Bayer 04 gegen FC Bayern München: Frank Busemann über zweite Plätze

Der ehemalige Zehnkämpfer Frank Busemann spricht hier über sein spezielles Verhältnis zu Bayer, den Rückrundenstart der Bayern in Leverkusen sowie Begegnungen mit Lucio und Rummenigge.
| Julian Buhl
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"Für Bayern wird da nichts anbrennen“, sagt Frank Busemann (kl. Bild) zum Rückrundenauftakt von Joshua Kimmich (l.) und Co. in Leverkusen.
dpa, Augenklick/Minkoff "Für Bayern wird da nichts anbrennen“, sagt Frank Busemann (kl. Bild) zum Rückrundenauftakt von Joshua Kimmich (l.) und Co. in Leverkusen.

Der ehemalige Zehnkämpfer Frank Busemann spricht hier über sein spezielles Verhältnis zu Bayer, den Rückrundenstart des FC Bayern München  in Leverkusen sowie Begegnungen mit Lucio und Rummenigge.

München - Der 42 Jahre alte ehemalige Zehnkämpfer Frank Busemann war von 2001 bis 2003 bei Bayer 04 Leverkusen aktiv. Sein größter Erfolg war der Gewinn der Silbermedaille bei den Olympischen Spielen 1996 in Atlanta.

AZ: Herr Busemann, wir würden heute gerne mal nicht über Leichtathletik, sondern über Fußball mit Ihnen sprechen. Wie groß ist Ihre Begeisterung denn dafür?
FRANK BUSEMANN: Ich verfolge das Ganze schon, bin aber auch nicht jede Woche im Stadion. Ich kann die Leute auch ehrlich gesagt nicht verstehen, die so dafür brennen, dass der Sonntag dann kaputt ist, wenn Ihre Lieblingsmannschaft mal verliert. Das wird es bei mir nicht geben. Aber ich gewinne eigentlich auch immer, weil ich gleich drei Teams verfolge (lacht).

Welche denn? Als ehemaliger Zehnkämpfer waren Sie ja von 2001 bis 2003 bei Bayer 04 Leverkusen aktiv, deren Fußballer am Freitag die Rückrunde mit dem Spiel gegen den FC Bayern eröffnen.
Meine drei Vereine sind: Schalke, Dortmund und Bayern München - die drei Großen sozusagen. Da will ich Schalke einfach mal dazuzählen. Jeder Fußballfan wird mir aufs Dach steigen und sagen: Das geht nicht. Aber bei Schalke war ich im Verein aktiv, in Dortmund, wo alles schwarz-gelb ist, wohne ich. Und Bayern beeindruckt mich mit seiner Dominanz, den ganzen Superlativen und dem, was die über die ganzen Jahre schaffen.

Schalke und Dortmund - das ist eine spezielle Konstellation. Gibt es da keine Konflikte?
Mein neun Jahre alter Sohn wollte unbedingt Schalke-Fan sein. Ich sagte zu ihm, dass Dortmund vielleicht besser wäre, weil wir ja hier wohnen. In der Schule ging das auch ziemlich schnell schief und er war entsetzt, wie das dann ausartete. Aber er lässt sich nicht davon abbringen. Was soll man machen?

Frank Busemann: Gemeinsam mit Lucio im Kraftraum

Und wie sieht es mit Leverkusen aus?
Als Sie 1988 den Uefa Cup gewonnen haben, wollte ich eigentlich Bayer-Fan werden, aber der Funke ist nie so richtig übergesprungen. Als Leichtathlet war das mein Verein, dessen Strukturen und Menschen ich lieben gelernt habe. Fußballtechnisch ist Bayer für mich aber einer von den anderen geblieben. Aber ein Bayer-Fußballer ist mir besonders in Erinnerung geblieben.

Und zwar?
Lucio. Er war der erste Fußballprofi, der bei uns Leichtathleten Krafttraining gemacht hat.

Interessant. Also trainierten Sie gemeinsam?
Er war zusammen mit uns im Kraftraum. Aber ich habe ihm jetzt nicht gesagt, was er machen soll. Da hatte er seine eigenen Leute dafür. Aber das war schon bemerkenswert, weil das noch vor der heutigen Zeit war, als Fußballer eben noch wie Fußballer trainiert haben. Da war es schon überraschend, dass ein Fußballprofi noch etwas über das normale Trainingspensum hinaus machte.

Gab es noch weitere Begegnungen mit Fußballern?
Ich bin mal bei einer Veranstaltung zufällig mit Karl-Heinz Rummenigge im Taxi gelandet. Da sagte er zu mir: Ihr Leichtathleten müsst richtig Sport machen, wir kicken da nur so ein bisschen, erholen uns davon und dann bereiten wir uns schon wieder aufs nächste Spiel vor. Das fand ich damals beeindruckend von Rummenigge, dass er das so offen feststellte. Aber diese Taxifahrt ist jetzt auch schon wieder fast 20 Jahre her. Mittlerweile hat sich viel geändert.

Wie haben Sie denn die drei zweiten Plätze von Bayer 2002 erlebt, wodurch der Begriff Vizekusen entstanden ist?
Das habe ich natürlich mitbekommen, hatte dadurch jetzt aber nicht unbedingt schlechte Laune. Als betroffener Sportler fängt man da schon ein bisschen an zu weinen, weil man das ja macht, um zu gewinnen. Wenn es dann immer ganz knapp nicht klappt, ist das schon dramatisch.

Freude über Silber in Atlanta: "Aber gewinnen ist halt geiler"

Wie groß ist eine solche Bürde für einen Sportler?
Das ist... kacke (lacht). Ich habe mein ganzes Leben lang versucht, einmal der Beste der Welt zu sein. Das hat nicht funktioniert. Da kann ich jetzt damit leben, aber ich hätte schon gerne gewonnen. Deshalb kann ich nachvollziehen, dass Leverkusen damit gehadert hat. Ein Tor mehr vielleicht zum richtigen Moment hätte die Sache ja schon kippen können. Aber so ist der Sport.

Sie hadern also auch ein wenig mit ihrem größten Erfolg, dem zweiten Platz, der Silbermedaille bei den Olympischen Spielen 1996 in Atlanta?
Nein, nein. In meinem Sport ist das ein bisschen anders als bei den Fußballern, mein zweiter Platz ist emotional anders aufgeladen als beim Fußball. Als Zweitplatzierter im Fußball geht man im letzten Spiel immer als Verlierer vom Platz. Da haben die Titel noch mal einen ganz anderen Stellenwert, weil es die Silber- und Bronzemedaillen in dem Sinne ja gar nicht gibt. Ich war damals selig, dass ich Zweiter werden konnte. Aber gewinnen ist halt trotzdem geiler.

Wie sind denn nun Ihre Erwartungen für das Spiel der Bayern in Leverkusen?
Bayern ist ja eigentlich egal in welchem Spiel fast immer favorisiert. Das wird auch am Freitag wieder so sein. Nach der Winterpause müssen sie sich vielleicht wieder ein bisschen einspielen, aber für Bayern wird da trotzdem nichts anbrennen. Ich tippe auf ein 3:1 für Bayern.

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