubar. Die Aufregung um Manuel Neuer dürfte sich bald gelegt haben. Auch die zuletzt stetig kokelnde Feuerstelle Trainer/Vorstand ist erloschen. Von Filou Ribéry sind kaum Störfeuer zu erwarten. Er versteht sich mit Heynckes, hat wieder Spaß. Ärger könnte es nur wegen des Konkurrenzkampfs geben.

Trainer: Nach den Experimenten Klinsmann und van Gaal steht Heynckes für die Rückbesinnung auf Vertrautes.

Belastung: Das ewige Thema eines Klubs, der fast nur Nationalspieler beschäftigt. Heynckes wird rotieren (lassen).

AZ-Prognose: Die Schale kommt zurück!

 

 


 

Prüfungen für die Jugend

Stärken/Schwächen: Klar ist der Wechsel von Nuri Sahin zu Real Madrid ein Verlust für Borussia Dortmund, aber wenn man sieht, welch unbekannte Namen da schon wieder übers Feld wirbeln, muss man sich um die Qualität des Kaders keine Sorgen machen.

Zwar wird Angreifer Lucas Barrios mit Muskelfaserriss noch sechs Wochen ausfallen, doch die Leistungen der Neulinge Ilkay Gündogan, Ivan Perisic und des Ex-Löwen Moritz Leitner werden Trainer Jürgen Klopp gefallen haben. Zudem spült ein neuer Ausrüstervertrag 30 Millionen Euro in die Kasse.

Konfliktpotenzial: Mangelware. Ganz Dortmund schwebt nach der rauschhaften Vorsaison immer noch auf Wolke 7. Das Binnenklima zwischen Präsident Hans-Joachim Waske, Sportdirektor Michael Zorc und Coach Klopp wirkt harmonisch. Eitel Sonnenschein, wohin man auch schaut.

Trainer: Jürgen Klopp wird keinen Deut von seiner Zuckerbrot-und-Peitsche-Route abrücken und der Liebling der Liga bleiben, auch wenn’s nicht zur Titelverteidigung langt.

Belastung: Zwar muss man nicht so viele Nationalspieler wie Bayern abstellen, aber die englischen Wochen dank Champions League werden spürbar sein und den jungen Kader um Mario Götze prüfen.

AZ-Prognose: Zweiter ist doch auch nicht übel.

 


Immer Zoff um Ballack

Stärken/Schwächen: Hinten geht bei Bayer Leverkusen der Ärger schon los: Torwart David Yelldell (29), der vom MSV Duisburg kam, muss den verletzten René Adler ersetzen - und tut sich schwer. Wann mit  Adlers Rückkehr zu rechnen ist, steht nicht fest. Ein Notkauf bis zum Transferende ist nicht ausgeschlossen.

Nach dem Karriereende von Sami Hyypiä muss eine neue Innenverteidigung eingespielt werden. Auch der Transfer von Arturo Vidal zu Juventus Turin tut dem Team nicht gut. Immerhin verstärkt Andre Schürrle die Offensive.

Konfliktpotenzial: Trägt den Namen Ballack, Michael. Schon vor dem ersten Spiel muss Trainer Robin Dutt klarstellen: "Wie jeder Spieler aus dem Kader auch, wird der - wenn es die taktische Ausrichtung und die Leistungsfähigkeit erlaubt - in der Startformation stehen. Wenn nicht, dann eben nicht." Ballack wird bald 35 - und sicher keine Lust auf die Bank haben. 

Trainer: Sein Einstand endete desaströs: 3:4 nach 3:0, der Schock von Dresden. Sich selbst hat Robin Dutt die Latte sehr hoch gelegt: „Ich erwarte Bayer mit Dortmund ganz vorne.”

Belastung: Nach dem Pokal-Aus fällt die geringer aus. Aber die Champions League wird stressen.

AZ-Prognose: Wenn’s gut geht: Vizekusen.

 

 


 

Rauls Ärger mit Rangnick

Stärken/Schwächen: Auch Schalke hat ein Torwartproblem. Nicht nur, weil Manuel Neuer weg ist, sondern weil der von Eintracht Frankfurt zurück gekehrte Ralf Fährmann sich einen Faserriss zuzog und von Lars Unnerstall (21) oder Mathias Schober (35) ersetzt werden muss.

Aus Mainz kehrt der fidele Lewis Holtby zurück, der mit Julian Draxler ein flotte Boygroup bilden könnte. Jefferson Farfan fehlt nach einem Muskelfaserriss, weshalb Coach Rangnick den VfB Stuttgart vom Problemkind Ciprian Marica erlöste.

Konfliktpotenzial: Trägt den Namen Raúl González Blanco und liegt weniger am Charakter des Spaniers als an der Rolle, die sich sein Trainer für ihn überlegt hat. Ralf Rangnick sieht den Torjäger eher im Mittelfeld, was dem Star gar nicht schmeckt, verpufft sein legendärer Torriecher dort doch.

Die Wahl in den Mannschaftsrat lehnte Raul ab, und ob sein bis 2012 laufender Vertrag verlängert wird, scheint fraglich.

Trainer: Man kennt Ralf Rangnick hier. Unvergessen seine Ehrenrunde kurz vor der Entlassung im Herbst 2005. Fraglich, ob er sich im berüchtigten Schalker Umfeld zurecht findet.


Belastung: Nach zuletzt Platz 14 drohen immerhin keine englischen Wochen.

AZ-Prognose: Mit dem Titel wird das wieder nix.

 


Shoppen statt Kicken

Stärken/Schwächen: 32 Spieler umfasst der Kader von Chef-Shopper Felix Magath. Der zauberte mal wieder ein paar wunderliche Transfers aus der Tasche: Der zuletzt bei Juventus versauernde Ex-Bayer Hasan Salihamidzic darf wieder mittun. Christian Träsch wechselte für zehn Millionen Euro vom VfB Stuttgart zum VfL Wolfsburg.

Nur was mit Spielmacher Diego passiert, weiß kein Mensch. Im Pokal blamierte man sich beim Viertligisten RB Leipzig, woraufhin Kapitän Marcel Schäfer durchblicken ließ, dass es ums Mannschaftsgefüge nicht zum Besten bestellt ist: „Viele sind nicht kritikfähig.”

Konfliktpotenzial: Trägt auch hier einen längeren Namen: Diego Ribas da Cunha. Nach dem Zoff mit Magath zum Saisonende steht das Sorgenkind vor einem Wechsel nach Spanien zu Atletico Madrid. Sein Vater und Berater sagte: „Mein Sohn wartet nur noch auf die Einigung zwischen den Klubs.”

Trainer: „Ich habe Angst”, sagte Felix Magath nach der desaströsen Leistung seiner Verteidiger Simon Kjaer und Marco Russ gegen Leipzig. Seine Lösung: Shoppen! Angeblich soll Bayerns Daniel van Buyten kommen. Es wird nicht der letzte Transfer sein.

Belastung: Eher mäßig. Man kann sich komplett auf die Liga konzentrieren.

AZ-Prognose: Sie schaffen’s zurück in die Königsklasse, koste es, was es wolle!

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