Maurer: "Eine Mannschaft ist wie ein Kindergarten"

EHC-Urgestein Uli Maurer ist mit Schwenningen in München zu Gast. In der AZ spricht er exklusiv über Dialekt und Trachten, Pat Cortinas Temperament, Vaterfreuden und Treffen mit Felix Neureuther.
| Interview: Matthias Kerber
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Uli Maurer, damals noch im EHC-Dress, bei der Meisterfeier.
Rauchensteiner/Augenklick Uli Maurer, damals noch im EHC-Dress, bei der Meisterfeier.

München - Die AZ hat mit Uli Maurer gesprochen. Der 32-Jährige spielte von 2010 bis 2016 beim EHC Red Bull München, wechselte nach dem Titelgewinn zu den Schwenniger Wild Wings, mit denen er am Freitag (19:30 Uhr) in München antreten wird.

Herr Maurer, wie haben Sie, der Ur-Bayer, sich in Ihrem zweiten Jahr bei den Eishacklern der Schwenniger Wild Wings eingelebt? Färbt das Schwaben-Dasein schon ab?
ULI MAURER: Mei, der Schwabe tickt sicher anders als der Oberbayer, aber das bin ich ja schon aus meiner Zeit in Augsburg gewohnt. Meine Familie und ich fühlen uns hier sehr wohl, das passt schon. Aber es ist schon noch so, dass ich in der Kabine komisch angeschaut werde, wenn ich den Mund aufmache. Bis auf den Tobi Wörle sind ja nicht so viele Spieler da, die der bayerischen Mundart mächtig sind, die müssen dann halt zwei Mal hinhören, wenn ich was sage. Aber ich sage immer: Die Leute sollen ruhig wissen, wo ich herkomme. (lacht)

Trotzdem passt man sich automatisch etwas an, oder?
Freilich. Wenn ich ein paar Interviews in Schwenningen gegeben habe und danach bei meinen Eltern in Garmisch anrufe, kriege ich schon zu hören, ob ich kein Boarisch mehr reden kann. Mal sehen, wie das irgendwann meine Töchter handhaben werden, ich will sie schon so aufziehen, dass sie Dialekt sprechen. Aber am Ende werden es die Freunde, das Umfeld sein, die mitentscheidend dafür sein werden, ob Dialekt angesagt ist oder nicht. In Garmisch ist auch schon viel verloren gegangen. Ich muss zugeben, wenn mein Vater sich mit seinen Leuten unterhält, dann sind da schon Ausdrücke dabei, die bei meiner Generation nicht mehr so präsent sind. Das finde ich sehr schade, aber das werden wir auch nicht aufhalten können.

Vielleicht ist ja Dialekt irgendwann so angesagt, wie es die Tracht geworden ist. Siehe Oktoberfest.
Wird sich zeigen, aber ich muss schon sagen, wenn ich sehe, dass einer mit Lederhosn, Tennis-Socken und Segelschuhen antanzt, dann stellen sich bei mir alle Nackenhaare auf.

Wie sieht es mit Ihrer Zukunft aus? Ihr Vertrag in Schwennigen läuft nach der Saison aus.
Noch hat es keine Gespräche gegeben. Aber als Familienvater braucht man natürlich eine andere Gewissheit, als man das früher für nötig hielt. Meine Große kommt nächstes Jahr in den Kindergarten. Da muss man halt einfach irgendwann wissen, wo es hingeht, sonst steht man am Ende ohne Kindergartenplatz da.

Sportlich läuft es ja bei den Wild Wings erfreulich.
Das stimmt. Aber es ist alles so eng. Ein, zwei schlechte Wochenenden – und man ist wieder unten drin. Sollten wir die Pre-Playoffs schaffen, dann wäre das für unseren Verein eine ganz große Sache. Wir sind eine verschworene Gemeinschaft. Das kann man fast eins zu eins auf die Situation beim EHC früher übertragen. Wir haben einen sehr kleinen Etat, da muss man mit anderen Sachen punkten. Der Erfolg gibt ja den Red Bulls recht und an die Meisterschaft werde ich mich immer erinnern.

Ist Ihr Trainer Pat Cortina, der in seiner Zeit beim EHC München den Spitznamen Dolomiten-Vulkan erhielt, ruhiger geworden?
(lacht) Wenn man ihn fragt schon. Wenn man mich fragt, nicht wirklich. Er ist erfahrener geworden, aber er kann immer noch ganz gewaltig explodieren.

Und wie in München auch mal eine Kabinentür eintreten?
Das ist hier noch nicht passiert, vielleicht sind die Türen hier stabiler gebaut. Aber man muss sich auch nichts vormachen: Mannschaften sind wie ein Kindergarten, die brauchen auch mal einen gewaltigen Arschtritt vom Trainer. Das ist in München bei Don Jackson nicht anders. Der ist ein anderer Typ, aber wenn er mal ausrastet, dann richtig, dann weiß jeder: Wir haben wohl ziemlich viel falsch gemacht in letzter Zeit. Das ist ein Weckruf.

Haben Sie Ihrem guten Freund Felix Neureuther schon Tipps fürs Papasein geben, er ist ja gerade Vater geworden.
Ich habe ihm gratuliert, aber sein Zeitplan ist so eng gestrickt, dass er gerade so bei der Geburt dabei sein konnte und dann schon wieder weg war. Ich freue mich sakrisch für ihn – und auch, dass er diese Euphorie auch mitnehmen konnte und in Levi gleich den Slalom gewinnen konnte. Er wird schon sehen, das Leben verändert sich, mit Kindern entschleunigt sich alles, man rennt diesem Rausch nicht mehr so hinterher. Die Kinder leben in den Tag hinein, davon kann man nur lernen.

Wenn Sie sich treffen, werden also beide Kinderwagen schieben?
Man merkt auch so schon, wie sehr sich alles verändert. Der Buchwieser Martl ist ja auch vergangenes Jahr Vater geworden. Früher haben wir uns alle getroffen und sind um die Häuser gezogen. Heute treffen wir uns alle zum Grillen am Nachmittag, breiten auf der Wiesn die Decken aus und bespaßen unsere Kinder. Und spätestens um 23 Uhr schaut jeder, dass er heimkommt, weil er weiß, dass einen am nächsten Tag um 6.00 Uhr die Kinder wieder voll in Anspruch nehmen.

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