Bayern-Ultras zu möglichen Geisterspielen: Grotesk und heuchlerisch

Einmal mehr haben sich die Fans des FC Bayern in einem öffentlichen Statement gegen die Geisterspiel-Pläne der DFL und der Vereine ausgesprochen.
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Die Anhänger des FC Bayern setzen erneut ein klares Statement.
imago/Thomas Bielefeld Die Anhänger des FC Bayern setzen erneut ein klares Statement.

München - Die Saison in der Bundesliga soll wenn möglich zu Ende gespielt werden, da sind sich die DFL und die Bundesliga-Klubs einig. Anders sieht es bei den Fans des FC Bayern aus, die sich in den vergangenen Wochen mehrmals gegen die Durchführung von Geisterspielen ausgesprochen haben.

Zuletzt hängten die Anhänger des Rekordmeisters in der Stadt Protestbanner auf, um ihren Unmut auszudrücken.

Club Nr. 12: "Halten Fußballspiele für nicht vertretbar"

In einer Stellungnahme hat sich der Club Nr. 12 nun erneut zur aktuellen Situation geäußert. "Uns blutet das Herz, aber wir halten Fußballspiele in der aktuellen Situation für nicht vertretbar. Weder mit noch ohne Zuschauer", heißt es in der Mitteilung der aktiven Bayern-Fans am Samstag.

Demnach gehe es ihnen unter anderem um den moralischen Aspekt. "Es kann für eine solidarische Gesellschaft keine Option sein, dass Geld oder eifrige Lobbyarbeit darüber entscheiden, einen Corona-Test zu bekommen oder nicht", so der Club Nr. 12.

Aussagen von Keller und Seifert sind "grotesk und heuchlerisch"

Die Anhänger der Münchner spielen darauf an, dass beim Rekordmeister beispielsweise regelmäßig Corona-Tests durchgeführt werden. "Während eine privilegierte Auswahl an Menschen somit mehrmals (wohlgemerkt ohne Symptome und/oder Kontakt zu positiv Getesteten) und wie selbstverständlich einen Test nach dem anderen beansprucht, wissen teilweise beruflich mit Risikogruppen in Kontakt stehende Personen nicht einmal, ob sie unwissentlich als Überträger des Virus fungieren", schreibt die Fan-Vertretung des FC Bayern. 

Vor allem die Aussagen von DFB-Präsident Fritz Keller ("Der Fußball beansprucht keine Sonderrolle") und des DFL-Vorsitzenden Christian Seifert ("Wir erwarten keine Sonderrechte") stoßen dem Club Nr. 12 "grotesk und heuchlerisch" auf. 

Club Nr. 12: Ergebnisse der Solidarität bleiben aus

Fraglich ist für die Bayern-Fans auch, ob es bei den Geisterspiel-Plänen "um die Rettung der Vereine und damit einem wichtigen Ort gesellschaftlichen Miteinanders oder vielmehr um die Rettung sechs- bis siebenstelliger (teilweise gar achtstelliger) Gehaltsstrukturen geht". Demzufolge bleiben tatsächliche Ergebnisse der öffentlich angekündigten Solidarität bisher aus.

"In krassem Widerspruch zur angeblich bevorstehenden Masseninsolvenz stehen die allenfalls zur Symbolik taugenden Gehaltsverzichte von 15 oder 20 Prozent, bei denen es sich wohl teils gar nur um Stundungen handelt", so die Fans der Münchner weiter.

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Viele Arbeitsplätze können durch Geisterspiele nicht gerettet werden

Positive Gegenbeispiele kommen, laut Club Nr. 12, aus Spanien und Italien. In Spanien verzichtet unter anderem der FC Barcelona auf 70 Prozent des Gehalts, die Mannschaft des AS Rom setzt vier Monatsgehälter komplett aus.

Auch das Thema Arbeitsplätze führt die Fan-Vertretung der Münchner in ihrem Statement an. Einerseits würden zwar viele Jobs an der Durchführung der Liga hängen, andererseits seien einige davon direkt an Spiele mit Zuschauern verknüpft - beispielsweise das Catering oder die Sicherheitskräfte. Demnach könnten viele Arbeitsplätze, trotz Geisterspiele, nicht gerettet werden.

Lesen Sie hier: AZ-InterviewTaskforce-Arzt - Es gibt genug Corona-Tests für die Bundesliga

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