Eine letzte Dusche für die Fans

Damit seine Anhänger was zu lachen haben, macht Ribéry nochmal ordentlich Faxen. 5000 Menschen sind gekommen, um den Bayern zum vorerst letzten Mal beim Üben zusehen.
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Franck Ribéry (l.) und Lukas Podolski kippen aus Jux Wasser über ihre Spieler-Kollegen.
Rauchensteiner/Augenklick Franck Ribéry (l.) und Lukas Podolski kippen aus Jux Wasser über ihre Spieler-Kollegen.

Damit seine Anhänger was zu lachen haben, macht Ribéry nochmal ordentlich Faxen. 5000 Menschen sind gekommen, um den Bayern zum vorerst letzten Mal beim Üben zusehen.

Pascal hat sich vorbereitet auf diesen Tag. Am Mittwoch war er „beim Max“. Der Max ist Friseur in der Nähe von Dingolfing und hat dem Zehnjährigen den richtigen Style verpasst für die Säbener Straße 51. Für das vorerst letzte öffentliche Training des FC Bayern.

Hat er gut hinbekommen, der Max: Pascal steht mit dem ausrasierten und eingefärbten Vereinswappen seines Lieblingsteams auf dem Hinterkopf in der ersten Reihe, direkt hinter den Absperrungen, die die Security errichtet hat.

5000 Menschen verabschieden Hitzfeld

Die Absperrung braucht’s dringend, denn zum letzten Training mit Torhüter Olli Kahn und Trainer Otmar Hitzfeld sind an die 5000 Menschen gekommen. Normalerweise sind es vielleicht 500 bis 1000.

„Ich will unbedingt ein Autogramm vom Schweinsteiger“, sagt Pascal und kneift die blauen Augen zusammen. „Ist er nicht dort hinten?“ Viel sehen kann der junge Niederbayer von seinem Platz aus nicht. Er steht zwar in der ersten Reihe, hat aber weder einen Blick aufs Spielfeld noch auf die Tür, aus der sie kommen, die Götter in Rot-Weiß.

Jessica Ölke (16) und Tanja Kuhn (14) aus Wolfratshausen haben’s besser erwischt: Erste Reihe, direkt am Spielfeld und Blick auf die Tür. „Aber dafür stehen wir auch schon seit acht Uhr da“, sagen die beiden Schülerinnen. Sie hatten bereits einen guten Blick auf Olli Kahn, der auf den Platz gejoggt ist und – die „Olli, Olli, Olli“-Rufe ignorierend – mit seiner Übungsstunde begonnen hat.

Scherzkeks Franck Ribéry

10.30 Uhr. Das Training hätte vor einer halben Stunde anfangen sollen. Aber statt auf dem Platz tut sich was auf dem Flachdach des Vereinsgebäudes: Scherzkeks Franck Ribéry steht mit Schalk in den Augen und einem Eimer Wasser in der Hand auf dem Dach, direkt über dem Ausgang. Nachdem er am Mittwoch Olli Kahn und die Fans nass machte, will er seine Aktion heute wiederholen. Aber dazu müssten die Fans erstmal aufhören zu schreien, sonst kriegen seine Kollegen ja mit, dass Gefahr von oben droht. „Psst“, legt Ribéry seinen Zeigefinger über die Lippen. Die Menge gehorcht. Vereinzeltes Kichern, ein paar „Ribéry“-Rufe, dann gespanntes Schweigen. Die Tür geht auf – wusch! – heute hat die Dusche Marcell Jansen getroffen. Pudelnass aber grinsend geht’s ab aufs Spielfeld. Die Fans freuen sich. Der Ribéry is scho a Hund!

Johannes Mensch (9) gluckst. Das frühe Aufstehen in den Ferien hat sich gelohnt. Der Neunjährige ist mit Oma, Mama, zwei Schwestern und zwei Brüdern aus dem Allgäu angereist. Um fünf sind sie aufgestanden, haben ihr selbst gebasteltes Plakat ins Auto gepackt. „Danke Olli“, steht drauf. „Wir werden dich vermissen, aber nicht vergessen. Die ,Menschenskinder’ aus Herretshofen“.

