Bayern-Machtdemonstration gegen Stuttgart: Die Fließband-Sieger sind zurück

Mit der 5:1-Machtdemonstration zum Liga-Start gegen den VfB Stuttgart haben die Bayern die nächste Duftmarke gesetzt. Es riecht nach Meisterschale.
Patrick Strasser |
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Michael Olise, hier beim Torjubel nach seinem 2:1, präsentierte sich zum Bundesliga-Start gleich wieder in Galaform.
Michael Olise, hier beim Torjubel nach seinem 2:1, präsentierte sich zum Bundesliga-Start gleich wieder in Galaform. © Sven Hoppe/dpa

Deniz Undav gilt in der Bundesliga-Branche als ehrliche Haut. Als einer, der kein Blatt vor den Mund nimmt – schon gar nicht nach einer 1:5-Packung mit seinem VfB Stuttgart beim FC Bayern im Auftaktspiel der 64. Bundesliga-Saison. "Die Bayern nutzen ihre Chancen einfach aus. Ich glaube, wenn Fabi Bredlow (der VfB-Torhüter, d.Red.) nicht so einen überragenden Tag hat, kassierst du acht oder neun", sagte Undav, seit einigen Tagen der neue Kapitän der Stuttgarter. Seine Lobeshymne klang wie eine Art nachtägliche Kapitulation: "Sie haben einfach diese Qualität, bewegen sich eklig, kreieren Räume für die anderen und spielen die Situationen dann auch aus. Und wenn du dann ein Tor kassierst, hören sie einfach nicht auf."

Das zwischenzeitliche 1:1 bei der Neuauflage des Pokalfinals durch Josha Vagnoman reizte die Bayern. Es folgte das 2:1, das 3:1, das 4:1, das 5:1. Der Meister und Double-Gewinner schlug gegen den Vorjahresvierten, angetrieben vom starken Takt- und Vorlagengeber Joshua Kimmich, eiskalt zurück, hätte noch höher gewinnen können. Das Verrückte beim 5:1-Statement-Sieg: Harry Kane, Deutschlands Fußballer des Jahres, drei Mal in Serie Torschützenkönig, blieb torlos. Seinen Job übernahmen Dayot Upamecano, Michael Olise, Aleksandar Pavlovic und Luis Díaz. Dazu kam ein Eigentor durch Vagnoman. Fünf Tore, hohe Laufbereitschaft, erdrückende Intensität und der gute, alte Spielwitz – fertig war die erste Bayern-Show der Saison. Das ist nicht mehr nur die pure Dominanz, das ist ein Klassenunterschied. Wer soll diese Münchner stoppen, die im dritten Jahr unter Erfolgscoach Vincent Kompany noch flexibler, noch dynamischer wirken? Verstärkt durch die Zugänge Nathaniel Brown, der Zehnerentdeckung in der Not aufgrund des Fehlens von Jamal Musiala (erkrankt), und Ismael Saibari. Der Marokkaner glänzte nach seiner Einwechslung mit zwei cleveren Torvorlagen.

Kompany: "Es ist alles wieder auf null"

Die Bayern knüpften dort an, wo sie im Mai mit einem pulverisierten Torrekord (122 Treffer) aufgehört haben. "Wir versuchen einfach weiterzumachen, das durchzuziehen, was wir in den letzten Jahren gemacht haben: viel Energie, viel Laufbereitschaft und natürlich Tore erzielen", sagte Kompany als wäre nichts leichter als das und betonte: "Es ist alles wieder auf null. Wir haben nichts gewonnen. Dieser Hunger muss sein wie am ersten Tag. Das lebt hoffentlich in der Mannschaft. Aber es ist auch meine Rolle, das vorzutragen." Macht der 40-Jährige. Und seine Spieler folgen ihm. Sie zerlegen ihre Liga-Konkurrenten. Deutscher Meister 2027 – wer mag da widersprechen?

Die Fließbandarbeiter, sie "machen einfach weiter. Egal, ob wir ein Gegentor bekommen und das Ergebnis ausgeglichen wurde: Wir haben versucht, weiter unseren Stiefel zu spielen", sagte auch Kapitän Manuel Neuer, der sich in seinem 600. Pflichtspiel für den FC Bayern über das Gegentor ärgerte. Bezeichnend. Als Trumpf sieht der Torwart zwei weitere Faktoren: "Diese Intensität kann nicht jede Mannschaft mitgehen. Dann haben wir natürlich sehr gute Spieler und können auch immer von außen nachlegen." Positiv für den VfB: Sie haben es hinter sich, die erste Machtdemonstration der Bayern in der neuen Saison. Zu allem Überfluss kam zur Pause auch noch ein Stromausfall in der VfB-Kabine. Trainer Sebastian Hoeneß nahm's mit Humor: "Nicht bei uns sind die Lichter ausgegangen, sondern in der Kabine war kein Licht mehr."

Duftmarke gesetzt

Auch die Körner waren am Ende weg. Und wer den Schaden hat, braucht für den Spott nicht zu sorgen. "Es war ein typisches Spiel gegen den VfB, bis zur letzten halben Stunde eine ausgeglichene Partie", meinte Kimmich. Was Pavlovic präzisierte: "Es ist oft gegen Stuttgart so, dass die Mitte der zweiten Hälfte ein bisschen einbrechen und nicht mehr so viel Kraft haben. Das war heute wieder so." Na, das kann ja heiter werden für den Rest der Liga. "Beide Spiele, gegen Borussia Dortmund und den VfB Stuttgart, zwei Mannschaften, die uns letztes Jahr wirklich das Leben schwer gemacht haben, haben wir verdient gewonnen", sagte Sportvorstand Max Eberl, "wir haben unsere Duftmarke gesetzt." Es riecht schon sehr nach Meisterschale in München.

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