Bayern-Remis gegen Arsenal: Mehr Fortschritt als Dämpfer

Es war genau fünf vor zwölf Uhr am späten Mittwochabend, als Vincent Kompany überraschend schwungvoll und dynamisch die Stufen nahm, rauf auf das Podium im Pressekonferenz-Raum der Allianz Arena. Der Bayern-Trainer war wieder fit. "Mir geht's besser", sagte der Belgier und erklärte: "Ich habe einen ziemlich saftigen Virus bekommen, habe natürlich nicht auf meinen Körper gehört und der hat dann gesagt: Jetzt hör mal auf, Junge!"
War der 40-Jährige auch beschwingt aufgrund der Leistung seiner Mannschaft, die er am dritten Spieltag der Ligaphase der Champions League gesehen hatte? Ist das Glas nach dem intensiven 2:2 gegen den englischen Meister FC Arsenal nun halbvoll oder halbleer? Vor allem angesichts der Tatsache, dass mit Flügelspieler Michael Olise (Sperre nach Gelb-Roter Karte) und Mittelfeld-Chef Joshua Kimmich (Trauerfall im engsten Familienkreis) zwei Schlüsselspieler, zweimal Weltklasse, gefehlt haben.
Unentschieden gegen Arsenal eine Achterbahnfahrt
"Wir wollen immer zu Hause gewinnen. Wir hatten das Gefühl, dass wir das Spiel gewinnen können oder vielleicht sogar müssen. Im Moment des Gegentors zum 2:2 ist es natürlich schade. Es war ein starker Gegner, das haben wir gespürt. Aber wir hatten unsere Momente und mehr und bessere Großchancen, als ich es mir vor dem Spiel vorgestellt habe", sagte Kompany. "Die Jungs haben gekämpft, haben wieder Energie gezeigt. Es war nicht die totale Dominanz über 90 Minuten." Wie letzten Samstag beim souveränen 6:1 in der Bundesliga gegen RB Leipzig.
National ist der Meister wieder Tabellenführer – und international? Drei Spiele in der Champions League, zwei Unentschieden. Wobei das 3:3 bei Underdog Viking Stavanger vor etwas mehr als einer Woche in Norwegen ein Ausrutscher war, ein völlig unnötiger Punkteverlust. Dieses 2:2 war eine Achterbahnfahrt. Gegentor, Rückstand, Führung. "In der Phase hätten wir das Ding zumachen müssen – die Chancen waren da", sagte Kane. "In den letzten 20 Minuten haben wir versucht, den Ball zu halten. Arsenal hat uns mit dem Gegentor bestraft."
Der gute Eindruck gegen Arsenal überwiegt
Kann man dieses Remis nun in Bayerns Wunsch, sich zu einem final-würdigen Top-Team in Europa zu entwickeln, als Fortschritt oder als Dämpfer bezeichnen? Beides. Fast gewonnen, am Ende aber eben doch nicht. Auch wenn die Spieler eher enttäuscht wirkten - der gute Eindruck überwiegt. Think pink!
In der vergangenen Saison hatte man bis Weihnachten lediglich ein einziges Spiel verloren – auswärts beim FC Arsenal. "Bis zur 60. Minute haben wir in London ein gutes Spiel gespielt", erinnerte Kompany, "dann mussten wir dreimal wechseln und war das Spiel vorbei für uns." Weil die Kadertiefe fehlte.
Bayern scheiterte in der Saison 2025/26 im Halbfinale an Paris
Jenes 1:3, ebenfalls mit höchster Intensität und auf allerhöchstem Niveau ausgefochten, galt den Münchnern lange Zeit als Referenzwert. Als Vorlage für Verbesserungen und als Motivation, dass man noch den einen Schritt gehen müsse, um auf dem internationalen Top-Niveau bestehen zu können. In den K.o.-Runden, wenn endgültig ausgesiebt wird. Im Viertel- bzw. Halbfinale.
Dort scheiterte man an Titelverteidiger Paris Saint-Germain. Ein Jahrhundertspiel in Paris, 4:5. Im Rückspiel hielt PSG die Bayern mehr in Schach als umgekehrt, 1:1. Der Traum vom Henkelpott war geplatzt.

PSG, Arsenal, Barcelona und Real Madrid sind die Topfavoriten
Nun gelang gegen Arsenal, gegen den Vorjahresfinalisten, erneut kein Erfolg. Der Fortschritt, die Weiterentwicklung lautet: Trotz personell dickem Handicaps konnte man Arsenal beinahe bezwingen. "Ich dachte, wir hatten sie gehabt nach dem 2:1", meinte Serge Gnabry, "aber dann gleichen sie aus."
Sie – ein Top-Team, das wie ein Uhrwerk spielt, orchestriert von Top-Trainer Mikel Arteta. Kategorie oberste Liga. Den Champions-League-Triumph verpassten die Gunners Ende Mai lediglich im Elfmeterschießen. Die Granden des europäischen Fußballs heißen PSG, Arsenal, dazu der FC Barcelona, das immer unberechenbare Real Madrid, nun Mourinho-infiziert.
Wo kann man diese Bayern einsortieren? Sie sind dabei, knapp dran. Eine Hand am Henkelpott? Dafür reicht die ausgestreckte Hand noch nicht. Aber sie haben gelernt, mit dem Werkzeug umgehen zu können, um den großen Coup zu landen – im Juni 2027?