Bayern-Keeper Neuer fehlt im Training: Wird das Aufeinandertreffen mit Baumann zum Fernduell?
18 Gegentore in den letzten fünf Begegnungen, die letzten Ergebnisse belegen die jeweilige Abreibung. 1:4, 0:4 und 0:5. Für Oliver Baumann, den Torhüter und Kapitän der TSG Hoffenheim, bedeuten die Duelle mit dem FC Bayern in jüngster Zeit ein eher fragwürdiges Vergnügen. Gänzlich anders nervig und Energie-raubend ist im Vergleich dazu die Magen-Darm-Infektion, unter der aktuell Manuel Neuer leidet. Am Freitag fehlte der Torhüter im Bayern-Training.
Also ist fraglich, ob sich der Weltmeister von 2014 und Baumann am Sonntag (17.30 Uhr, DAZN) tatsächlich gegenüberstehen. Erst am Sonntag wird sich entscheiden, ob es eine sportliche Auseinandersetzung gibt oder in der Folge ein reines Fernduell um den Posten im Tor der Nationalelf bei der WM im Sommer in Nordamerika. Fällt Neuer tatsächlich aus, wird wie bereits zwei Mal im Januar – damals aus Gründen der Spielpraxis für den Kronprinzen – Jonas Urbig (22) im Bayern-Tor stehen, ein verlässlicher Ersatz.
Nach der Heim-EM 2024 beendete Neuer seine Nationalelf-Karriere nach 124 Länderspielen und steht gemäß seiner wiederholt dazu getroffenen Aussagen ("Fakt ist, dass ich absichtlich zurückgetreten bin") bis dato zur einvernehmlichen Scheidung vom DFB-Team. Stand heute wäre der 35-jährige Baumann vom Champions-League-Aspiranten Hoffenheim die Nummer eins. Der hatte, als solider und zuverlässiger Rückhalt, alle sechs WM-Qualifikationsspiele zwischen den Pfosten absolviert.
Ter Stegen erneut schwer verletzt: WM so gut wie vom Tisch
Baumann ist der unschuldige Profiteur vom Rücktritt des einen und von der so bitteren Verletzungshistorie eines anderen Keepers. Marc-André ter Stegen muss nach seiner schweren Muskelblessur im hinteren Oberschenkel (auch die Sehne ist in Mitleidenschaft gezogen) operiert werden, wird nach eigenen Angaben "mehrere Monate" ausfallen. Weil der Dauer-Pechvogel zuvor so oft so lange verletzt war (der Rücken!) und er beim FC Barcelona seinen Stammplatz verloren hatte, ließ sich ter Stegen (33) zum FC Girona ausleihen. Für die Spielpraxis. Für die WM. Voller Hoffnung. Alles zerplatzt wie ein Ballon.

"Ich fühle extrem mit", meinte Baumann in einem RTL/ntv-Interview über ter Stegen und erzählte: "Ich habe ihm geschrieben. Das gehört sich einfach. Das wünscht man keinem. Ich drücke ihm die Daumen, dass er schnell wieder fit wird." Die Zeit, in nur rund vier Monaten beginnt die WM, arbeitet gegen ter Stegen. Die Nummer eins bei einer WM sein zu können, in der Tradition eines Sepp Maier, Toni Schumacher, Oliver Kahn oder eben Neuer, "interessiert mich aktuell wirklich gar nicht", so Baumann, "ich bin stolz darauf, vermutlich mitfahren zu dürfen." Sehr defensiv.
Wäre Neuer überhaupt bereit für eine DFB-Rückkehr?
Die Frage aller Fragen: Würde Neuer wollen, wenn man ihn zum Rücktritt vom Rücktritt bitten würde? Stufe eins: Will Bundestrainer Julian Nagelsmann das überhaupt? Falls ja, gäbe Neuer sein Ja-Wort zum Comeback? Was vorab – im Idealfall im Geheimen - ausgelotet werden muss. Denn lehnt Neuer das Begehr des Bundestrainers ab, wäre dessen Standing beschädigt. Und das der dann zur Verlegenheitswahl degradierten Nummer eins Baumann noch mehr.
Ende März, wenn Neuer 40 wird, will er im Einklang mit Körper und Geist entscheiden, ob er noch eine Saison im Verein dranhängt. Die Bayern-Bosse würden es begrüßen. Zugleich wäre dies die Voraussetzung für Nagelsmann Antrag zu Neuers erneuter Eheschließung mit dem Nationalteam. Ohne Vertrag in München kein Termin vorm DFB-Standesamt.
