Bayern: Heikles Pflaster

Im Stade Gerland von Lyon (benannt nach einem Stadtteil, nicht nach Bayerns Assistenztrainer) hat Deutschland eine schwere Schlappe kassiert – und Kahn eine seiner „schrecklichsten Niederlagen.“
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Das Stadion von Lyon ist zur WM 1998 renoviert worden. Hier empfängt Olympique seine Gegner.
GES/Augenklick Das Stadion von Lyon ist zur WM 1998 renoviert worden. Hier empfängt Olympique seine Gegner.

Im Stade Gerland von Lyon (benannt nach einem Stadtteil, nicht nach Bayerns Assistenztrainer) hat Deutschland eine schwere Schlappe kassiert – und Kahn eine seiner „schrecklichsten Niederlagen.“

LYON Die kurzen Wege sorgen für Entspannung. Die Bayern sind bei ihrem Aufenthalt in Lyon direkt am Flughafen Saint-Exupéry abgestiegen, in einer Unterkunft der spanischen „NH“-Kette. Der Vorteil: Zum Check-in müssen sie nur einmal über die Straße gehen.

Zur Arena von Olympique, zum „Stade de Gerland“, sind es 20 Minuten mit dem Bus über die Autobahn in den Südwesten Lyons. Das Stadion, benannt nach dem Stadtteil Gerland, fasst 43000 Zuschauer und dürfte den deutschen Fußballfans nicht in bester Erinnerung sein. Renoviert für die WM 1998 in Frankreich, steht es für eine der größten Pleiten der Nationalelf-Geschichte – für das 0:3 gegen Kroatien.

Und auch der FC Bayern erlebte hier eine denkwürdige Pleite – was nicht direkt am Spielverlauf liegt, sondern eher an der After-Work-Party, dem traditionellen Bankett im Mannschaftshotel, das damals höchst ungemütlich ausfiel.

Selbst in der Ausgabe der französischen Sporttageszeitung „L’Equipe“ am Spieltag des Halbfinal-Rückspiels der Champions League von Olympique Lyon gegen den FC Bayern (bei Redaktionsschluss dieser Ausgabe nicht angepfiffen) wird an das 0:3 vom 6. März 2001 erinnert. Der Artikel läuft unter der Überschrift „La Colère de Beckenbauer.“ Klar, es geht um die Wutrede des damaligen Präsidenten Franz Beckenbauer. Als „Uwe-Seeler-Traditionself“ beschimpfte „Le Kaiser“ seine Bayern, und dass sie doch bei Bedarf Nachhilfeunterricht bei ihm bekommen könnten.

Sidney Govou, noch heute im Kader von OL, nahm damals die Abwehr um Andersson, Linke und Kuffour mit zwei Treffern und einer Vorlage auseinander. Für Torhüter Oliver Kahn in der Erinnerung „eine der schrecklichsten Niederlagen meiner Karriere, weil wir richtig vorgeführt wurden“. Erst auf dem Platz, dann beim Mitternachtsdinner. Selten hat man solche Bilder gesehen - gestandene Profis stocherten mit hängenden Köpfen auf ihren Tellern herum, wie Schuljungen, die erwischt wurden, nachdem sie ein Fensterscheiben im Hof eingeschossen hatten.

„Genau in dem Moment haben wir uns gedacht: So, und jetzt zeigen wir's dem Franz. Nun wollen wir erst recht ins Finale“, sagt Stefan Effenberg über die bittere Stunden nach der Zwischenrundenpleite von Lyon. Nach Siegen gegen Arsenal, Manchester United und Real Madrid wurde im Mai tatsächlich der Champions-League-Titel geholt. Seitdem gilt Lyon als Auslöser des Triumphs. Erst die Wutrede, dann die Wutkicks.

Drei Jahre zuvor bei der WM 1998 schied die DFB-Elf von Trainer Berti Vogts nach einem glücklichen 2:1 im Achtelfinale gegen Mexiko am 4. Juli mit einem fürchterlichen 0:3 gegen die Kroaten um den späteren 1860-Star Davor Suker aus: eine der bittersten Pleiten der DFB-Geschichte. Christian Wörns flog mit Rot vom Platz, nachdem er Suker gefoult hatte. Mit dabei von den Bayern, die drei Jahre später noch eine Lektion auf dem schwierigen Pflaster von Lyon erleiden sollten: Jens Jeremies und Michael Tarnat.

Bayern nahm die Festung von Lyon im Europacup freilich schon mal ein: Im Dezember 2008 mit 3:2 - Trainer war damals ein gewisser Jürgen Klinsmann, im Tor stand Michael Rensing. Es ist, als wären Jahre seitdem vergangen.

Patrick Strasser

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