Jetzt noch ein Autogramm, dann wäre der Tag perfekt. Am liebsten eins vom Olli. „Der spielt ja jetzt dann nicht mehr. Da wird ein Autogramm schnell mal 1000 Euro wert“, schätzt Tanja Kuhn kühn. Sie muss es wissen, denn sie hat ihr Zimmer mit Spieler-Postern tapeziert, schläft in FC Bayern-Bettwäsche und erkennt die Stars sofort an ihren Autokennzeichen. „Das da ist zum Beispiel das Auto vom Demichelis“, sagt die 14-Jährige. „Und das das vom Hitzfeld. Der hat das einzige mit Lörracher Kennzeichen.“ Und noch etwas weiß die Schülerin: „Nächstes Jahr haben die Bayern nicht mehr ,RM’, also Rekordmeister, auf ihren Nummernschildern, sondern ,DM’, Deutscher Meister.“ Am liebsten würde sie in der Nähe der Säbener Straße wohnen, um ihren Idolen noch näher zu sein.

„Das lässt der Hoeneß nicht zu"

Wenn’s nach dem künftigen Trainer Jürgen Klinsmann geht, bringt die Nähe zur Säbener Straße aber bald nichts mehr. Er will das Training unter Ausschluss der Öffentlichkeit abhalten. Jessica Ölke glaubt das allerdings nicht. „Das lässt der Hoeneß nicht zu, hat er gesagt. Schließlich tragen wir Fans zur Hero..., Hero... – wie heißt das? – Heroisierung des Vereins bei.“

Auch Anlagenbediener Markus Schwendner (38) aus Amberg (Oberpfalz) hält Trainings ohne Fans für eine „Schnapsidee“. Klinsmann mag er eh nicht besonders. „Der steht nur vorne und schwingt Reden. Die Arbeit hinter den Kulissen müssen die anderen tun. Für jeden Muskel hat er einen anderen Trainer. Der wird’s schwer haben“, prophezeit er. Seine Frau Renate (38) nickt. Sie ist – natürlich – wegen Luca Toni mitgekommen, dem Beau, den hier nur noch ein Zaun von seinen Fans trennt. Beinah könnte man ihn berühren...

Heute sehen er und seine FCB-Spezln allerdings ein bisschen aus wie Schüler in der letzten Sportstunde vor den Ferien. Man kann ja noch mal draufhauen, auf den Ball, aber überanstrengen – no grazie!

Julian Karolak (10) filmt den FC Hollywood auf dem Rasen trotzdem. Sein großer Bruder Hubert (23) hat schließlich extra fürs letzte öffentliche Training eine neue Kamera gekauft, die wird jetzt auch eingesetzt. „Am liebsten würden wir damit allerdings filmen, wie uns Klose, Podolski oder Ribéry die Hände schütteln.“ Träumen wird ja wohl erlaubt sein.

Ein Traum wird wahr

Seinen Traum bereits in die Tat umgesetzt hat Jörg Lobe(28): Im Februar hat er sich das Vereinswappen in den Oberarm tätowieren lassen. „Das wollte ich schon immer“, sagt der Hausmeister aus Forchheim (Franken). Dann dudelt sein Handy los: mit „FC Bayern, Stern des Südens“-Klingelton. Als er fertig ist mit Telefonieren sagt er noch: „Der FC Bayern ist der Wahnsinn, eine absolute Super-Mannschaft.“

Zustimmendes Nicken. Das Training ist vorbei. Jetzt beginnt für die Fans die heiße Phase: Wenn die Spieler geduscht sind, kommen vielleicht ein paar und geben Autogramme. Heute ist es Miroslav Klose, der die Fan-Liebe über sich ergehen lässt. „Der fängt gleich wieder an zu heulen“, sagt einer der Fotografen abschätzig. „Der hat ja schon ganz feuchte Augen.“ Vor allem aber hat „der Miro“ einen langen Atem. 20 Minuten lang schreibt er Autogramme, ehe der Chauffeur eines der dunklen Audis auffordernd hupt. Dann steigt Klose ein, und weg ist er. Welche Autonummer er hat, weiß jetzt nicht mehr nur Tanja Kuhn, sondern auch die AZ-Redakteurin. Vielleicht hält sie in der Stadt mal Ausschau nach der Nummer – wobei: Eigentlich wäre die von Luca Toni viel interessanter. Und zwar die Telefonnummer...

Daniela Transiskus

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