AZ-Info: Trotz Fan-Zoff - FC Bayern bleibt bei Hausverbot

Weil er zu einem Spiel der Amateure ein Protest-Banner gegen Montagsspiele ins Grünwalder Stadion geschleust hat, wurde ein Fan des FC Bayern mit einem Stadionverbot sanktioniert. Die Fangruppierung Munich's Red Pride kritisiert die Klubbosse nun scharf.
| Julian Buhl
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"Bayern-Amateure gegen Montagsspiele" - wegen dieses Banners wurde ein Fan mit einem Hausverbot belegt.
imago images / foto2press "Bayern-Amateure gegen Montagsspiele" - wegen dieses Banners wurde ein Fan mit einem Hausverbot belegt.

Weil er zu einem Spiel der Amateure ein Protest-Banner gegen Montagsspiele ins Grünwalder Stadion geschleust hat, wurde ein Fan des FC Bayern mit einem Stadionverbot sanktioniert. Einige Fangruppierungen kritisieren die Bosse nun scharf - doch der Klub bleibt bei seiner Entscheidung.

München - Inmitten der Corona-Krise wird der FC Bayern von dem schwelenden Streit mit einigen seiner Fans eingeholt. Verantwortlich dafür ist der Klub selbst – mit einer äußerst drastischen Sanktion, die er gegen einen Anhänger ausgesprochen hat.

Der wurde nämlich mit einem Hausverbot belegt, nachdem er ein Banner mit ins Grünwalder Stadion geschleust hatte, auf dem ein vergleichsweise harmloser Schriftzug stand: "Bayern-Amateure gegen Montagsspiele."

Bayern wollte sich nicht an Protest beteiligen

Wie die AZ weiß, wurde das Plakat zunächst beim FC Bayern vorgelegt, der als Klub allerdings nicht mit in die Protestformulierung eingeschlossen werden und diese so nicht anmelden wollte. Darauf gab es keine Reaktion mehr des Initiators. Das Banner wurde unangemeldet trotzdem gezeigt und Bayern von der Brandschutzdirektion deshalb gerügt.

In dem Schreiben des Klubs an den Betroffenen, das von Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge und dessen Vize Jan-Christian Dreesen unterschrieben ist, steht nun: "Aufgrund Ihrer nachweislichen Beteiligung bzgl. des unerlaubten Einbringens und Einsatzes eines Banners bei der Spielbegegnung FCB II – FC Halle (gemeint ist der Hallescher FC; d. Red.) am 17.02.2020, erteilen wir Ihnen hiermit Hausverbot."

Fans beklagen Einschränkung der Meinungsfreiheit

Das gilt unbefristet und sowohl für das Grünwalder Stadion, die Allianz Arena, den Campus des Nachwuchsleistungszentrums als auch die Geschäftsstelle an der Säbener Straße. Zweifellos eine harte Strafe! Eine zu harte, findet "Munich’s Red Pride". Die Fangruppierung kritisiert das Vorgehen in einer Stellungnahme auf ihrer Homepage scharf und sieht darin eine Einschränkung der Meinungsfreiheit. Der Betroffene sprach übrigens noch vor wenigen Wochen auf der Podiumsdiskussion "Katar, Menschenrechte und der FC Bayern – Hand auf, Mund zu?".

Die Fans beschließen ihr Statement, in dem sie sich auch ausführlich zum Thema Katar äußern, mit einer Drohung: "Wenn sich die Verantwortlichen des FC Bayern zum Ziel gesetzt haben, den Spielraum, in dem Kurven ihrer Meinung nach kritisch sein dürfen, weiter zu beschränken, werden sie auf nicht gekannten Widerstand stoßen. Diese Farce wird nicht akzeptiert!"

Hausverbot für Fan: "Bayern hat jedes Maß vermissen lassen"

Der "Club Nr. 12" äußert sich auf seiner Homepage ähnlich. "Der FC Bayern hat mit der Bestrafung eines einfachen Fans jedes Maß vermissen lassen", heißt es dort und es werden Vorwürfe erhoben: "Dass der FC Bayern dieses Spruchband zum Anlass nimmt, einen kritischen Fan, dessen Gruppe immer wieder das Katar-Engagement des Vereins kritisiert hat, mundtot zu machen. Dies kann nicht akzeptiert werden." Die Fan-Gruppierung fordert den Verein auf, das Hausverbot mit "sofortiger Wirkung zurückzunehmen". Dazu sieht der FC Bayern nach AZ-Infos derzeit keinen Anlass.

Womöglich fiel die Strafe des FC Bayern auch deshalb so drastisch aus, weil man im Streit mit den Fans ein Zeichen setzen wollte. Es nicht mal drei Wochen her, als am bislang letzten Bundesliga-Spieltag vor der Corona-Zwangspause deutschlandweit ein offener Streit in den Stadien entbrannt war. Auslöser des Konflikts zwischen Fans, Vereinen und DFB war ein Protestbanner von Bayern-Ultras gegen Hoffenheim-Mäzen Dietmar Hopp in der Woche zuvor.

Eine von allen Seiten überhitzt geführte Debatte, die einem in diesen Tagen vorkommt, als wäre sie aus einer anderen Zeit.

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